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Weiterhin gute Stimmung an den Kapitalmärkten - Zeitenende bei der FED - QE wird zurückgeführt


02.10.17 13:00
Alte Leipziger Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die Stimmung an den Märkten ist derzeit so gut wie lange nicht mehr: Nach der Brexit-Entscheidung und der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und dessen protektionistischen Ankündigungen schienen zunächst düstere Zeiten anzubrechen, berichten die Experten der Alte Leipziger Trust.

Denn vor allem wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland, Japan und China seien auf einen stabilen und möglichst freien Außenhandel angewiesen. Pessimistische Folgen der genannten Ereignisse scheinen sich aktuell noch nicht abzuzeichnen, so die Experten der Alte Leipziger Trust.

Zu den Indikatoren, die die Prognose eines stabilen Wirtschaftswachstums zulassen würden, würden Zahlen des Verarbeitenden Gewerbes und des Dienstleistungssektors gehören. Die aktuelle Entwicklung der Einkaufsmanagerindices lasse indes eine Ausweitung der Geschäftsaktivität vermuten. Auch der in Deutschland häufig zitierte ifo-Geschäftsklimaindex, der die Stimmung unter den Führungskräften deutscher Firmen messe, habe sich im September zwar eingetrübt, befinde sich mit 115,2 Punkten aber noch immer auf einem außerordentlich hohen Niveau.

Bedingt durch die weiterhin guten Indikatoren seien die Gewinnerwartungen vieler europäischer Unternehmen nach oben revidiert worden. Viele Unternehmen in Europa hätten ihre Gewinnmargen verbessern können, im Durchschnitt habe eine respektable Steigerung von einem Prozent beobachtet werden können. Ausgerechnet die derzeit in der Kritik stehende europäische Automobilindustrie habe die Gewinnspanne gar um bis zu 2% vergrößern können. Für Anleger seien diese Entwicklungen durchaus als sehr positiv zu bewerten. Denn aufgrund der sich leicht erhöhenden Inflation von derzeit 1,7% müssten Wege gefunden werden, wie sich Kapital mit möglichst hoher Rendite risikoarm anlegen lasse.

Weil festverzinsliche Kapitalmarktprodukte wie Festgeld nach wie vor kaum Gewinne ermöglichen würden, gelte die Investition in Sachwerte wie Wertpapiere ohnehin als ratsam.

Es stelle sich die Frage, inwiefern die aktuellen Wachstumsprognosen den Optimismus an den Finanzmärkten rechtfertigen würden. Tatsächlich könnten Länder wie Spanien oder gar Griechenland durchaus solide Zahlen vorweisen; das ehemalige Sorgenkind Spanien sei im letzten Jahr gar um 3,2% gewachsen, für das laufende Jahr würden weiterhin solide 3% prognostiziert. Andererseits sei das Ausgangsniveau auch äußerst bescheiden - eine Arbeitslosigkeit von über 24% und eine Jugendarbeitslosigkeit von über 52% dürfte von vielen Ökonomen eigentlich eher mit den wirtschaftlichen Kenndaten eines Schwellenlandes in Verbindung gebracht werden als mit einer europäischen Industrienation. Zudem drohe neuer Ungemach, weil das besonders wirtschaftsstarke Katalonien über eine Autonomie abstimmen möchte.

Dennoch würden die Zahlen vor allem eins zeigen: Die südlichen Euroländer seien durchaus in der Lage, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden. Die von vielen Ökonomen kritisierte Sparpolitik scheine tatsächlich Wirkung zu zeigen und für eine Gesundung der Wirtschaft zu sorgen. Damit könnte langfristig wieder für Stabilität gesorgt und somit die Attraktivität von Europa-Aktien gesteigert werden.

Geopolitische Risiken würden Anleger bislang offensichtlich ebenso ungerührt wie der allmählich aufkommende geldpolitische Gegenwind, in die Spitze laufende Frühindikatoren und eine hohe Bewertung lassen. In den vergangenen Wochen schien es zwar zunächst so, als sollte an den Aktienmärkten angesichts einer drohenden Eskalation des Nordkorea-Konflikts etwas Unruhe aufkommen, so die Experten der Alte Leipziger Trust. Allerdings seien die Marktteilnehmer dann doch relativ schnell wieder zur Tagesordnung übergegangen.

Der DAX habe Ende September die Marke von 12.700 Punkten erklommen und nehme damit bereits wieder sein Allzeithoch vom 20. Juni 2017 ins Visier. Die implizite Aktienmarktvolatilität - ein wichtiger Gradmesser für die Risikoaversion der Anleger - bewege sich bereits wieder nahe historischer Tiefststände. DAX und EURO STOXX 50 hätten in den vergangenen Wochen das Gros der im Sommer erlittenen Verluste wettmachen können. Die US-Indices hätten auf eine nennenswerte Korrektur verzichtet und stattdessen immer wieder neue historische Höchststände markiert. Würden Aktien nun nahtlos in eine Jahresendrally übergehen?

