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Unternehmensanleihemärkte: Risikoaufschläge weiterhin auf Rekordtief - Speculative-Grade CDS steigen jedoch


02.06.17 10:45
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Anleihen des iBoxx-Index bewegen sich weiterhin in der Nähe ihres Rekordtiefstandes der letzten zwölf Monate, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Auffällig dabei sei auch die Branchenverteilung: Einzelhandel und Ernährung würden mit 33,2 bzw. 35,8 Basispunkten als risikoärmste Branchen den Index anführen. Angesichts ihrer geringen Zyklizität scheine das folgerichtig. Dass auf dem dritten Platz mit 37,2 Basispunkten "Industrie" liege, die eine weitaus größere Konjunkturabhängigkeit zeige, belege den Optimismus der Anleger. In dieser Branche liege der Durchschnitt der letzten fünf Jahre mit 76,3 Basispunkten mehr als doppelt so hoch.

Nunmehr haben die europäischen Spreads die Risikoaufschläge aus den USA eingeholt, die Einengung der letzten Wochen war auf unserer Seite des Atlantiks besonders ausgeprägt, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Doch in beiden Wirtschaftsräumen hätten zuletzt die Bank Lending Surveys als wichtige (Früh-)Indikatoren für den Kreditzyklus positive Signale für die Fortsetzung der Expansionsphase gesendet. Die weitere Einengung der Spreads sei vor diesem Hintergrund nachvollziehbar. Sie habe über das gesamte Ratingspektrum hinweg stattgefunden - allerdings gelte dies nur für "gute" Investmentgrade-Ratings.

Damit komme man zu den aufziehenden Wolken am Horizont: Laut Ratingagentur S&P würden aktuell die CDS-Spreads der "Ramschanleihen" im Subinvestmentgrade-Bereich (global) einen gegenläufigen Trend verzeichnen und steigen: Für "B"-geratete Anleihen liege der aktuelle Spread bei 610 Basispunkten. Vor 30 Tagen seien es 603 Basispunkte gewesen, der Durchschnitt der letzten drei Jahre liege bei 574 Basispunkten.

Ganz anders für "BBB+"-Anleihen: Aktuell 91 Basispunkte, vor 30 Tagen 93 Basispunkte, Durchschnitt der letzten drei Jahre von 112 Basispunkten. Das Fazit daraus: Die Anleger würden im Hochrisikobereich vorsichtiger. Dies sei noch keine Wende im Kreditzyklus, aber ein Warnsignal, dass sich die Stimmung bald auf breiterer Front drehen könnte.

Dabei mache es keinen Unterschied, ob man auf Europa oder USA schaue, die Spreadentwicklungen seien gemäß der Ratingagentur in beiden Wirtschaftsräumen etwa gleich.

In den nächsten Wochen erwarte man kaum Ausweitung der Anleihespreads im Investmentgrade-Bereich - das Bewusstsein aufziehender Risiken insbesondere aus dem unteren Ende des Ratingspektrums sei jedoch geschärft. (Ausgabe vom 01.06.2017) (02.06.2017/alc/a/a)