Vorschlag: Step-up-Coupons für Staatsanleihen bei Verfehlen von ESG-Zielen


07.07.21 11:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Fitch hat die ILB, unseren nicht so regelmäßigen Leserinnen und Lesern unter Investitionsbank des Landes Brandenburg bekannt, als Förderbank und somit auch deren Anleihen mit der höchsten Ratingnote "AAA" sowie einem stabilen Ausblick bewertet, so Dr. Norman Rudschuck, CIIA bei NORD/LB.

Erstmalig habe sich die ILB einer Bewertung durch eine Ratingagentur unterzogen. Das höchst mögliche Rating werde mit dem soliden Geschäftsmodell der ILB, der nachgewiesenen hohen Leistungsfähigkeit der Bank und der sehr guten Bonität des Landes Brandenburg begründet. Diese Einschätzung würden die Analysten der NORD/LB uneingeschränkt teilen. Das AAA-Rating spiegele das sehr geringe Ausfallrisiko der ILB wider und unterstütze die Bank bei ihren Refinanzierungsaktivitäten.

Die ILB trete seit 2018 als Emittent von Inhaberschuldverschreibungen am Kapitalmarkt auf und habe 2020 erstmals einen Social Bond emittiert. Der Vorstandsvorsitzende der ILB, Tillmann Stenger, habe dazu gesagt: "Das Fitch-Rating bescheinigt der ILB die höchste Kreditwürdigkeit an den Kapitalmärkten. Wir stellen damit unsere Leistungsfähigkeit unter Beweis und werden sie zum Wohle unserer Kunden nutzen."

Brandenburgs Finanzministerin Katrin Lange habe sich ebenfalls erfreut über die bescheinigte Topbonität gezeigt. Lange, die auch Vorsitzende des ILB-Verwaltungsrates sei, habe gesagt: "Es ist erfreulich, dass nun sowohl das Land Brandenburg selbst als auch seine Investitionsbank über ein Spitzen-Rating verfügen. Denn das zeigt Investoren, dass sie auf uns vertrauen können." Zur Erinnerung: Im Mai 2017 habe Moody's die bisherige Ratingnote für das Land Brandenburg von Aa1 auf Aaa heraufgesetzt. Zuletzt sei dies im Oktober 2020 seitens der Ratingagentur bestätigt worden.

Während die EFSF bereits mit ihrem Fundingvolumen für 2021 durch sei und EUR 16,5 Mrd. seit Jahresbeginn in trockene Tüchern gebracht habe, sei die EU zwar mit ihrem SURE-Programm durch, habe aber keine Zeit verloren, auch "NextGenerationEU" umgehend zu starten und voll zu bespielen. Nach dem sehr erfolgreichen Debüt - zehn Jahre, EUR 20 Mrd., ms -2 Bp - habe der zweite Deal aus einer Dual Tranche bestanden (5y und 30y). Mit EUR 9 Mrd. zu ms -11 Bp und EUR 6 Mrd. zu ms +22 Bp seien die Deals knapp zehn- bzw. 14fach überzeichnet gewesen. Gemeinsame Orderbücher in Höhe von EUR 171 Mrd. sprächen für sich.

Der Markt sei dementsprechend bereit für weitere EU-Transaktionen, ein aktueller RfP sei versendet. Dabei könne und werde nicht jeder Deal so rekordverdächtig sein wie der erste: Größter institutionelle Bond jemals, größte Single Tranche-Transaktion jemals und größter Deal der EU-Geschichte. Für uns überraschend gingen bei Debüt 24% der Allokation nach Großbritannien, gefolgt von 15% in die Benelux-Staaten, so die Analysten der NORD/LB. Deutschland sei auf 13% gekommen, vor Frankreich und den Nordics (je 10%). Alle drei bisher platzierten NGEU-Bonds zusammen addiert, komme die EU bereits im Juni auf EUR 35 Mrd. der angepeilten EUR 80 Mrd. für 2021. Zudem würden im Durchschnitt EUR 150 Mrd. pro Jahr avisiert, 2022/23 nach Schätzung der Analysten der NORD/LB sicher höher und 2025/26 niedriger. Details hierzu erfahre man im Fundingupdate der EU im September. Dann würden für die Kapitalmarkttransaktionen auch die Auktionen sowie am Geldmarkt das Bill-Programm starten. Vorher werde zudem das Green Framework veröffentlicht.

