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Wenig Potenzial bei Staatsanleihen


01.07.20 10:00
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Neue makroökonomische Daten wie die starken chinesischen Einkaufsmanagerindices im Juni oder der sprunghafte Anstieg der US-Immobilienverkäufe im Mai verstärkten den Eindruck einer V-förmigen, globalen Konjunkturerholung, so die Analysten von Postbank Research.

Dennoch würden die besonders in den USA historisch hohe Arbeitslosigkeit sowie die schwache Inflation für eine anhaltend lockere Geldpolitik sprechen. Durch umfangreiche Anleihekäufe hätten die großen Zentralbanken ihre Bilanzen 2020 im Jahresvergleich bereits um 34 Prozent ausgeweitet. Dadurch seien die Staatsanleiherenditen zwar wieder auf neue Allzeittiefs gesunken. Seit Erreichen dieser Tiefstände Anfang April bewege sich die Rendite zehnjähriger US-Papiere allerdings seitwärts bei rund 0,7 Prozent.

Zudem scheine sich der Markt vor der heutigen Veröffentlichung des Protokolls der letzten FED-Sitzung zunehmend auf die Möglichkeit vorzubereiten, dass die FED bald die US-Zinsstrukturkurve kontrolliere. Denn obwohl die am Markt eingepreisten Leitzinserwartungen weiterhin höher lägen als noch im Mai, seien in den letzten Wochen 120.000 neue Futures auf fünfjährige US-Staatsanleihen abgeschlossen worden. Das entspreche einer zusätzlichen Nachfrage im Wert von 13 Milliarden USD. Denn zwei- und fünfjährige Staatsanleihen seien die wahrscheinlichsten Anlaufpunkte einer US-Zinsstrukturkurvenkontrolle. Während das Potenzial von Staatsanleihen damit nahezu erschöpft scheine, dürften Unternehmensanleihen nicht nur von der durch die Zentralbanken gestützten globalen Renditejagd profitieren. (01.07.2020/alc/a/a)