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Welche geldpolitischen Maßnahmen erwarten uns im Vereinigten Königreich?


09.10.20 09:45
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die Zeit für einen Brexit-Deal wird knapp, so die Analysten von Postbank Research.

Zwar sei nach Gesprächen zwischen dem britischen Premier Johnson und der EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen der Zeitraum für die Brexit-Verhandlungen bis Mitte November ausgedehnt worden. Allerdings habe Johnson zuletzt erneut betont, die Verhandlungen notfalls abzubrechen, falls sich bis zum EU-Gipfel am 15. Oktober keine Einigung abzeichne. Aufgrund des erhöhten Risikos eines harten Brexit werde am Markt zunehmend die Wahrscheinlichkeit eines negativen Leitzinses im Vereinigten Königreich eingepreist. Während das Pfund hiervon geschwächt würde, dürfte die Auswirkung auf britische Staatsanleihen davon abhängen, welche Maßnahmen ergriffen würden, um den Bankensektor von den Kosten negativer Leitzinsen zu entlasten.

Sollten günstige Refinanzierungsmöglichkeiten nach dem Vorbild der TLTRO-Kredite eingeführt werden, könnten sich Staatspapiere einer erhöhten Nachfrage zur Kreditbesicherung erfreuen. Im Vergleich dazu würde die Nachfrage im Falle einer Staffelung des Leitzinses vermutlich geringer ausfallen. Allerdings sei die Möglichkeit negativer Leitzinsen in der Kommunikation der Zentralbank zuletzt abgeschwächt worden. Als nächste geldpolitische Maßnahme erscheine daher eine Ausweitung der Anleihekäufe wahrscheinlicher, wenn es darum gehe, die diesjährigen Rekordemissionen an britischen Staatsanleihen im Wert von 533 Milliarden Pfund aufzufangen. Mit einem nachhaltigen Renditeanstieg rechne die Deutsche Bank daher nicht, zudem dürfte die Auswirkung weiterer Anleihekäufe der Notenbank auf den Außenwert des Pfunds begrenzt bleiben. (09.10.2020/alc/a/a)