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Die Volatilität am Anleihemarkt bewältigen


12.10.21 09:30
Vontobel Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Vor einigen Wochen haben wir darauf hingewiesen, dass die Märkte auf eine Phase erhöhter Volatilität zusteuern könnten und dass der Katalysator ein Anstieg der risikofreien Renditekurven sein könnte. Genau das ist derzeit der Fall, so Mark Holman, CEO von TwentyFour Asset Management.

Die Bewegung der Zinskurven für Staatsanleihen in Reaktion auf die US-Arbeitsmarktdaten letzte Woche sei zwar nicht groß gewesen, aber es seien das Tempo der Bewegung und der Ausgangspunkt in diesem Niedrigzinsumfeld, die die Anleger beunruhigen würden.

Seit Anfang August habe sich die Gilt-Kurve am stärksten bewegt, wobei die 10-jährige Rendite von 0,60 Prozent auf 1,12 Prozent gestiegen sei. Dahinter folge die Kurve der Staatsanleihen, deren 10-jährige Benchmarkrendite von 1,17 Prozent auf etwa 1,60 Prozent (Stand 8.10.) gestiegen sei. Die Euro-Kurve hinke leicht hinterher, da die entsprechende Bundesanleihenrendite nur um 35 Basispunkte von -0,50 Prozent auf -0,15 Prozent gestiegen sei. Dies seien zwar relativ geringe Schwankungen, aber die Duration sei am höchsten, wenn die Renditen niedrig seien, sodass eine Bewegung von 50 Basispunkten etwa 5 Prozent Preisrückgang entspreche - sicherlich ein erheblicher Wert, zumal es bei den Renditen ohnehin wenig zu holen gebe.

Die Nervosität habe sich somit auf alle Risikomärkte übertragen. So seien die Renditen an den Märkten für hochverzinsliche Anleihen in den letzten drei Wochen weltweit um etwa 20 Basispunkte gestiegen, und in volatileren Sektoren wie den Coco-Anleihen seien sie um etwa 30 Basispunkte gestiegen. Das sei zwar nicht viel, aber genug, um Verluste zu verursachen.

Interessanterweise mangele es am Markt derzeit nicht an Anleihen. Neuemissionen hätten erwartungsgemäß mit einem Aufschlag versehen werden müssen, insbesondere auf dem Sterling-Markt, wo es die größte Bewegung im risikofreien Zinssatz gegeben habe und die Inflationsängste jetzt vielleicht am stärksten seien. So habe Modulaire, ein Industriekonzern mit Single-B-Rating, diese Woche eine Multi-Tranchen-Anleihe bepreist, wobei der Euro-Teil mit einem Kupon von 4,75 Prozent und die Sterling-Tranche mit 6,125 Prozent für das gleiche Risiko ausgestattet gewesen sei. Selbst unter Berücksichtigung der Währungsabsicherung sei die Sterling-Tranche 75 Basispunkte günstiger gewesen.

Ebenfalls in Pfund Sterling begeben worden sei eine Neuemission des britischen Pensionskassen-Buyout-Spezialisten Rothesay. Die ewige, nicht kündbare 10,5-jährige Anleihe sei mit einem Kupon von 5 Prozent ausgestattet gewesen, während Rothesay vor einem Monat wahrscheinlich 50 Basispunkte weniger hätte bieten können. Ein weiteres Beispiel sei der Immobilienentwickler Keepmoat, dessen sechsjährige Anleihe zu 6 Prozent angeboten worden sei.

Nach Ansicht der Experten würden Neuemissionen also mit einem gesunden Aufschlag angeboten, insbesondere in Pfund Sterling, aber auch in Euro und US-Dollar.

Die Anleger sollten sich jedoch davor hüten, ihre Portfolios mit einer zu großen Zinssensitivität auszustatten, da die Bewegungen der Zinskurven für Staatsanleihen wahrscheinlich so lange anhalten würden, bis der Zinserhöhungszyklus tatsächlich anstehe.

Die fundamentalen Argumente für den Kauf von Unternehmensanleihen seien nach Ansicht der Experten weiterhin voll und ganz intakt und eine interessante neue Statistik zeige, dass es im August in Europa weder bei Hochzins- noch bei Investment-Grade-Anleihen zu Herabstufungen gekommen sei. Die Experten könnten sich nicht erinnern, dass das jemals zuvor der Fall gewesen sei. (12.10.2021/alc/a/a)