Diese Frage müsse im Kontext mit der von der FED nun beschlossenen Zeitenwende beantwortet werden. Sie leite, wie von den Marktteilnehmern im Vorfeld der jüngsten Sitzung erwartet, noch im Oktober die Reduzierung ihres inzwischen 4,5 Billionen Dollar schweren Anleiheportfolios ein und beende damit das so genannte Quantitative-Easing-Programm (QE), das sie im Jahr 2008 begonnen habe, um etwaige negative Folgen der damaligen Finanzkrise abzumildern und die Märkte mit Liquidität zu versorgen.

Das Anleiheportfolio der FED solle nun nach und nach über mehrere Jahre hinweg reduziert werden, um stärkere Markteruptionen zu vermeiden.

Die Schrumpfung des Anleiheportfolios aus Staatsanleihen und Hypothekenanleihen beginne stufenweise und folge dem schon im Juni verkündeten Plan. Im ersten Monat werde das Portfolio um 10 Milliarden Dollar verringert.

Der Reduzierungs-Betrag werde Monat für Monat aufgestockt. Vom sechsten Monat an betrage er 50 Milliarden Dollar. Die FED verringere ihr Portfolio, indem sie einen wachsenden Teil der auslaufenden Anleihen nicht erneuere. Vom Jahr 2019 an solle das Portfolio jährlich um 600 Milliarden schrumpfen. Wie weit die FED ihren Bestand an Anleihen herunterfahren wolle, habe sie allerdings offen gelassen. Vor der Finanzkrise hatte die amerikanische Zentralbank 900 Milliarden Dollar in Anleihen in ihrer Bilanz stehen, berichten die Experten der Alte Leipziger Trust. Die Erwartungshaltung, die FED werde im laufenden Jahr noch einmal die Zinsen anheben, bleibe bestehen. Als wahrscheinlicher Termin gelte nun der Dezember. Aktuell belasse die US-Notenbank Federal Reserve den Leitzins in der Bandbreite nochmals zwischen 1% und 1,25%.

Die verschiedenen Kaufprogramme der FED seien für Aktionäre Hauptanlass bzw. Triebfeder für haussierende Indices gewesen. Im Zuge der seit fast acht Jahren laufenden Hausse sei es zu einer deutlichen Bewertungsexpansion US-amerikanischer Aktien gekommen. Spannend sei nun die Antwort auf die Frage, ob die Aktienmärkte nun das Ende der Fahnenstange erreicht hätten oder ob die Märkte nochmals Kraft für eine weitere Bewertungsexpansion aufbringen könnten. Notwendig wäre in jedem Fall eine weitere Verbesserung der aktuellen Fundamentaldaten.

Während die US-Notenbank nun also auf der Bremse stehe, werde die EZB voraussichtlich lediglich den Fuß vom Gaspedal nehmen. Gleichzeitig scheinen aber auch wichtige konjunkturelle Frühindikatoren, wie das ifo-Geschäftsklima, allmählich einen Hochpunkt zu erreichen, so die Experten der Alte Leipziger Trust. Schließlich habe das Konjunkturbarometer mit 116 Punkten zuletzt historische Höchstwerte erreicht. Aktien, die der Konjunktur immer etwas voraus laufen würden, würden sie sich auf hohem Niveau bewegen.

Auf der anderen Seite gebe es Argumente, die für weiter steigende Aktiennotierungen sprechen würden. Hier lohne ein Blick auf die Bewertung von Anleihen. Nach den Kursgewinnen der vergangenen Wochen würden auch Untemehmensanleihen nicht mehr attraktiv erscheinen. So würden nennenswerte Risikoprämien nur noch einige Aktienmärkte, etwa der europäische, aufweisen.

So liege die Dividendenrendite von Aktien inzwischen sogar über der Rendite von europäischen Hochzinsanleihen. Vor diesem Hintergrund könne ein verstärktes Engagement in Aktien vertreten werden. Wieder aufkommende Volatilität könnte vor diesem Hintergrund für den Aufbau oder der Verstärkung von Positionen genutzt werden.

Das Wachstum in der Eurozone gelte - wie beschrieben - als stabil. Nach 1,6% in 2017 werde ein Wirtschaftswachstum von 1,8% für 2018 erwartet. Wirtschaftsforschungsinstitute würden weiterhin keine Anzeichen einer Hochkonjunktur sehen.

Die zuletzt gegensätzlich verlaufende Entwicklung von Öl- und Goldpreis spreche weiterhin dafür, dass die Wirtschaftsaktivitäten zunehmen und die allgemeinen Sorgen um das Wirtschaftswachstum abflauen würden. Weiterhin drohe auch von geldpolitischer Seite kein Störfeuer für die Aktienmärkte. Denn die FED bereite die Märkte bereits auf eine Zinserhöhung im Dezember vor und die EZB dürfte im Oktober den Ausstieg aus dem QE-Programm kommunizieren. Die Ampeln für eine Jahresendrally stünden derzeit also auf Grün. (Ausgabe Oktober 2017) (02.10.2017/alc/a/a)