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Versorgungsengpässe treiben die Inflation an


23.11.21 11:21
Santander Asset Management

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - "Letzten Monat haben wir auf die wachsende Bedeutung von Versorgungsengpässen auf globaler Ebene für die Wirtschaftsaussichten hingewiesen. Und bisher gibt es kaum Anzeichen dafür, dass diese zurückgehen, insbesondere nicht in den USA oder dem Euroraum", sagt Dr. Klaus Schrüfer, Chief Market Strategist bei Santander Asset Management in seinem aktuellen Marktkommentar.

Unabhängig davon, ob die Versorgungsengpässe vorübergehender oder dauerhafter Natur seien, werde die Inflation in den Industrieländern in den nächsten Monaten wahrscheinlich noch etwas weiter ansteigen, wenn die Öl- und Erdgaspreise auf ihrem derzeitigen Niveau bleiben sollten. "Aber das kann die Geldpolitik nicht auffangen. Dies ist eine Frage der Rohstoffpreise", so Schrüfer.

Auch wenn im derzeitigen Umfeld die kurzfristigen Zinssätze im Euroraum, wie auch in den USA, stark angestiegen seien: "Wie die FED wird sich auch die EZB auf das Wachstum und nicht auf die Inflation konzentrieren", sage Schrüfer.

Bei der Frage, ob dies die entwickelten Volkswirtschaften in eine Stagflation treiben werde, sei ihm zufolge die Schlüsselfrage in diesem Zusammenhang nicht der Verbraucherpreisindex insgesamt, sondern die Frage, wie sich die Energieinflation auf den Kern-Verbraucherpreisindex und die Löhne auswirke: "Bislang ist das noch nicht klar, aber wir sind der Meinung, dass die jüngsten Lohnentwicklungen in den USA genau beobachtet werden müssen."

Bemerkenswert sei, dass sich das BIP-Wachstum in den USA im dritten Quartal 2021 trotz des starken Geschäftsklimas deutlich abgeschwächt habe, vor allem die beiden wichtigsten Komponenten privater Verbrauch und Unternehmensinvestitionen. Allerdings müsse man den Konsum zwischen dem weiterhin sehr solide wachsenden Bereich Dienstleistung und dem Bereich Güter, der aufgrund langlebiger Waren einbreche, unterscheiden, so Schrüfer.

Ihm zufolge biete jedoch gerade der Dienstleistungssektor noch Potenzial: "Wir glauben also, dass der Güterkonsum noch einige Zeit lang eine Belastung bleiben könnte, aber die Aussichten für den Dienstleistungskonsum sind positiv: Er liegt immer noch weit unter seinem Trend und seine Entwicklung hängt nicht von den steuerlichen Anreizen ab, sondern von der Mobilität, der Beschäftigung und allgemein dem Einkommen der Haushalte."

Das größte Abwärtsrisiko gehe seiner Ansicht nach aktuell von den Versorgungsengpässen aus, da diese einen schnellen Produktionsanstieg verhindern und - gerade bei Rohstoffen - einen Preisanstieg auslösen würden. Wann diese Engpässe verschwinden würden, sei nicht klar. (23.11.2021/alc/a/a)