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Vergleich zwischen 1929 und heute: Notenbanken machen den Unterschied


22.07.20 10:00
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Peter De Coensel, CIO Fixed Income bei DPAM, hat sich in der Literatur mit den Parallelen zwischen dem Jahr 1929 und der aktuellen Situation an den Finanzmärkten beschäftigt. Sein Fazit: Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen heute und damals. Vor allem politische Manöver, die die Finanzmärkte als Instrument zur Popularitätssteigerung nutzen.

Anfang Juli hätten zum Beispiel die von der chinesischen Regierung kontrollierten Zeitungen die Menschen weiterhin zu Investitionen an der Börse gelockt. Dies habe dazu geführt, dass der Shanghai Shenzhen CSI 300-Index seit dem 1. Juli um 14% gestiegen sei. Auch Trump beherrsche die Kunst, Wirtschaftsdaten, sprunghaft ansteigende Aktienindices oder die negativen Zinsen in Europa zu nutzen. Seine Regierung übe Druck auf die Geld- und Finanzpolitik aus und behaupte, lebhafte Märkte führten zu einer besseren Zukunft für alle. Bis Ende Juli dürfte ein fünftes fiskalisches Ausgabenprogramm, welches das sich beschleunigende Haushaltsdefizit schätzungsweise um eine weitere Billion USD erhöhen werde, den US-Konsum und die US-Aktienmärkte steigern und die Chancen auf Trumps Wiederwahl verbessern.

Infolgedessen hätten unzählige neuer Kleinanleger, jung und alt, den Nervenkitzel des Investierens oder besser des Day-Tradings entdeckt. Die Presse und die Massen würden dies lieben, so wie es vor 91 Jahren ebenso der Fall gewesen sei. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass der große Unterschied zwischen heute und damals die Geldpolitik sei. Die geteilte Führung der FED habe 1929 spekulatives Verhalten ersticken wollen. Sie habe auf die Bereitstellung von Bankfinanzierungen verzichtet, als dieses Geld zu Margin-basierten Investitionen geführt habe. Heute verfolge die FED eine Nullzinspolitik und tätige massive Käufe von Vermögenswerten über das gesamte Risikospektrum hinweg. Wenn es also eine Blase gebe, könnte es Jahre dauern, bis sie platze, da die Finanzstabilitätshüter bei der Party mitmischen würden.

Bei der Investition in Anleihen werde Geduld zu einem Schlüsselfaktor werden, da die Kapital- und Einkommenszuwächse abnehmen würden. Der starke Renditerückgang im ersten Halbjahr 2020 habe es Anlegern in festverzinslichen Wertpapieren ermöglicht, sich gut von den Turbulenzen im März zu erholen. Wenn man über das Jahr 2020 hinausblicke, werde die Wertschöpfung an den Rentenmärkten ein hohes internationales Engagement und einen wirklich globalen Ansatz für den Portfolioaufbau erfordern. (22.07.2020/alc/a/a)