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Wichtigste Notenbanken: Gleiche Richtung, unterschiedliches Tempo


06.10.21 16:00
Merck Finck

München (www.anleihencheck.de) - Eineinhalb Jahre nach Ausbruch der Corona-Pandemie sorgt die wirtschaftliche Normalisierung für ein Umdenken bei den Notenbanken, so Robert Greil, Chefstratege bei der Merck Finck a Quintet Private Bank.

Die Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik werde Schritt für Schritt Realität - allerdings in unterschiedlichem Tempo.

Am schwächsten wehe der "Wind of Change" gegenwärtig in der Eurozone. Die EZB halte die Inflation nach wie vor für eine vorübergehende Erscheinung. Zwar habe sie zuletzt das Tempo ihrer Anleihekäufe leicht gedrosselt, möchte dies aber explizit nicht als Ausstieg aus der weiterhin sehr expansiven Geldpolitik verstanden wissen. "Die Lady tapert nicht", so EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Das Dezember-Meeting der EZB solle Aufschluss bringen, wie der künftige Kurs in Sachen Anleihekäufe aussehe. Eine Leitzinsanhebung sei aber derzeit noch in weiter Ferne.

Die US-Notenbank FED sei da schon etwas weiter. Seit Monaten bereite sie den Kurswechsel hin zum Tapering behutsam vor. Sollte der US-Arbeitsmarktbericht für September an diesem Freitag nicht enttäuschen (wovon die Experten ausgehen würden) und in diesem Monat die weiteren Daten zumindest halbwegs stabil bleiben, dürfte Jerome Powell Anfang November einen konkreten Plan zur Normalisierung der Geldpolitik vorlegen. Ziel dürfte es sein, die Netto-Anleihekäufe der FED bis etwa Mitte 2022 auf null zurückzufahren. Mit einer ersten Leitzinserhöhung sei frühestens in einem Jahr, eher Anfang 2023 zu rechen.

Die Bank of England befinde sich bereits in der Schlussphase ihres QE-Programms, und könnte eigentlich schon bald die erste Leitzinsanhebung anpeilen. Die BoE halte ihren Leitzins seit März 2020 bei 0,1 Prozent. Angesichts diverser Versorgungsengpässe würde eine Zinsanhebung die Verbraucher derzeit aber wohl noch weiter verunsichern, was die Konsumstimmung und damit Ausgabenbereitschaft belasten würde. Die Experten würden daher frühestens in einigen Monaten mit dem ersten Leitzinsschritt nach oben rechnen.

Unterm Strich würden die Top-Notenbanken in unterschiedlichem Tempo nun langsam auf einen weniger, aber immer noch expansiven geldpolitischen Kurs einschwenken. Manch kleinere Notenbank habe den Schwenk bereits vollzogen. So etwa die Norwegische Zentralbank, die Ende September den Leitzins von bislang null Prozent auf 0,25 Prozent heraufgesetzt habe. Gleichzeitig habe die Zentralbank weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. (06.10.2021/alc/a/a)