Nachdem die Analysten der NORD/LB in den letzten Wochen immer mal wieder die EU länger betrachtet und auch Ideen zu einer möglichen neuen "risikofreien" Bepreisung verfasst hätten, möchten sie heute ein anderes Thema hochwerfen und andiskutieren. Auf der "Global Borrowers & Investors Forum 2021" seien die Analysten der NORD/LB von Global Capital im Rahmen einer Paneldiskussion interviewt und mit der Frage konfrontiert worden, dass Spektrum der Themen, die in den Rahmenwerken für SRI-Anleihen adressiert würden, breiter werde und ob die Analysten dies unterstützen würden. Die kurze Antwort laute "Ja, selbstverständlich unterstützen wir das." Die längere Ausführung folge auf dem Fuße:

Man solle eingangs auf die acht Millennium Development Goals (MDG) blicken, die vor 21 Jahren von den Vereinten Nationen verabschiedet worden seien und für das Jahr 2015 erfüllt sein sollten. Die Arbeitsgruppe aus Vertretern der Vereinten Nationen, der Weltbank, des IWF und des Entwicklungsausschusses Development Assistance Committee der OECD habe diese im Jahr 2000 ausformuliert. Ende September 2015 seien die MDG durch die 17 auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung 2015 in New York von den 193 aktuellen Mitgliedsstaaten der UNO einstimmig verabschiedeten weltweiten Social Development Goals (SDG, "nachhaltige Entwicklungsziele") ergänzt worden: Nach ihnen sollten unter anderem bis 2030 weltweit Armut und Hunger verschwunden sein.

Dies würden sich die Analysten der NORD/LB sehr wünschen, würden es jedoch für überambitioniert und zugleich schrecklich halten. Die SDG würden die Analysten der NORD/LB für gute Leitplanken halten, insbesondere würden sie den SRI-Gedanken im Kern adressieren. Allein mit "Green" werde man die Welt nicht besser machen, zu viele Problemfelder würden gegeneinander wirken. Jeder Ansatz zum Lösen der Aufgaben biete den Ansatz für Innovationen und Projekte. Dies allein könnte nicht nur in den betreffenden Regionen zu einer Art Jobmotor werden. Es würde einhergehen mit ökonomischem Wachstum. Im besten Fall würden sich Projekte selbsttragen und/oder refinanzieren.

Verlassen wir zudem die Landmassen und fokussieren uns kurz auf "Blue Economy", so die Analysten der NORD/LB. Hier seien u.a. die niederländischen Agencies seit Jahren unterwegs, vor allem die NWB. Aber ausgehend von Deichen, Städte im Untergrund freipumpen etc. sind wir ebenso schnell bei der Finanzierung von On- und Offshore-Anlagen; mehr noch, wir benötigen mehr denn je saubere Ozeane und Recycling (waste management), mit all den Masken, die seit Pandemiebeginn nicht nur auf den Bürgersteigen liegen, sondern auch ins Meer gelangen, so die Analysten der NORD/LB.

Dies alles sähen die Analysten der NORD/LB als Felder für SRI-Bonds. Hier gebe es bereits Indices für ESG-Themen, aber auch diese seien nie fertig oder ausgereift. Wir würden gern den Raum nutzen, um Nachhaltigkeitsbonds für Staaten vorzuschlagen, die mit Step-up-Coupons ausgestattet werden, so die Analysten der NORD/LB. Diese würden dann bei Nichterreichen der Klima- oder Nachhaltigkeitsziele durch einzelne Regierungen greifen. Die Analysten der NORD/LB würden das steigende Emissionsvolumen von nachhaltigkeitsgebundenen Anleihen (Sustainability-Linked Bonds, SLBs) beobachten. Manche würden bereits mit spezifischen Nachhaltigkeitszielen (Sustainability Performance Targets, SPTs) begeben, die maßgebliche Performanceindikatoren (Key Performance Indicators, KPIs) enthalten würden - zum Beispiel der "Prozentsatz der recycelten Materialien, die bis 2030 in der Fertigung verwendet würden".

