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Unternehmensanleihen: Die attraktivste Assetklasse innerhalb des Anleihesegments


03.11.21 09:46
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Von der (guten) Reflation, über die (temporäre) Inflation zur (bösen) Stagflation - etwas überspitzt formuliert, könnte man so die Berichterstattung im Jahresverlauf zum Thema der Preissteigerungen im Zuge der Konjunkturerholung nach dem Corona bedingten Wirtschaftseinbruch kurz zusammenfassen, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. (Raiffeisen KAG).

Sei zu Jahresbeginn die Reflationierung als gelungene Konsequenz der expansiven Notenbank- und Fiskalpolitik über den Begriff "Reflation Trade" noch absolut positiv besetzt gewesen, so seien die ersten markant erhöhten Inflationsraten ab dem zweiten Quartal - wenn auch als Folge von Basiseffekten erwartet - schon mit erhöhter Aufmerksamkeit verfolgt worden. Da jedoch die meisten Analysten und Notenbanker nahezu gebetsmühlenartig den Inflationssprung als "transitorisch", also vorübergehend und eben nicht als dauerhaft oder gar strukturell, kommentiert hätten, hätten sich zum Sommerbeginn die Finanzmarktgemüter wieder relativ schnell beruhigt.

Im Verlauf des zweiten Halbjahres und mit der Erkenntnis, dass die Wachstumsdynamik zwar ihren Höhepunkt überschritten habe, die Inflationsraten jedoch länger als angenommen auf deutlich erhöhtem Niveau verharren würden, sei in den Medien auch der negativ besetzte Begriff der Stagflation aufgetaucht. Negativ besetzt nicht zuletzt deshalb, weil neben anderen preistreibenden Effekten, die aktuell scheinbar nicht zu bremsende Energiepreisentwicklung das zuletzt in den 1970er und 1980er Jahren aufgetretene Phänomen in Erinnerung gerufen habe. Und diese Erinnerung sei keine gute, gelte doch das gleichzeitige Auftreten wirtschaftlicher Stagnation bei hoher Inflation als schlechteste aller Welten. Natürlich seien Schlagzeilen hinsichtlich einer Stagflation zum gegenwärtigen Zeitpunkt weit übertrieben, aber es gelte dennoch, etwaige sich verstärkende Tendenzen in diese Richtung auch in Hinblick auf den Handlungsspielraum der Notenbanken aufmerksam zu verfolgen.

Unsere Erwartung höherer Staatsanleiherenditen hat sich zuletzt abermals bestätigt, so die Experten der Raiffeisen KAG. Die Experten würden bei kerneuropäischen Staatsanleihen weiterhin vorsichtig bleiben, ebenso bei US-Staatsanleihen. Innerhalb der Euro-Staatsanleihen würden inflationsindexierten Papiere wieder etwas an Bedeutung gewinnen, nachdem sich die langfristigen Inflationserwartungen nach wie vor nicht stabilisiert hätten.

Unternehmensanleihen würden die Experten der Raiffeisen KAG innerhalb des Anleihesegments derzeit als attraktivste Assetklasse erachten, insbesondere Euro-Investmentgrade- und US-High-Yield-Unternehmensanleihen.

Neu hinzu komme die positive Bewertung von Euro-High-Yield-Credits, deren Risikoprämien die Experten - nach zwischenzeitlichen Anstiegen - nun wieder moderat attraktiv sähen. In Summe habe sich zuletzt gezeigt, dass die Risikoprämien von Euro-Unternehmensanleihen Anstiege hätten hinnehmen müssen, während jene von USD-Credits im Wesentlichen davon verschont geblieben seien. Mitverantwortlich dafür sei nach Meinung der Experten der Raiffeisen KAG der Sektormix (USA mit mehr Energiewerten).

Das vermutlich frühere Ende des Anleihekaufprogramms der US-Notenbank und ein möglicherweise aggressiverer Zinsanhebungszyklus würden Schwellenländer-Hartwährungsanleihen aus Sicht der Experten zunehmend unattraktiver machen. Hinzu komme, dass die fundamentale Datenlage in den Emerging Markets zuletzt etwas an Dynamik verloren habe.

Die internationalen Aktienmärkte hätten sich in den letzten Wochen erneut sehr fest präsentiert. Zuletzt habe das Thema Inflation immer stärker in den Mittelpunkt gedrängt. Die Aktieninvestoren scheinen das aktuell zwar noch sehr entspannt zu sehen, wir erwarten aber, dass dies im Zusammenhang mit der Diskussion um den Zeitpunkt und den Pfad der Rückführung von Notenbankmaßnahmen (ausgehend von den USA) immer stärker in den Fokus der Anleger rücken wird, so die Experten der Raiffeisen KAG. Die Experten würden daher ihre neutrale Aktienposition beibehalten.

Auch in den Schwellenländern mache sich der Trend bemerkbar, dass Aktien aus dem Bereich der alten Technologien (Energie, Grundstoffe und Finanz) die Sektoren mit der stärksten Entwicklung in diesem Jahr seien. Dies sollte nicht weiter überraschen, zumal Rohstoffpreise quer durch die Bank einen kaum bremsbaren Höhenflug erleben würden. Das massive Unterinvestment aufgrund des Klimawandels sei hier sehr stark spürbar. Die Gewinnentwicklung in Lateinamerika habe zuletzt einen Dämpfer erfahren, sollte sich aber demnächst erholen.

Die Rohstoffmärkte würden sich weiter von der festen Seite präsentieren. Dabei würden Angebotsthemen immer stärker in den Mittelpunkt treten. Trotz gestiegener Preise seien die Unternehmen, was Investitionen betreffe (und damit zukünftiges Angebot), weiterhin sehr diszipliniert. Diese Zurückhaltung dürfte zu keiner raschen Entspannung auf der Angebotsseite führen und daher die Rohstoffpreise weiter unterstützen. (Ausgabe vom 02.11.2021) (03.11.2021/alc/a/a)