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Warum ist China von den globalen Anleihenindices ausgeschlossen?


14.06.17 09:45
VanEck

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Der chinesische Anleihenmarkt könnte innerhalb der kommenden zwei Jahre eine größere Rolle in globalen Anleihen-Portfolios spielen, so Fran Rodilosso, CFA und Head of Fixed Income ETF Portfolio Management bei VanEck.

"Fast schon bizarr ist auf dem globalen Anleihenmarkt die Tatsache, dass China als drittgrößter Markt derzeit in keinem der Hauptindices enthalten ist. Der Grund hierfür ist, dass der chinesische Inlandsanleihenmarkt noch vor einigen Jahren für ausländische Investoren geschlossen war", erkläre Fran Rodilosso. Doch durch eine bewusste und nachhaltige Liberalisierung dürfte sich dies bald für chinesische Inlandsanleihen ändern: Auch auf die Indices für Schwellenländeranleihen sowie auf die Fondsgewichtung könnte der Einfluss erheblich sein.

Der chinesische Inlandsanleihemarkt habe laut den Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) (Stand: 30.09.2016) einen Marktwert von rund 9 Billionen US-Dollar und sei damit der drittgrößte Markt hinter den USA (37 Billionen US-Dollar) und Japan (14 Billionen US-Dollar). Der Experte führe aus: "Erst kürzlich nahm ein Parallelindex des Bloomberg Barclays Global Aggregate Index chinesische Staatsanleihen und Anleihen der drei Staatsbanken für 2,5 Billionen US-Dollar auf, was 5 Prozent des Index entspricht." Bei einer Aufnahme in den World Government Bond Index der Citigroup könnte diese Gewichtung ähnlich ausfallen.

In den vergangenen Jahren habe China einige Schritte unternommen, um den Inlandsanleihenmarkt für ausländische Investoren zu öffnen. Das erste Zeichen habe China 2002 mit dem Programm für Qualified Foreign Institutional Investors (QFII) gesetzt. Darauf sei 2011 das RMB Qualified Foreign Institutional Investor (RQFII) Programm gefolgt. "Beide Maßnahmen erlauben institutionellen Investoren mit bestimmten Qualifikationen, in den inländischen chinesischen Anleihenmarkt zu investieren. Seit 2012 können Investoren, die den Marktzugang durch diese Programme erhalten haben, Anleihen sowohl über die Börse als auch über den größeren und liquideren Interbanken-Anleihenmarkt erwerben - vorbehaltlich zusätzlicher Zustimmungserfordernisse", so Rodilosso.

Weitere Fortschritte seien erzielt worden, als 2016 der direkte Zugang zum Interbankenmarkt mittels eines neu eingeführten Registrierungsprozesses für ausländische institutionelle Investoren geöffnet worden sei. Im folgenden Jahr hätten sie zudem die Möglichkeit bekommen, Währungsrisiken im Inlandsderivatemarkt abzusichern. Außerdem sei erst kürzlich das "Bond Connect"-Programm gebilligt worden. Dieses Programm solle ausländischen Investoren ermöglichen, inländische Anleihen über eine Handelsverbindung mit Hongkong zu erwerben.

Den chinesischen Anleihenmarkt für ausländische Investoren zu öffnen, habe für die chinesische Regierung oberste Priorität. Zudem unterstütze diese Öffnung die Internationalisierung des Renminbis und biete somit eine Alternative zu inländischen Finanzierungen. Die erwarteten Kapitalzuflüsse von langfristig orientierten, ausländischen Investoren könnten den Druck von inländischen Kapitalabflüssen ausgleichen.

Trotz der Fortschritte in der Öffnung des Marktes würden einige Themen auf der Tagesordnung bleiben, die die Aufnahme Chinas in die globalen Anleihenindices verhindern würden. "Insbesondere operative Hürden bleiben bestehen. Zum einen benötigen Investoren eine lokale Depotbank in China, zum anderen erweist sich der Registrierungsprozess als langwierig und mühsam", erkläre Rodilosso. Auch der Zugang zu inländischen Absicherungsinstrumenten sollte ausgebaut werden. Ein weiteres Problem ergebe sich aus den für ausländische Investoren unklaren Steuerregeln.

Investoren und Indexanbieter benötigten vor allem eine Garantie, dass die Fortschritte, die vor allem in den letzten zwei Jahren erzielt worden seien, keinen Rückschlag erleiden würden. Vor allem in einem angespannten Marktumfeld bestehe die Angst vor Kapitalkontrollen.

Die Aufnahme in die globalen Indices scheine unvermeidlich zu sein. Der erwartete Inflow von Schwellenländer- und globalen Anleihenfonds werde sich vermutlich zwischen 150 und 300 Milliarden US-Dollar bewegen. "Mit Blick auf Emerging Market-Indices könnte die vermehrte Aufnahme von chinesischen Anleihen zulasten kleinerer Emittenten wie Polen, Indonesien und Südafrika gehen", folgere der Fixed Income-Spezialist. (14.06.2017/alc/a/a)