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Das Urteil der Geschichtsbücher über Powell könnte vernichtend ausfallen


16.07.21 10:45
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die jüngst veröffentlichten Daten zur US-Inflation überraschten den dritten Monat in Folge auf der Oberseite, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management.

Der Gesamtindex der Verbraucherpreise liege nun bei 5,4 Prozent, wobei die Kernpreise im vergangenen Jahr um 4,5 Prozent gestiegen seien und die Erzeugerpreise um 7,3 Prozent zugelegt hätten.

Da Umfragen wie das Beige Book der FED weiteren Spielraum für neue Zuwächse ausweisen würden, scheine der Höhepunkt der Inflation noch nicht erreicht zu sein. Sofern die Experten mit ihrer Analyse richtig lägen, dass Inflationserwartungen und Löhne in den kommenden Monaten stetig steigen würden, dann scheine es, dass die Preise bis 2022 und darüber hinaus weiterhin deutlich über die Zielrate der FED von 2 Prozent anziehen würden.

Es sei klar, dass ein Teil der jüngsten Preisdynamik mit vorübergehenden Faktoren zusammenhänge. So lasse sich die Hälfte des Inflationsanstiegs im vergangenen Monat den hohen Gebrauchtwagenpreisen zurechnen, die auf die Engpässe in der Autoproduktion im Zusammenhang mit der Halbleiterknappheit zurückzuführen seien.

Es scheine jedoch immer deutlicher zu werden, dass die Unternehmen unabhängig von diesen zeitlich begrenzten Faktoren zunehmend in der Lage seien, höhere Preise weiterzugeben - und zwar in einem Umfang, wie man es in den vergangenen zwanzig Jahren oder mehr nicht gesehen habe.

Allerdings scheine die Annahme, dass die Inflation von selbst auf das von der FED anvisierte Zielniveau zurückkehren werde, viel Optimismus zu erfordern. Angesichts der robusten Konjunkturaussichten scheine das Risiko zu wachsen, dass die FED zu einem späteren Zeitpunkt, wenn der Inflationsdruck weiter zunehme, eine aggressive Straffung vornehmen müsse.

US-Notenbankchef Jerome Powell gehe derzeit große Wagnisse ein, um seinen Job zu behalten: Seine Anstrengungen würden darauf abzielen, Präsident Biden und seine verbündeten politischen Stakeholder zufrieden zu stellen, indem Powell die konjunkturelle Entwicklung und die Vermögenspreise kurz- bis mittelfristig weiterhin unterstütze. Treibe er diese Strategie jedoch auf Kosten eines erhöhten Rezessionsrisikos im Vorfeld der nächsten US-Wahl auf die Spitze, sei eines klar: Die Bewertung des Laissez-faire-Ansatzes im Zentralbankwesen, dem Powell sich allem Anschein nach verschrieben habe, könnte in den Geschichtsbüchern nicht weniger als vernichtend ausfallen. (16.07.2021/alc/a/a)