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Wertpotenzial im Rentenbereich? Alles ist relativ


04.12.17 12:00
Goldman Sachs Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Im derzeitigen Umfeld sind die generellen Renditeaussichten für herkömmliche Rentenstrategien unserer Ansicht nach asymmetrisch verteilt, wobei das Verlustrisiko gegenüber dem Gewinnpotenzial überwiegt, so Iain Lindsay, Co-Head of Global Portfolio Management, Global Fixed Income & Liquidity Management.

Die Risikoprämien seien in allen bedeutenden Sektoren des globalen Anleihemarktes im historischen Vergleich relativ niedrig. Dies bedeute, dass Erträge nur eingeschränkt zur Rendite beitragen könnten.

Die herkömmlichen Treiber für Anleiherenditen würden ein ungleich verteiltes Risiko-/Ertragsprofil aufweisen. In solch einem Marktumfeld, indem sich auch der makroökonomische Hintergrund verändert, sind so genannte "Relative-Value"-Strategien unserer Ansicht nach eine interessante Möglichkeit, so die Experten von Goldman Sachs Asset Management.

Relative-Value-Strategien würden ebenso wie herkömmliche Rentenstrategien darauf abzielen, über Erträge und Kapitalzuwachs Renditen zu erwirtschaften. Der Hauptunterschied bestehe darin, dass sie einen Kapitalzuwachs anstreben würden, indem sie sich für ein Auseinanderlaufen oder eine Annäherung zwischen zwei oder mehr Anlagepositionen aufstellen würden, anstatt auf Veränderungen einer einzelnen Position zu setzen.

Nachstehend erörtern die Experten von Goldman Sachs Asset Management drei Beispiele für Bereiche, in denen sie derzeit attraktive Relative-Value-Gelegenheiten sehen, sowie mögliche Anlagestrategien.

1. Macro Relative Value: Europäisches vs. US-amerikanisches Finanzumfeld

Die Experten sähen eine der zentralen makroökonomischen Verschiebungen im aktuellen Marktumfeld darin, dass die Unterschiede des Finanzumfelds in Europa und den USA weiter wachsen würden. Die finanziellen Bedingungen in Europa seien trotz der entgegenkommenden Politik der EZB angezogen, während in den USA das Gegenteil zu beobachten sei: Trotz einer strafferen Geldpolitik der FED - mitsamt Zinsanhebungen und einer Reduzierung der Bilanz - habe sich das Finanzumfeld hier eher entspannt.

2. Relative Value über Länder hinweg: Italienische und deutsche Zinssätze

Seit der französischen Präsidentschaftswahl hätten Bedenken zerstreut werden können, wonach ein zunehmender Populismus den Zusammenhalt der Eurozone untergraben könnte. Im Gegenteil stehe ein stärkeres Bündnis zwischen Frankreich und Deutschland in Aussicht. Dies habe zu einer Rally bei zahlreichen europäischen Risikoanlagen geführt, einschließlich italienischer Anleihen. Nach Ansicht der Experten von Goldman Sachs Asset Management dürfte die Outperformance der italienischen Anleihen gegenüber ihren deutschen Pendants allerdings nicht nachhaltig sein. Hier würden sich Chancen für eine Relative-Value-Positionen auftun, die auf eine Umkehr dieses Trends setzen würden.

3. Relative Value innerhalb eines einzelnen Marktes: Die US-amerikanische Zinskurve

Die globalen Zinskurven seien seit Anfang 2014 dramatisch abgeflacht. Nach Ansicht der Experten von Goldman Sachs Asset Management sind viele Faktoren zusammengekommen, die diese Abflachung verursacht haben. Dies habe im Ergebnis für ein attraktives Risiko-/Ertragsprofil bei Relative-Value-Strategien gesorgt, die sich auf die globalen Zinskurven fokussieren würden.

Die effektive Umsetzung von Relative-Value-Strategien erfordere ein breit angelegtes globales Anlagespektrum und einen ausreichenden Ermessensspielraum. Aus Sicht der Experten würden diejenigen Portfoliostrategien vielversprechende Ergebnisse liefern, die erstens eine absolute Rendite verfolgen würden, zweitens den Einsatz von Derivaten zulassen würden und drittens die Diversifizierung in den Mittelpunkt stellen würden.

Herkömmliche Rentenstrategien würden auf Renditen im Verhältnis zu einer Benchmark zielen, was zu Schwerpunkten in Marktsektoren führen könne, deren Risikoprämien eventuell weniger attraktiv seien. Ein Ansatz, der absolute Renditen verfolge und bei dem die Performance an einem kurzfristigen Zinssatz gemessen werde, biete mehr Flexibilität, um unattraktiven Risiken aus dem Weg zu gehen und sich stattdessen auf interessantere Risiko-/Ertragsprofile zu konzentrieren.

Derivate seien ein wesentlicher Bestandteil von Relative-Value-Strategien. Sie könnten im Rahmen von Strategien eingesetzt werden, die die von der Auseinanderentwicklung der Zinssätze oder des allgemeinen Finanzumfelds profitieren sollten. Zudem seien sie zur Absicherung gegen unattraktive makroökonomische Risikofaktoren hilfreich. Derivate seien außerdem tendenziell hochliquide, insbesondere auf den Zins- und Devisenmärkten.

Zu guter Letzt biete ein breites Anlageuniversum, über Währungen, Industrie- und Schwellenmarktanlagen hinweg interessante Möglichkeiten zur Diversifizierung und zur Alpha-Generierung. Zudem könne ein Ausschluss herkömmlicher Risikoprämien wie bei Unternehmensanleihen zu einer weiteren Diversifizierung beitragen.

Unter den derzeitigen Marktbedingungen könne es schwierig sein, auf dem Rentenmarkt Wertpotenzial zu finden. Relative-Value-Strategien könnten in einem Rentenportfolio jedoch mehrere Vorteile bieten. Mit ihnen könnten Divergenzen bei wirtschaftlichen und finanzpolitischen Prognosen zwischen mehreren Ländern oder innerhalb eines Marktes genutzt werden. Gleichzeitig werde das Engagement in herkömmlichen Rentenrisiken eingeschränkt. Relative-Value-Strategien könnten zwar in einem herkömmlichen Rentenportfolio umgesetzt werden, das ausschließlich Long-Positionen halte. Die Möglichkeiten seien jedoch eventuell durch die Benchmark des Portfolios beschränkt. Nach Ansicht der Experten von Goldman Sachs Asset Management erfordert die effektive Umsetzung von Relative-Value-Strategien ein breit angelegtes, globales Anlagespektrum. (04.12.2017/alc/a/a)