Erweiterte Funktionen

Wird die FED auf die Inflationszahlen reagieren?


11.11.21 15:00
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Mit der Veröffentlichung der überraschend hohen Inflationsrate in den USA von 6,2% im Oktober machten die US-Renditen einen Sprung nach oben, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.

Derzeit lägen die zehnjährigen Renditen bei 1,55%, nachdem sie im Laufe der Woche zunächst kräftig nachgegeben hätten. Die Bundrenditen hätten den Sprung nur teilweise nachverfolgt. Hier würden die massiv steigenden Corona-Infektionszahlen in Deutschland und anderen Teilen Europas auf der Stimmung lasten. Zehnjährige Bunds würden jetzt bei -0,25% rentieren.

Der allgemeine Tenor sei, dass die FED angesichts des Inflationssprungs nicht an ihrem bisherigen Plan festhalten könne, sondern die Anleiheankäufe noch rascher herunterfahren müsse bzw. den Leitzins früher als bisher anvisiert erhöhen sollte. Vermutlich lasse sich die FED von diesen Medienstimmen nicht beeindrucken, denn vieles spreche dafür, dass im Januar die Inflation wieder nachgeben würden und im Laufe des kommenden Jahres weiter sinken werde. Ein nach Panik riechendes Beschleunigen des Taperings und ein Vorziehen der Leitzinsanhebung könnten eine Vollbremsung der Wirtschaft auslösen, etwa durch einen Einbruch an den Aktienmärkten. Die FED würde im Übrigen an Glaubwürdigkeit verlieren, weil ihr Chef, Jerome Powell, immer wieder betont habe, dass es eben nicht nur um Preisstabilität gehe, sondern auch um maximale Beschäftigung. Und davon sei man immer noch relativ weit entfernt. Wenn man nun stärker auf die Bremse trete als geplant, würde sich die Erholung des Arbeitsmarktes nicht fortsetzen.

In der Eurozone dürften die massiv steigenden Infektionszahlen bei der EZB Überlegungen auslösen, ob man nicht doch das PEPP-Programm verlängern sollte. Bisher habe die EZB-Präsidentin Christine Lagarde immer betont, dass es sich um ein Notfall-Programm handle und vor dem Hintergrund des bis vor kurzem noch eher freundlich sich entwickelnden Pandemiebildes müsse man dieses Programm im März beenden. Der jüngste massive Anstieg der Infektionszahlen und der Krankenhauseinlieferungen lassen bei uns jetzt Zweifel an dieser Aussage aufkommen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Gut möglich, dass in den nächsten Tagen oder Wochen Äußerungen in diese Richtung getätigt würden. Spätestens am 16.12. bei der EZB-Sitzung sollte man darüber Klarheit erhalten.

Konjunkturrisiken könnten auch in China ausgemacht werden. Dort müsse der Immobilienentwickler Kaisa heute (11.11.) eine Kupon-Zahlung auf einen US-Dollar Bond leisten. Kaisa sei zwar nicht so groß wie Evergrande, habe aber höhere US-Dollar-Schulden als der Wettbewerber. Der Stabilitätsbericht der FED habe vor wenigen Tagen vor dem Risiko gewarnt, das von Zahlungsausfällen am chinesischen Immobilienmarkt ausgehen könnte. Beunruhigend sei, dass erst jetzt herausgekommen sei, dass sich Kaisa in einem größeren Maßstab auch über Wealth Management Produkte refinanziert habe, also bei Privatanlegern, und im Juni noch eine robuste Bilanz vorgewiesen habe. Das schaffe Unsicherheit und erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass auch gesunde Unternehmen aus dem chinesischen Immobiliensektor in Liquiditätsprobleme geraten würden.

Derweil habe gestern der Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung sein jährliches Gutachten veröffentlicht. Bei der Konjunkturprognose habe es keine große Überraschung gegeben. Für das schon fast abgelaufene Jahr erwarte man ein Wachstum von 2,7%, für 2022 4,6%, die Lieferkettenprobleme würden als Bremsklötze dargestellt und wenn die gelöst seien, könne es insbesondere in der Industrie kräftig nach oben gehen, da die Auftragsbestände auf Rekordhoch seien. Am spannendsten sei aber die Diskussion darüber, wie denn eine künftige Regierung mit der Schuldenbremse umgehen solle.

Datenseitig stünden nur wenige Indikatoren auf der Agenda. Morgen (12.11.) erscheine der Michigan Konsumentenvertrauensindex in den USA für den laufenden Monat und die Industrieproduktion aus der Eurozone (Sep), China und USA würden mit Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze am 15.11. (China) bzw. 16.11.) (USA) folgen, jeweils für Oktober. Ende der nächsten Woche kämen noch die Erzeugerpreise (19.11., Okt) aus Deutschland. (11.11.2021/alc/a/a)