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Warum die Ozean-freundliche Umschuldung von Belize Schule machen könnte


25.11.21 11:29
abrdn

London (www.anleihencheck.de) - Der kleine Staat Belize liegt an der Ostküste Zentralamerikas, so Cecely Hugh, Investment Counsel, Emerging Market Debt, abrdn.

Er zähle keine halbe Million Einwohner und sei bekannt für die atemberaubende Schönheit seiner Natur. Der größte Schatz des Landes sei das Belize Barrier Reef, das nach dem australischen Great Barrier Reef zweitgrößte Korallenriffsystem der Welt. Durchzogen von Hunderten von kleinen Inseln, den sogenannten Cayes, beherberge das Riff eine unglaublich vielfältige marine Tier- und Pflanzenwelt und habe Belize zu einem Mekka für Touristen gemacht. Tatsächlich sei die Wirtschaft des Landes in hohem Maße vom Tourismus abhängig, der in den vergangenen Jahre rund 40% des BIP und 60% der Deviseneinnahmen generiert habe.

In diesem Kontext habe der Einbruch des weltweiten Tourismus aufgrund der Covid-19-Pandemie unweigerlich verheerende Auswirkungen auf Belize gehabt. Die Wirtschaft des Landes sei 2020 um 14,1% geschrumpft. Steuereinnahmen seien ausgeblieben und die pandemiebedingten Ausgaben seien rasant angestiegen. Das Verhältnis der Staatsverschuldung gegenüber dem BIP sei von 98% in 2019 auf 126% in 2020 emporgeschnellt. Belize sei nicht mehr in der Lage gewesen, seine Auslandsschulden, insbesondere seine "Superanleihen" mit Fälligkeit 2034 in Höhe von 533 Mio. USD, zu bedienen. Im Jahr 2020 hätten die Anleiheninhaber der Regierung die dringend benötigte Liquiditätsentlastung verschafft, indem sie sich bereit erklärt hätten, die fälligen Zinszahlungen auf den geschuldeten Gesamtbetrag aufzuschlagen (d. h. eine "Kapitalisierung" der Kupons).

Um Zeit für das Finden einer Umstrukturierungslösung zu gewähren, hätten sich die Anleiheninhaber 2021 weiterhin bereit erklärt, die Frist für die im Mai fällige Kuponzahlung zu verlängern. Nach Monaten intensiver Verhandlungen hätten sich die Regierung von Belize und der Ausschuss der Anleiheninhaber, in dem abrdn als wichtiges Mitglied vertreten gewesen sei, am 13.September 2021 endlich auf eine realisierbare Lösung für die Restrukturierung einigen können. Die daraus hervorgegangene Vereinbarung habe vorbehaltlich einer "Klausel zum gemeinsamen Handeln" gegolten, die verlangt habe, dass mindestens 75% der Anleihengläubiger ihre Zustimmung hätten erteilen müssen, damit die Transaktion habe fortgesetzt werden können. Diese Bedingung sei am 24. September 2021 erfüllt worden, als die Regierung von Belize bestätigt habe, dass sie von Anleihegläubigern, die 84,4% des Gesamtnennbetrags der Anleihen repräsentieren würden, Unterstützung für ihr Übernahmeangebot erhalten habe.

Gemäß den Bedingungen der neuen Vereinbarung hätten sich die Anleihengläubiger bereit erklärt, den Nennwert (d. h. die von Belize geschuldete Gesamtsumme) um 45% zu reduzieren. Anders als bei der Umstrukturierung von notleidenden Staatsanleihen üblich, bei der normalerweise neue Anleihen an bestehende Anleihengläubiger ausgegeben würden, habe die Regierung von Belize angeboten, alle Staatsanleihen gegen Bar zurückzukaufen. Der äußerst innovative Aspekt dieser Transaktion sei jedoch gewesen, dass sich die Regierung zu "dauerhaften Maßnahmen zum Meeresschutz und nachhaltigen meeresbasierten Wirtschaftsaktivitäten" verpflichtet habe. Genauer gesagt bedeute dies, dass sich Belize als Teil dieses Geschäfts dazu verpflichte, eine Stiftung im Wert von 23 Mio. USD zu finanzieren, um künftige Projekte zum Schutz der Meere zu unterstützen.

Die gemeinnützige amerikanische Umweltorganisation Nature Conservancy (TNC) sei maßgeblich an der Ermöglichung des Umschuldungsdeals beteiligt gewesen. Das Geld für den Anleihenrückkauf der Regierung von Belize werde von TNCs "Blue Bond for Ocean Conservation Programme" bereitgestellt. Diese Initiative ermögliche die Refinanzierung der Staatsschulden von Ländern, die sich zu Maßnahmen zum Schutz der Meere verpflichten würden, mittels privatem Kapital.

Die innovative Schuldenumstrukturierung sei als Win-win-Situation bezeichnet worden. Für Belize sei die neue Blue-Bond-Vereinbarung finanziell vorteilhafter und trage nachweislich zum langfristigen Schutz seines Riffs bei. Die Anleihengläubiger wiederum hätten einen konkurrenzfähigen Restwert erhalten und gleichzeitig wichtige Umweltvorteile sichern können. Die Finanzierungsbedingungen für die von TNC gestützte Stiftung würden insbesondere für ein Maß an Glaubwürdigkeit sorgen, dass den von Belize versprochenen Umweltschutzmaßnahmen auch wirklich Taten folgen würden.

Nach Ansicht der Experten könne das Belize-Arrangement als Vorlage für künftige "grüne" Restrukturierungen von Staatsverschuldungen dienen. Zum einen sei es leider sehr wahrscheinlich, dass andere weniger entwickelte Länder (Less Developed Countries, LDC) mit wesentlichen umweltbedingten Schwächen wirtschaftliche Schocks erleben würden, die ihre Bonität erheblich beeinträchtigen würden. Zum andern seien ESG- bzw. verantwortungsbewusste Investments derzeit wohl einer der wichtigsten strukturellen Trends im Anlagebereich. Wie im Beispiel von Belize würden ernsthafte ESG-Anleiheninvestoren sicherlich die Möglichkeit schätzen, ihre Bereitschaft, auf mehr als nur das Ergebnis zu achten und einen positiven Betrag zu leisten, so klar zu demonstrieren.

Das Beispiel Belize lasse sich als eine Art "Schulden-für-Natur-Swap"-Transaktion klassifizieren, die insbesondere für LDCs mit klimatischen und ökologischen Herausforderungen relevant sein könnte, wie beispielsweise die Malediven, Costa Rica und Sri Lanka. Es sei durchaus denkbar, dass im Laufe der Zeit vergleichbare innovative Umstrukturierungskonzepte für Staatsschulden für die S- und G-Aspekte von ESG erforscht werden könnten.

Der kürzliche Deal zur Umstrukturierung der Staatsschulden von Belize habe zu einer erfolgreichen Reduzierung der Schuldendienstkosten geführt. Dadurch seien Gelder für produktivere Einsätze frei geworden und die Regierung habe Maßnahmen zum Umgang mit den anhaltenden Auswirkungen der Pandemie ergreifen können. Gleichzeitig habe die Vereinbarung verbindliche Bestimmungen erhalten, die zum Schutz der marinen Umwelt in Belize beitragen würden. Angesichts der Tatsache, dass das Interesse an verantwortungsbewussten Anlagen - auch unter Schwellenländeranlegern - weiter zunehme, seien die Experten der Meinung, dass das Beispiel Belize in Zukunft als Grundlage für erfolgreiche Lösungen ähnlicher Umstrukturierungen von Staatsschulden dienen könne. (25.11.2021/alc/a/a)