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Versteckte Rendite in italienischen Staatsanleihen


13.11.17 12:15
Legal & General IM

London (www.anleihencheck.de) - Italienische Staatsanleihen waren in den vergangenen Jahren kein gutes Geschäft, so die Experten von Legal & General Investment Management (LGIM).

Auch die Zukunft scheine nicht sonderlich rosig: Das Land sei hoch verschuldet, die politische Lage sei instabil und im Mai 2018 stünden Wahlen an, deren Folgen nicht abzuschätzen seien. "Wer jedoch allzu negativ nach Italien schaut, lässt Chancen ungenutzt verstreichen", sage Christopher Jeffery, Fixed Income Strategist bei Legal & General Investment Management. Denn mit langfristigen Investments könnten Investoren trotz des pessimistischen Stimmung eine satte Rendite erwirtschaften.

Auf den ersten Blick scheine es keine guten Gründe für ein Investment in italienische Staatsanleihen zu geben: "Italiens Schuldenmärkte zeigen eine konstant schlechte Wertentwicklung auf, und die politische Unsicherheit ist aufgrund der anstehenden Wahlen in 2018 groß. Zudem ist Italiens Wirtschaft seit der Einführung des Euro im Jahre 2002 kaum gewachsen - das annualisierte BIP liegt bei mageren 0,05 Prozent. Und nicht zuletzt liegt die Rendite italienischer Staatsanleihen bei rund zwei Prozent und damit auf dem gleichen Niveau wie US-Anleihen bei gleichzeitig höherem Risiko", erläutere Jeffery.

Auf den zweiten Blick ergebe sich laut Jeffery jedoch ein differenzierteres Bild: "Italiens Schuldenproblematik ist zwar unbestreitbar, allerdings eher chronisch denn akut. Seit Mitte der 1990er erwirtschaftet Italien einen konstanten Haushaltsüberschuss, sieht man von den Kredit-Altlasten ab." Von den 35 Ländern der OECD habe nur Norwegen einen längeren konstanten Überschuss vorzuweisen. Zudem sei Italiens Haushaltsdisziplin während der vergangenen zehn Jahre besser als die Deutschlands. "In Verbindung mit dem extrem niedrigen Zinsniveau findet sich das Land in einer relativ komfortablen Situation bei der Refinanzierung seiner Schulden wieder", so der Experte.

Auch die politische Lage sei nicht instabiler als gewöhnlich. Die Beliebtheit der Fünf-Sterne-Bewegung habe zugunsten der gemäßigteren Parteien im Laufe des Jahres abgenommen. Außerdem sei die Euroskepsis nicht so weit verbreitet wie befürchtet. "Zur Einführung lag die Zustimmung zum Euro bei 80 Prozent. Diese ist zwar mittlerweile auf 58 Prozent gesunken, allerdings zeigt das Beispiel Spanien, dass diese Zustimmung stark mit der wirtschaftlichen Lage korreliert. Erholt sich die Wirtschaft, steigt auch die Zustimmung zur Währung", so Jeffery.

Zwar werde die EZB im nächsten Jahr ihre Vermögenswertkäufe reduzieren, EZB-Präsident Mario Draghi poche jedoch weiterhin auf die Flexibilität der EZB in Bezug auf die Größe, Dauer und Zusammensetzung ihres Kaufprogrammes. Vor allem die Flexibilität in Bezug auf die Zusammensetzung sei in den vergangenen Monaten deutlich geworden: "Da immer weniger Anleihen mit Top-Rating verfügbar sind, kauft die Zentralbank zunehmend spanische und italienische Staatsanleihen. Diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen", so Jeffery. Das mangelnde Wirtschaftswachstum wiege zwar schwer auf Italiens Schultern, dennoch trage es einen Anteil am steigenden Wachstum in Europa bei. 1,5 Prozent Wachstum über die letzten vier Quartale sei zwar nicht viel, aber ausreichend, um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren.

"Die Renditen italienischer Staatsanleihen sind niedrig, aber wir sollten nicht vergessen, dass die italienische Zinskurve steil ist und die Geldmarktsätze in Europe deutlich unter null liegen", so Jeffery weiter. Sollte sich die Zinsstruktur im nächsten Jahr nicht massiv verändern, könnten Investoren so bei Anleihen mit 10-jähriger Laufzeit eine satte Rendite von mehr als vier Prozent erwirtschaften.

"Es ist verlockend, Italiens pessimistisches Narrativ für seine künftige Entwicklung zu übernehmen und eine negative Prognose abzugeben. Damit bliebe attraktives Potenzial jedoch ungenutzt - die Lage ist besser als sie scheint", schließe Jeffery. (13.11.2017/alc/a/a)