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Warum Schwellenländeranleihen aktuell Opportunitäten bieten


28.07.20 10:45
PGIM Fixed Income

Newark (www.anleihencheck.de) - Die Coronakrise führte an den Bondmärkten der Emerging Markets zu beträchtlichen Verwerfungen, so die Experten von PGIM Fixed Income.

Derzeit könnten Investoren ausgewählte Segmente dieser Anlageklasse in Betracht ziehen, wie PGIM Fixed Income in seinem Marktkommentar aufzeige.

Ende Mai hätten die Risikoprämien deutlich über dem Vorkrisenniveau gelegen. Die Abweichung der Spreads zwischen Investment Grade- und High Yield-Anleihen sei noch immer erheblich größer als bei früheren Ausverkäufen. Dies reflektiere die Differenzierung des Marktes zwischen Emittenten, die Marktzugang hätten, um ihren Liquiditäts- und Finanzierungsbedarf zu decken, und Emittenten mit niedrigerem Rating ohne Marktzugang.

In Zahlen ausgedrückt: Der EM-Index für Staatsanleihen in Hartwährung (USD) umfasse sowohl Investment Grade als auch High Yield Emittenten. Während der bonitätsstarke Teil des Index auf 400 Basispunkte gestiegen sei und sich seitdem auf 232 Basispunkte eingeengt habe, habe sich der renditestärkere Teil des Index auf 1.200 Basispunkte ausgeweitet und sei seitdem erst auf 919 Basispunkte zurückgegangen.

Schwellenländeranleihen würden absolut und auch im Vergleich zu anderen festverzinslichen Sektoren Potenzial bieten, da sich die Spreads sowohl von Investment-Grade-, als auch von Hochzinstiteln aus den Industriestaaten weiter verengen würden. Darüber hinaus zeige ein Blick in die Geschichte, dass die Verluste fast aller Sell-offs bei Hartwährungsbonds von mindestens 5%, die es seit 1994 in 16 aufstrebenden Staaten gegeben habe, innerhalb weniger Monate aufgeholt worden seien. Unterstützend wirke, dass Schwellenländer-Emittenten eine gewisse Absicherung durch den IWF sowie bilaterale Kredite seitens der G20 erhalten würden - auch wenn sie nicht durch die US-Notenbank unterstützt würden.

Mit Blick auf die Risikoanalyse empfehle es sich derzeit, den Fokus auf die Kriterien Qualität und Bewertung zu richten. Auf dieser Basis unterteile PGIM Fixed Income die Staaten in die Kategorien "hoch", "mittel" und "gering" ein - und "notleidend" als gesonderte Rubrik.

Während staatliche sowie halbstaatliche asiatische Hartwährungsanleihen mit Investment Grade-Rating nach wie vor einen Mehrwert bieten würden, dürften Unternehmen, die nur hin und wieder Emissionen begeben würden, aber grundsätzlich gesund seien, in einem von einem erhöhten Angebot geprägten Umfeld am besten abschneiden. Opportunitäten würden auch ausgewählte High Yields von Staaten bieten, bei denen die Kurse die Risiken widerspiegeln würden wie beispielsweise Sri Lanka-Bonds mit kürzerer Laufzeit.

In den Lokalwährungen würden Länder wie China, Thailand und Indonesien gute Chancen bergen, die über Zinssenkungspotenzial verfügen würden. Hinsichtlich Unternehmensanleihen seien größere, strategisch wichtige chinesische Staatsunternehmen zu empfehlen, bei denen die Spreads inzwischen deutlich über dem Vorkrisenniveau lägen. Darüber hinaus erscheinen indische Hochzinsanleihen, insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien, vielversprechend, so die Experten von PGIM Fixed Income. Ein Beispiel für die Kategorie "notleidend" sei Argentinien. Hier hätten die Erwartungen auf ein für die Gläubiger positives Restrukturierungspaket bereits zu einem Kursanstieg von 0,25 auf 0,30 bis 0,40 Dollar geführt. Eine weitere Erholung in den hohen 0,40er oder 0,50er Bereich sei möglich.

Als Risiko könnten sich die zunehmenden geopolitischen Spannungen zwischen dem Westen und China herauskristallisieren. Zwar sei im Basisszenario nicht von einer Neuimplementierung der Zölle auszugehen, doch dürfte die Rhetorik weiter eskalieren und möglicherweise auf bestimmte Sektoren der einzelnen Volkswirtschaften übergreifen. Die Diversifizierung der Lieferketten sollte asiatischen Volkswirtschaften außerhalb Chinas zugute kommen - wenn auch zum Preis zumindest zeitweiliger Ineffizienzen.

Jenseits der politischen Spannungen bleibe die Frage, wie sich eine zweite Pandemiewelle auf die Anleihemärkte der Schwellenländer auswirken könnte. Komme es zu einem Wiederaufleben, dürften sich die Emerging Markets verstärkt auf multilaterale Vereinbarungen stützen, während in den Industriestaaten zusätzliche Unterstützungsmaßnahmen durch Zentralbanken und Finanzbehörden zu erwarten seien. (Ausgabe vom 22.07.2020) (28.07.2020/alc/a/a)