Wandelanleihen - Potenziale einer unterschätzten Assetklasse


06.11.19 11:30
Scope Analysis

Berlin (www.anleihencheck.de) - Wandelanleihen bieten Investoren ein attraktives Risiko-Rendite-Profil, so die Experten von Scope Analysis.

Die vergleichsweise hohe Komplexität dieser Assetklasse und geringere Markteffizienz würden Investoren zwar den Zugang erschweren, jedoch auch Outperformance-Potenziale bieten.

Wandelanleihen würden ihren Haltern das Recht geben, die Anleihe zu einem festgelegten Preis in Aktien umzuwandeln. Als Hybrid Asset würden sie Eigenschaften von Anleihen und Aktien kombinieren. Ein aus Investorensicht wichtiger Vorteil sei dabei das asymmetrische Kursverhalten: Bei Kursverlusten der unterliegenden Aktie würden Wandelanleihen nur unterdurchschnittlich an Wert verlieren. Bei steigenden Kursen hingegen würden sie immer aktienähnlicher.

Einer Auswertung von Fisch Asset Management zufolge hätten Wandelanleihen in Monaten mit steigenden Aktienkursen 65% der Aufwärtsbewegung mitmachen, in fallenden Monaten hingegen den Rückgang auf 49% der Abwärtsentwicklung begrenzen können. Sowohl im Bärenmarkt 2000 bis 2002 als auch während der Finanzmarktkrise 2008 hätten sich Wandelanleihen im Vergleich zu Aktien deutlich stabiler gezeigt.

Der Sekundärmarkt für Wandelanleihen sei mit einem Volumen von rund 450 Mrd. USD und rund 1.700 Emissionen global betrachtet relativ klein. US-amerikanische Anleihen würden mehr als die Hälfte des Marktes ausmachen. In Europa spiele der französische Wandelanleihenmarkt die größte Rolle noch vor dem deutschen Markt. Hätten vor über zehn Jahren noch Finanzwerte dominiert, seien mittlerweile Technologietitel in den Wandelanleihe-Indices prominent vertreten.

Der Hybrid-Charakter von Wandelanleihen schlage sich auch in einer von Scope durchgeführten Fonds-Auswertung nieder. Für diese hätten die Scope-Analysten die Peergroup "Wandelanleihen Global", die insgesamt 55 Wandelanleihenfonds mit globaler Ausrichtung umfasse, mit den Peergroups "Aktien global" (824 Fonds) und "Renten globale Währungen" (359 Fonds) verglichen.

Das Ergebnis: Über zehn Jahre betrachtet könnten Wandelanleihenfonds mit einer annualisierten Performance von 5,9% fast zwei Drittel der Performance der Aktienfonds (9,2% p.a.) aufweisen. Zugleich lägen sie über zehn Jahre mit einem Performancevorsprung von 1,8% p.a. signifikant über den betrachteten Rentenfonds (4,1% p.a.).

Auch auf der Risikoseite zeige sich, dass Wandelanleihenfonds gemessen an Volatilität und maximalem Verlust erwartungsgemäß zwischen Aktien- und Rentenfonds stünden. Die durchschnittliche Volatilität sei mit 5,7% nur etwa halb so hoch wie bei den betrachteten Aktienfonds. Die Rentenfonds würden im gleichen Zeitraum durchschnittlich 4,1% Volatilität zeigen. Beim maximalen Verlust stünden -7,2% bei Wandelanleihenfonds gegen -13,3% bei Aktienfonds und -5,6% bei Rentenfonds.

Wandelanleihen seien auch aus Sicht professioneller Anleger eine anspruchsvolle Assetklasse. Dies liege vor allem auch daran, dass sich die Charakteristik der Wandelanleihe je nach Performance der unterliegenden Aktie laufend verändere.

Die Tatsache, dass ein großer Teil der Wandelanleihen nicht geratet sei, vergrößere die Eintrittsbarrieren für Investoren. Die hohen Informations- und Transaktionskosten des Marktes würden für eine im Vergleich zu Aktienmärkten niedrigere Effizienz sorgen. Allerdings: Geringe Effizienz erhöhe in der Regel die Outperformancechance aktiver Investoren. (06.11.2019/alc/a/a)