Werde das Nachhaltigkeitsziel verfehlt, würden sich durch die Stufenzinsklausel(n) des Bonds die Anleihezinsen erhöhen. Enel, italienischer Energieversorger, habe bereits im September 2019 eine vergleichbare Anleihe mit einem Step-up um 25 Basispunkte begeben und Managergehälter an die Zielerreichung geknüpft (Anteil der Stromerzeugungskapazität für erneuerbare Energie: 55%). Dies ließe sich erweitern auf gesundheitliche oder soziale Ziele, eben alles im Umfang der Social Development Goals u.a. zur Bekämpfung von Armut und Hunger sowie zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Zum Schluss sei uns folgende Bemerkung gestattet: Es gibt keinen Planeten B! Ökonomie und Ökologie gehören zwingend zusammen - mehr denn je, so die Analysten der NORD/LB.

Wie immer sei viel los im SSA-Segment, darum starte man ausnahmsweise einmal mit einem Emittenten, der für 2021 seine Schäfchen bereits ins Trockene gebracht habe: Mit einem Tap in Höhe von EUR 2 Mrd. (2031er Laufzeit) zu ms -5 Bp sei die EFSF durch für dieses Jahr und habe ihre geplanten Fundingaktivitäten frühzeitig abschließen können. Die Bücher hätten bei EUR 16,5 Mrd. gelegen. Diese Anleger könnten sich problemlos auf die weiteren Transaktionen der EU stürzen, um dort gegebenenfalls zum Zug zu kommen. Die Bid-to-cover-Ratios bei den Luxemburger Supras seien in 2021 bisher als gewaltig zu bezeichnen. Der ESM hat nach unserer Rechnung noch EUR 4 Mrd. offen bis Jahresende und eine Transaktion dürfte davon in USD über die Bühne gehen, so die Analysten der NORD/LB. Die EU müsste zudem noch EUR 45 Mrd. im Rahmen der NGEU offen haben. Jedoch hat sie auch noch andere Fundingprogramme wie zum Beispiel den European Financial Stabilisation Mechanism (EFSM), bei dem im Juli nach unserer Kenntnis EUR 5 Mrd. zur Refinanzierung anstehen, so die Analysten der NORD/LB. So oder so: Die EU werde im Juli am Markt sein, NGEU sei das dominierende Thema, aber nicht das einzige.

Kleinere, aber nicht weniger interessante Emittenten seien in der aktuell im Fokus stehenden Handelswoche (Mittwoch bis Dienstag) WALLOO, SCHHOL und BGOSK gewesen. Die Wallonen hätten ein Konsortium für eine zehnjährige Transaktion (ISIN BE0002816974 / WKN A3KTQG) mandatiert, welche zügig über die Bühne gegangen sei. EUR 1 Mrd. für zehn Jahre seien durchaus gefragt gewesen, wie das Orderbuch in Höhe von EUR 2,7 Mrd. erfreulich erkennen lasse. Der Deal sei 29 Basispunkte über der belgischen Referenzanleihe gepreist worden (BGB 0% 10/22/31).

Ebenfalls für zehn Jahre habe sich das nördlichste deutsche Bundesland, Schleswig-Holstein, entschieden. Die Benchmark (ISIN DE000SHFM808 / WKN SHFM80) habe EUR 650 Mio. umfasst und sei zu ms -4 Bp gekommen. Die Bücher seien auf EUR 790 Mio. gekommen und die Guidance habe bei ms -3 Bp area gelegen, sodass der Deal noch einen Basispunkt habe reinziehen können.

Die 10y seien sehr beliebt gewesen, auch die polnische BGK (Bank Gospodarstwa Krajowego) habe diese Laufzeit für ihren Covid-19-Response Bond (ISIN XS2361047538 / WKN A3KTQT) gewählt. Damit sei dieser Deal die einzige ESG-Transaktion in dieser Woche. EUR 500 Mio. seien zu ms +50 Bp gekommen. Die IPT sei mit high +50s Bp area gestartet, die Bücher hätten letztlich bei EUR 590 Mio. gelegen. (Ausgabe 24 vom 07.07.2021) (07.07.2021/alc/a/a)





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