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Volksbank Wien bleibt ein vermeintlich seltener Gast auf dem Credit Primärmarkt


02.11.20 11:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Nach der Restrukturierung des Volksbanken-Sektors, der im Juni 2018 abgeschlossen wurde, besteht der Volksbanken-Verbund derzeit aus neun Instituten (regionale Volksbanken und einer Spezialbank) mit einer Bilanzsumme von zusammengenommen rund EUR 28,9 Mrd., so der Finanzanalyst Werner Schmitzer von der Raiffeisen Bank International AG (RBI) Wien.

Die Volksbank Wien agiere nach Abspaltung der ÖVAG (und Überführung in eine Abwicklungseinheit) seit 2015 als Zentralinstitut des Verbundes. Die VBW stelle mit Blick auf die Bilanzsumme rund 48% des Verbundes und das größte Einzelinstitut dar. Die Eigentümer der VBW seien zu 75% Verbundbanken bzw. von Beteiligungs- und Verwaltungsgenossenschaften. Die Republik Österreich halte zum 30.06.2020 einen Anteil von 25%. Der Verbund bediene mit 265 Filialen (VBW 65 Filialen) zum H1 20 rund 1,1 Mio. bzw. 338.000 Retail- und KMU-Kunden mit einem geografischen Fokus auf Österreich. Seit dem Jahr 2012 seien die Volks- und Spezialbanken zu einem Verbund nach §30a BWG zusammengeschlossen und auch seither in einem gemeinsamen Liquiditäts- und Haftungsverbund. Ebenso unterhalte der Verband ein eigenes Einlagensicherungssystem. Im Haftungsverbund bestehe eine gegenseitige Einstandspflicht in unbegrenzter Höhe, sollte eines der Institute in wirtschaftliche Schieflage geraten.

Die VBW habe zum H1 20 eine Bilanzsumme von EUR 14 Mrd. und damit einen Anstieg um 10% berichtet. Sowohl die Forderungen (-1,5%) als auch die Verbindlichkeiten gegenüber Kunden (-4,8%) seien gegenüber dem GJ 2019 (31. Dezember 2019) leicht gesunken. Die gestiegene Bilanzsumme sei Großteils auf die Teilnahme der Bank an der TLTRO III Operation der EZB zurückzuführen, bei der sich die VBW mit EUR 1,5 Mrd. beteiligt habe. Zum H1 20 habe die VBW einen Nettogewinn von EUR 28,1 Mio. im Vergleich zu EUR 44,4 Mio. in der Vorjahresperiode berichtet. Zinsüberschuss (EUR 61,4 Mio.) als auch Provisionsüberschuss (EUR 28,7 Mio.) hätten im Periodenvergleich im H1 20 annähernd stabil gehalten werden können. Eindeutig habe - wie im gesamten Bankensektor - auch bei der VBW die Corona-Krise im Q2 20 in den Vordergrund gedrängt und EUR 12 Mio. an Risikokosten für das H1 20 (H1 19: EUR 4 Mio.) verursacht.

Die risikogewichteten Kapitalquoten hätten aufgrund eines leicht gesunkenen Gesamtrisikobetrags weiter verbessert werden können (CET1 15,6% zum H1 20). Die Aktivaqualität habe sich mit einer NPL-Quote von 2,1% stabil gezeigt. Die Nettozinsmarge sei zum H1 20 mit 0,9% berichtet worden.

Mit einem Kundeneinlagenportfolio von EUR 6,1 Mrd. zum H1 20 sowie den zuletzt gezogenen Geldern des TLTRO III (EUR 1,5 Mrd.) sowie keinen größeren Fälligkeiten im Jahr 2021, sei die VBW auf der Refinanzierungsseite solide aufgestellt. Im heurigen Jahr sei die VBW abgesehen von einem Covered Bond FRN (EUR 250 Mio.) noch nicht auf dem Primärmarkt tätig gewesen. Im Jahr 2022 werde die Call-Option der ausstehenden Tier 2 Anleihe (VOWIBA 2,75% 2027) fällig. Vor dem Hintergrund der regulatorischen Anpassungen bzw. Vorziehungen aufgrund der Corona-Krise durch die Aufsichtsbehörden, würden die Analysten von einer rechtzeitigen Refinanzierung dieser Anleihe ausgehen.

Die VBW habe einen zusätzlichen Emissionsbedarf im Rahmen von MREL von EUR 1,2 Mrd. bis ins Jahr 2025 berichtet und habe zum H1 20 noch keinen Senior Non-Preferred Bond begeben. Aufgrund der Größe des Instituts bzw. des Verbundes bleibe die VBW weiterhin ein vermeintlich seltener Gast auf dem Credit Primärmarkt. (Ausgabe Oktober 2020) (02.11.2020/alc/a/a)