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Werden die Zentralbanken in 2018 Billionen US-Dollar abziehen?


09.01.18 12:00
Lombard Odier IM

Genf (www.anleihencheck.de) - Unserer Ansicht nach werden die Zentralbanken in 2018 weltweit damit beginnen, die Billionen US-Dollar abzuziehen, mit denen sie die Volkswirtschaften in den letzten zehn Jahren unterstützt haben, so Salman Ahmed, Chief Investment Strategist von Lombard Odier Investment Managers.

Nun stelle sich die Frage, wie sich die Volkswirtschaften und Finanzmärkte dadurch entwickeln würden. Das "Goldilocks"-Szenario, also ein weitgehend stabiles Wirtschaftswachstum mit gedämpfter Inflation, dürfte sich nach Ansicht der Experten von Lombard Odier Investment Managers in der ersten Jahreshälfte 2018 fortsetzen. Die Experten seien der Auffassung, dass die Volkswirtschaften auf einer soliden Basis für ein Weiterbestünden dieses Gleichgewichts stünden. Die Risiken für abrupte Veränderungen in Form erhöhter Volatilität und stark korrigierten Bewertungen seien durchaus präsent, würden doch die Zentralbanken den Kurswechsel entschiedener vorantreiben. Da der aktuelle Konjunkturzyklus in eine reifere Phase eintrete, seien Anleger dahingehend gut beraten, nicht nur nach Renditen zu streben, sondern auch die Sicherheit ihrer Portfolios zu erhöhen.

Ausschlaggebend seien wohl die sich abzeichnenden geldpolitischen Veränderungen in den großen Volkswirtschaften. Wie würden die Märkte reagieren, wenn die Unterstützung durch die Zentralbanken wegfalle? Vieles hänge davon ab, wie geschickt die Zentralbanken ihre Pläne kommunizieren würden und wie schnell die Zinsen im Vergleich zu den Markterwartungen angezogen würden (besonders in den USA). Falls die Inflation in die Höhe schnelle, bestehe das Risiko, dass die Zentralbanken deutlich zu spät reagieren würden. Weitere Faktoren: Verlangsamung der Maßnahmen zur Konjunkturförderung in China, Nordkorea gegen Trump - ein wesentliches Risiko, steigender Protektionismus und, auf lokaler Ebene, der Brexit.

Die Experten von Lombard Odier Investment Managers glauben angesichts attraktiver Bewertungen und stärkerer Fundamentaldaten weiterhin, dass es in den Schwellenländern und in Europa gute Anlagechancen gibt. Bei der Zinssensitivität in den Industriestaaten seien die Experten noch zurückhaltender, da die Aussicht auf steigende Zinssätze die Renditechancen an den Anlagemärkten weiter belasten dürfte.

Was bedeute das für die Anleger? Angesichts der sehr niedrigen Anleiherenditen in den Industriestaaten bedeute eine Konjunkturwende, dass Schuldtitel jetzt einen wesentlich geringeren Kapitalpuffer für rückläufige Aktienwerte darstellen würden als zuvor. Nach Erachten der Experten spreche diese Situation für ein explizites Drawdown-Management beim Portfolioaufbau, insbesondere im Kontext eines ausgewogenen Portfolios.

Fragmentierte Liquidität am Anleihemarkt sei eine anhaltende Herausforderung, die derzeit an Aufmerksamkeit gewinne. Anleger sollten bei geringem Portfolioumschlag auf qualitätsorientierte Portfolios setzen und von Benchmarks Abstand nehmen, die nach Marktkapitalisierung gewichtet seien (und aufgrund ihrer Struktur Fremdverschuldung honorieren würden).

Da sich die Hinweise häufen würden, dass der Klimawandel die tatsächliche Wirtschaftskraft beeinflusse, würden seine Auswirkungen auf das langfristige Wirtschaftswachstum und damit auch auf die Anlagerenditen, sowie die mögliche Rolle der Anleger stärker in den Mittelpunkt rücken. (09.01.2018/alc/a/a)