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Warum grüne Anleihen gleich dreifach sinnvoll sind


11.11.20 08:45
Lyxor Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Europa ist derzeit der weltweit größte Emittent von grünen Anleihen, gefolgt von den USA und dem asiatisch-pazifischen Raum, so die Experten von Lyxor Asset Management.

Frankreich habe bei der Auflage von "Green Bonds" in Europa die Nase vorn, gefolgt in einigem Abstand von Deutschland und den Niederlanden, berichte François Millet, Head of ETF Strategy, ESG and Innovation, bei Lyxor ETF. "Einer der größten Emittenten grüner Anleihen in Frankreich ist die Société du Grand Paris (SGP)", so Millet. "Sie wurde 2010 von der französischen Regierung für den Bau des Grand Paris Express gegründet, um das Pariser U-Bahn- und Schienennetz zu erweitern. Rein elektrisch betrieben sowie mit einer hohen Fahrgastkapazität ausgestattet erfüllt es uneingeschränkt die strengen Kriterien der Climate Bonds Initiative (CBI) für einen kohlenstoffarmen Transport." Das Bauvorhaben stoße auf großes Interesse bei den Anlegern: Seit ihrem Eintritt in den Markt für grüne Anleihen im Jahr 2018 habe die SGP 16 Milliarden Euro eingenommen.

Grüne Anleihen seien speziell zur Finanzierung von Projekten geschaffen worden, die positive Auswirkungen auf die Umwelt, das Klima oder gar beide hätten. Die Green Bonds seien nur für grüne Projekte vorgesehen und würden durch die gesamte Bilanz des Emittenten gedeckt. Laut Philippe Baché, Head of Fixed Income ETFs bei Lyxor ETF, stünden grüne Anleihen bei drei verschiedenen Interessengruppen hoch im Kurs: "Sie sind besonders attraktiv für die wachsende Zahl von Anlegern, die leistungsstarke grüne Anlagen suchen, für politische Entscheidungsträger, die ihre Politik an den Zielen des Pariser Abkommens ausrichten müssen, und für Unternehmen, die ihre Betriebs- und Produktmodelle so umgestalten wollen, dass sie ihre Kohlenstoffemissionsziele erreichen."

2020 könnte trotz der Covid-19-Krise ein Rekordjahr für die Emission von grünen Anleihen werden, glaube François Millet: "Laut CBI lag das durchschnittliche monatliche Emissionsvolumen bis September bei fast 20 Milliarden US-Dollar. In der ersten Hälfte des Jahres 2020 überschritt die Gesamtzahl der Emittenten grüner Anleihen die 1.000er-Marke und erreichte 1.0561." Substaatliche Emittenten, hauptsächlich in Form von staatlich unterstützten Einrichtungen, hätten den Löwenanteil des gesamten Emissionsvolumens gestellt. In diesem Jahr sei der Großteil der Erlöse aus grünen Anleihen bislang in Energie-, Verkehrs- und Immobilienprojekte investiert worden. "Erlöse können zudem auch in den Bereichen Wasser- und Abfallwirtschaft, Bodennutzung und Management von Meeresressourcen, Industrie sowie Informations- und Kommunikationstechnologie verwendet werden", so Millet.

"Der Markt für grüne Anleihen ist mit einem Anteil von 3,7 Prozent am Gesamtemissionsvolumen von Anleihen und mit weniger als einem Prozent des globalen Anleihemarktes zwar noch überschaubar", sage Philippe Baché. "Doch seine fundamentalen Treiber sind stärker denn je, weshalb Anleger immer mehr Mittel für grüne Investitionen bereitstellen." Laut CBI würden die meisten grünen Anleihen mit einem Renditeniveau ausgegeben, welches gleich hoch oder gar höher als bei konventionellen Anleihen sei.

Zudem sei die Einengung der Geld-Brief-Spanne bei grünen Anleihen nach der Emission im Durchschnitt zumeist höher als bei gewöhnlichen Anleihen. "Aus diesem Grund, aber auch weil grüne Anleihen den Emittenten bei der Reduzierung ihres CO2-Fußabdruckes helfen, gibt es derzeit eine Diskussion über eine 'Green Premium', kurz 'Greenium', und darüber, ob Anleger bereit sein sollten, für eine grüne Anleihe einen höheren Preis zu zahlen", berichte Baché. Eine 'Greenium' würde dann entstehen, wenn eine grüne Anleihe zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem höheren Preis und entsprechend niedrigerer Rendite als herkömmliche Anleihen emittiert werde, erläutere der Lyxor-Experte.

François Millet ergänze: "Umweltrisiken sollten bei der Portfolioallokation beachtet werden - die Einbeziehung von grünen Anleihen bietet dabei eine Absicherung gegen klimabedingte Risiken, anders als eine eher traditionelle Anleihen-Portfolioallokation. Für die Portfolio-Diversifizierung sind grüne Anleihen daher ideal." (Ausgabe vom 10.11.2020) (11.11.2020/alc/a/a)