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Wandelanleihen als Absicherung gegen Volatilität und um über den Sommer investiert zu bleiben


09.07.21 10:34
State Street Global Advisors

Boston (www.anleihencheck.de) - Reflation, Wiedereröffnung und etwas Druck auf lange Laufzeiten sorgten für einen holprigen Weg für Anleihen in der ersten Hälfte des Jahres 2021, so die Experten von State Street Global Advisors in ihrem aktuellen "SPDR Strategie Espresso".

Während die Coronavirus-Delta-Variante einen Schatten auf die Stimmung geworfen habe, sei der Markt ziemlich widerstandsfähig geblieben. Unser Ausblick ist immer noch optimistisch - wenn auch mit einem Kern an Vorsicht, so die Experten von State Street Global Advisors. In diesem Zusammenhang sähen die Experten von State Street Global Advisors Wandelanleihen als eine Möglichkeit, die nächste Phase des Zinszyklus zu meistern.

Die Schlüsselfragen für Investoren zu Beginn des Sommers würden lauten: Welchen Einfluss habe die Delta-Variante auf den Wiedereröffnungstrend und was könne man in Bezug auf Inflation und Geldpolitik erwarten? Alles in allem würden diese Unwägbarkeiten eine potenziell volatile Kombination darstellen. Aber es gebe immer noch Anlass für einen positiven Ausblick.

Historisch gesehen würden Wandelanleihen und Hochzinsanleihen dazu neigen, sich in Erholungs- und Expansionszyklen besser zu entwickeln als andere Anleihensegmente. Dieser Trend habe sich bisher im Jahr 2021 bestätigt. Das Trio aus 0-5 US-Hochzinsanleihen (3,9%), europäischen Hochzinsanleihen (2,9%) und globalen Wandelanleihen (3,3%) habe zu den wenigen positiven Anleiheklassen in der ersten Jahreshälfte gehört. Wenn sich dieser positive Trend fortsetze, worauf die PMI-Indikatoren hindeuten würden, könnte die risikofreudige Haltung die Vereinnahmung von Risiko-Aufschlägen und "Risk-on-Trades" unterstützen. Staatsanleihen mit langen Laufzeiten hätten, ebenso wie Schwellenländeranleihen in lokaler Währung, die unter dem stärkeren Dollar gelitten hätten, zu den Anleiheklassen mit der schlechtesten Wertentwicklung gehört.

Wo befinden wir uns im Zinszyklus? - Wir könnten die Phase der starken Versteilerung infolge der Preiserholung (teilweise verursacht durch Inflation) hinter uns gelassen haben und uns auf die nächste Phase zubewegen, in der die Kurven allmählich abflachen und die Volatilität sinkt, so die Experten von State Street Global Advisors. Somit verschiebe es sich im Vergleich zum langen Ende. In der Zwischenzeit habe die US-Notenbank (FED) begonnen, etwas deutlicher zu einer Straffung überzugehen. Das habe die Inflationserwartungen gesenkt. So sei die Breakevenerwartung für 10-jährige Inflationsanleihen von ihrem Höchststand von 2,56% Mitte Mai auf 2,24% Mitte Juni gefallen. Parallel dazu könnten die immer noch wachsenden FED-Bilanzen den Treasury-Markt weiter stützen, wenn auch weniger aus der Strömungs- und mehr aus der Bestandsperspektive.

Globale Wandelanleihen würden ein interessantes Gleichgewicht zwischen Wachstum und Schutz aufweisen. Dies nicht nur dank ihres hybriden Charakters, sondern auch durch ihr ausgewogenes Universum aus Wachstum im Technologiebereich und wertorientierteren Engagements im Banken- und zyklischen Konsumgüterbereich. Während sich Fluggesellschaften und Ferienanlagen in der ersten Hälfte des Jahres 2021 gut entwickelt hätten, sei die Erholung durch die allgemeinen Renditebewegungen im Juni ein wenig infrage gestellt worden. Versorger und bestimmte große Emittenten, wie Tesla, innerhalb der zyklischen Konsumgüter hätten die Sektorperformance belastet.

Die Deltas würden je nach Region variieren, wobei Europa immer noch eher zu einer "hybriden" und "Value"-Vorliebe neige, während das US-Engagement mit einem durchschnittlichen Delta näher bei Aktien liege. Insbesondere der Einbruch des Technologiesektors im Mai habe dem US-Markt bessere Einstiegspunkte verschafft und die Erholung im Juni unterstützt. Die Bewertungen in diesem Markt hätten Wandelanleihen so positioniert, dass sie potenziell von einer anhaltend starken Entwicklung der US-Wirtschaft profitieren und gleichzeitig teilweise vor Eintrübungen schützen würden, die durch die Delta-Variante entstehen könnten. Wie man in Großbritannien gesehen habe, habe diese neue Variante eine vollständige Wiedereröffnung um einen Monat verzögert und die Reisemöglichkeiten der Bürger weiterhin behindert.

Schließlich hätten die robusten Neuemissionen von bisher mehr als 90 Mrd. USD im Jahr 2021 dazu beigetragen, das Universum zu diversifizieren. Gleichzeitig sei der Einfluss großer Emittenten mit hohem Delta, wie z.B. Tesla, auf die Wertentwicklung allmählich zurückgegangen. So sei Anteil Teslas von einem Maximum von 4 Prozent zu Beginn des Jahres 2021 auf ca. 1,25 Prozent zum Quartalsende gefallen. Dies sei Ergebnis eine im März 2021 fälligen Anleihe und die Reduzierung des ausstehenden Betrags einer Anleihe aus dem März 2022 auf ein Niveau unterhalb der Indexaufnahme gewesen. Die Anleihe vom Mai 2024 bleibe die letzte Wandelanleihe im Universum und werde voraussichtlich in Zukunft einen geringere Beitrag zur der Wertentwicklung und Volatilität leisten. Dies auch umso mehr, da der ausstehende Betrag weiter abnehme.

Da die Volatilität wieder in den mittleren 10er Bereich gesunken sei (der VIX habe laut Bloomberg Finance L.P. am 1. Juli 2021 bei 15,4 gelegen), könnten Wandelanleihen eine relativ attraktive Möglichkeit bieten, sich an der fortgesetzten Erholung zu beteiligen, während sie gleichzeitig teilweise gegen eine Verschlechterung der Stimmung im Sommer abgesichert seien. Immer noch das Beste aus zwei Welten? Hoffentlich das Beste aus zwei Sommermonaten! (Ausgabe vom 08.07.2021) (09.07.2021/alc/a/a)