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Wie geht es weiter mit der Zinspolitik der FED?


12.10.17 12:20
Natixis Global AM

Paris (www.anleihencheck.de) - Auf den ersten Blick verlief das Treffen erwartungsgemäß, so David Lafferty, Chief Market Strategist bei Natixis Global Asset Management.

Die FED habe die Leitzinsen unverändert gelassen, und der Bilanzabbau werde im weiteren Verlauf dieses Monats beginnen. Man müsse der FED zugutehalten, dass sie ihre Politik vorausschauend kommuniziere, um die Volatilität zu minimieren. Doch sowohl die zugrundeliegende Sprache der Mitteilung als auch der "Dot Plot", der die Prognosen der einzelnen Ratsmitglieder zur Entwicklung des Leitzinses abbilde, seien deutlich restriktiver als erwartet gewesen.

Als Folge aus den beiden Hurrikans Harvey und Irma Anfang September sei die vom Markt implizierte Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der FED im Dezember auf bis zu 20% gesunken. In den letzten Tagen sei sie allerdings wieder auf 50% gestiegen. Der Ausschuss räume in seiner Mitteilung zwar ein, dass die Unwetterstörungen sich kurzfristig auf die Wirtschaft auswirken könnten, halte es aber für sehr unwahrscheinlich, dass sie die langfristige wirtschaftliche Entwicklung "materiell ändern" würden. Somit sei klar, dass eine Erhöhung der Zinsen auf der Ausschusssitzung im Dezember keineswegs vom Tisch sei. Und somit sei auch die vom Markt implizierte Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der FED im Dezember in der Folge der jüngsten Sitzung auf über 63% gestiegen.

Auch der "Dot Plot" deute auf eine restriktivere Politik hin: Wenn man den Median der Prognosen für das Jahresende 2017 zugrunde lege, so sei bis dahin noch eine weitere Zinserhöhung nötig. Möglicherweise hätten die Investoren kurzfristig mit einem etwas flacheren Anstieg der Leitzinsen gerechnet.

Zu den subtileren Signalen habe die Bestätigung durch FED-Chefin Yellen gehört, dass der Prozess des Bilanzabbaus sehr geradlinig ablaufen werde, sofern keine signifikanten wirtschaftlichen Probleme auftreten würden. Zudem habe sie betont, dass der Bilanzabbau im Wesentlichen einem festen Schema folge und kein aktives Werkzeug der FED darstelle. Wer von der FED einen etwas nuancierteren und flexibleren Ansatz beim Bilanzabbau erwartet habe, werde also enttäuscht sein. Kurz gesagt: Obwohl die Überschrift den Erwartungen entspreche, sei der Markt davon überrascht gewesen, wie entschieden der Ausschuss in seinem Ausblick trotz der Unwetterstörungen und trotz der unterdurchschnittlichen Inflationsentwicklung an seinen Plänen festhalte.

Auf diese Überraschung hätten die Märkte mit höheren Renditen, einer leichten Schwäche bei den Aktien und einem Anstieg des US-Dollarkurses reagiert. Gerade der Anstieg des Dollars werde viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischen, denn der allgemeine Konsens gehe von einer fortgesetzten Schwäche des Dollars aus.

Die Sitzung der FED habe kurzfristig Schlagzeilen gemacht, doch die langfristigen Folgen seien noch nicht abzusehen. Da über die letztlichen Auswirkungen einer Ausweitung der Notenbankbilanz wenig Einigkeit bestehe, würden sich auch die künftigen Implikationen des QT (Quantitative Tightening) schwer abschätzen lassen. Wir befinden uns auf unerschlossenem Gebiet, so die Experten von Natixis Global AM. Die FED entziehe dem Markt langsam Liquidität, während andere Zentralbanken noch dabei seien, ihre Bilanzen auszuweiten. Wahrscheinlich würden die wirklichen Folgen der neuen FED-Politik erst sichtbar, wenn auch die EZB mit dem Abbau ihrer Bilanz beginne, also wahrscheinlich im zweiten Halbjahr 2018.

Auf den Aktienmärkten seien höhere Zinsen und QT momentan nicht die dominanten Themen. Durch entsprechende Vorabinformationen durch die FED seien die Investoren auf einen unglaublich langsamen Normalisierungsprozess vorbereitet. Angesichts der ursprünglich sehr niedrigen Zinsen könnten die Anleger die fortgesetzte Normalisierung eher als Bestätigung sehen, dass der Aufschwung weitergehe. Anleihen seien bei einer Rendite von etwa 2,2% für zehnjährige US-Staatsanleihen - keine wirkliche Konkurrenz für Aktien. Trotz der hohen Bewertungen an den Aktienmärkten müssten die Zinsen wohl um 50 bis 100 Basispunkte steigen, um den Aktien gefährlich zu werden.

Die Experten würden skeptisch bleiben, was die prognostizierte Schwäche des Dollars angehe. Die FED zeige sich entschlossener als erwartet, und Trumps Agenda, die noch vor wenigen Monaten für tot erklärt worden sei, bekomme neues Leben. (12.10.2017/alc/a/a)