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Unternehmensanleihen aus dem Euroraum im Juli deutlich Fahrt aufgenommen - Spreads zurück auf Vorkrisenniveau


08.08.17 10:30
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Unternehmensanleihen aus dem Euroraum konnten im Juli wieder deutlich Fahrt aufnehmen, so die Experten von Union Investment.

Nachdem im Vormonat noch Aussagen von Mario Draghi, dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), belastet hätten, habe die aktuelle Notenbank-Sitzung nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Die EZB habe ihre Kommunikation mit Blick auf die künftige Geldpolitik unangetastet gelassen, erst im Herbst solle es Neuigkeiten über eine mögliche Rückführung des Anleiheankaufprogramms geben. Noch werde der Markt aber kräftig von der Zentralbank unterstützt: Im Juli habe der EZB-Bestand an Unternehmensanleihen die Marke von 100 Milliarden Euro überstanden.

Europäische Corporate Bonds mit Investment Grade-Rating hätten in diesem Umfeld 0,8 Prozent gewonnen (BofA Merrill Lynch Euro Corporate Index, ER00). Die Risikoaufschläge (Spreads) seien deutlich um 14 auf jetzt 48 Basispunkte zurückgegangen und lägen damit erstmals wieder auf Vorkrisenniveau. Hochverzinsliche Papiere hätten ebenfalls zulegen können und den Monat mit einem Plus von 0,7 Prozent abgeschlossen (BofA Merrill Lynch HEAG). Die Spreads hätten sich weiter um 10 auf 200 Basispunkte eingeengt. Eine ähnliche Entwicklung hätten auch US-Corporates gezeigt: Auf US-Dollar-Basis hätten die Papiere 0,8 Prozent hinzugewonnen. In Euro hätten sie aufgrund der Stärke der Gemeinschaftswährung allerdings 2,5 Prozent abgegeben (BofA Merrill Lynch C0AL).

Die Aktivität am Primärmarkt sei zunächst rege gewesen, sei aber zum Monatsende mit der anlaufenden Berichtssaison abgeflacht. Der niederländisch-britische Konsumgüterhersteller Unilever habe in drei Tranchen insgesamt 1,9 Milliarden Euro platziert. Die Emission sei deutlich überzeichnet gewesen, sodass die vierjährige Anleihe (500 Millionen Euro) sogar zu einem Kupon von 0,0 Prozent genügend Abnehmer gefunden habe.

Auf der Verliererseite hätten hingegen deutsche Automobilwerte gestanden. Medienberichten zufolge solle es bei den Konzernen seit den 1990er Jahren geheime Absprachen über Kosten, Technologien und Zulieferer gegeben haben. Die Bonds hätten entsprechend unter Abgabedruck gestanden.

Die Tapering-Diskussion der EZB könne phasenweise für erhöhte Volatilität sorgen. Dem stehe aber in den Sommermonaten die Unterstützung durch eine geringere Primärmarktaktivität gegenüber. (Ausgabe Juli 2017) (08.08.2017/alc/a/a)