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Wer die Inflation als vorübergehend bezeichnet, dürfte eines Besseren belehrt werden


02.07.21 10:00
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - In unseren Gesprächen mit politischen Entscheidungsträgern hat sich gezeigt: Das nur zähe Vorankommen der Arbeitsmärkte in den vergangenen Monaten hängt eher mit einer Verknappung des Arbeitskräfteangebots als mit einem Mangel an offenen Stellen zusammen, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management.

Die großzügigen staatlichen Zuwendungen während der Pandemie schienen bei vielen Arbeitnehmern einen gewissen Unwillen hervorgerufen zu haben, an den Arbeitsmarkt zurückzukehren. Doch die Hilfsleistungen würden auslaufen, was den Weg zur Normalisierung ebnen sollte.

Dessen ungeachtet würden wir derzeit überall Anzeichen dafür sehen, dass sich Lohndruck aufbaue: Die Unternehmen würden viel daran setzen, Mitarbeiter anzuwerben, insbesondere in gering bezahlten Jobs im Dienstleistungssektor. So hätten US-Fluggesellschaften Schwierigkeiten, Flüge durchzuführen, weil sie in Drehkreuzen wie Dallas nicht in der Lage seien, das Catering in Gang zu bringen. Die Restaurantkette Chipotle gewähre ihren neuen Mitarbeitern eine kostenlose Haustierversicherung als Teil des Leistungspakets. In vielen US-Hotels sei es jetzt schwierig, den Zimmerservice zu Gesicht zu bekommen und man höre sogar davon, dass die Betten seltener frisch bezogen würden.

Lohninflation sei auch in Großbritannien zu beobachten. Restaurants in London, die ihren Servicekräften vor der Pandemie 9 Pfund Sterling pro Stunde gezahlt hätten, würden berichten, dass sie heute Schwierigkeiten hätten, ihre Mitarbeiter zu halten, obwohl sie inzwischen mehr als das Doppelte berappen würden. Die Situation habe sich durch die Abwanderung junger Arbeitskräfte aufgrund des Brexit und der Pandemie noch verschärft. Die Landwirte würden sich Sorgen darüber machen, wer die Ernte einbringen solle. Und in kleinen Unternehmen werde viel über die Weitergabe der zusätzlichen Kosten an die Verbraucher gesprochen.

Auch in Zukunft könnten sich die Arbeitnehmer in einer stärkeren Verhandlungsposition befinden als in der Vergangenheit - vor allem, sofern die expansive Fiskalpolitik und die negativen Realzinsen das Wachstum weiter befeuern würden.

Marktteilnehmer sollten sich daher jetzt auf die Lohnentwicklung konzentrieren: Die Arbeitskosten seien als größter Kostenfaktor der Haupttreiber der Dienstleistungspreisinflation. Die in zwei Wochen zu erwartenden frischen Zahlen zu den Verbraucherpreisen in den USA würden viel Aufmerksamkeit bekommen. BlueBay Asset Management gehe davon aus, dass die Kernpreise im Juni weiter gestiegen seien. Die durch die Decke gehenden Hauspreise könnten sich auch in höheren Mietkosten niederschlagen. Im Gütersektor dürften die anhaltende Angebotsverknappung sowie steigende Transportkosten ebenfalls preissteigernd wirken, worauf auch die jüngsten Einkaufsmanagerumfragen und die Inputkosten hindeuten würden.

Vor diesem Hintergrund sei BlueBay Asset Management nach wie vor der Meinung: Wer den Anstieg der Inflation als rein vorübergehend bezeichne, dürfte in den kommenden Tagen und Wochen eines Besseren belehrt werden. (02.07.2021/alc/a/a)