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Unternehmensanleihemärkte: Kreditspreads erhöhen sich vor EZB-Sitzung


07.09.17 13:30
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Im Vorfeld der EZB-Sitzung haben sich die Kreditspreads für in Euro denominierte Unternehmensanleihen gemessen am iBoxx Corporates ausgeweitet, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Auf Wochensicht hätten sich die Risikoaufschläge über der Swapkurve um knapp vier Basispunkte auf indexübergreifende 48,2 Basispunkte (Vorwoche: 44,6 bp) erhöht. Ohne die Unternehmen aus der Finanzbranche würden die Kreditspreads aktuell bei 45,5 Basispunkten eingepreist (Vorwoche: 41,0 bp). Die Erhöhung in den Kreditspreads komme angesichts der bevorstehenden EZB-Sitzung am heutigen Donnerstag nicht überraschend. Europas Währungshüter würden schließlich auch über die Zukunft des Kaufprogramms für Unternehmensanleihen (sog. CSPP) beraten.

Angesichts der erfreulichen Konjunktur und langsam zunehmenden Inflation rücke eine Beendigung des im Juni 2016 begonnenen CSPP in nicht unerreichbare Ferne. Die monatlichen Ankaufvolumina seien im August, auch bedingt durch eine verhaltene Emissionstätigkeit am europäischen Markt, auf rund 4,5 Mrd. EUR zurückgegangen (Juli: 5,6 Mrd. EUR, Juni: 7,2 Mrd. EUR). Insgesamt würden sich mittlerweile mehr als 1.000 verschiedene Unternehmensanleihen mit einem Gesamtvolumen von rund 107 Mrd. EUR in den Büchern der EZB tummeln. Während die Ankäufe die Spreads für Emittenten auf rekordniedrige Niveaus hätten sinken lassen, hätten Investoren ihre Renditevorstellungen angesichts der Kaufmacht der EZB und sinkender Kreditspreads deutlich nach unten korrigieren müssen. Angesichts der Ungewissheit über die Dauer des CSPP würden sich die Marktteilnehmer mit weiteren Käufen am Markt für Unternehmensanleihen vorerst zurückhalten und die EZB-Ankündigungen abwarten. Dies erkläre die Ausweitung in den Kreditspreads.

Ein signifikanter Umbruch könnte demnächst in der europäischen Stahlindustrie erfolgen. Mehrere europäischen Hüttenbetreiber, u.a. thyssenkrupp und Salzgitter, würden gegenwärtig über eine Zusammenlegung ihrer häufig defizitären Standorte beraten. Steigende Weltmarktpreise für Stahlprodukte und die anziehende Weltkonjunktur hätten die Weltstahlproduktion in 2017 zwar beflügelt und die Umsätze der europäischen Schmieden anziehen lassen, jedoch würden die Zukunftsaussichten der Branche wenig rosig bleiben. Hohe Personalkosten, weltweite Überkapazitäten, Montanmitbestimmung (stärke die Rechte der Arbeitnehmer) und steigende Energiekosten würden weiterhin ihre Wettbewerbsfähigkeit unterminieren und den Konsolidierungsdruck in der Branche aufrecht halten.

Auch am Kapitalmarkt werde dies offensichtlich, würden Anleihen europäischer Produzenten zum Teil deutlich höher als ihre internationalen Peers rentieren. Zudem würden in der Bonitätsbetrachtung deutliche Unterschiede in den 5-Jahres-Ausfallwahrscheinlichkeiten und beim gemitteltem Rating (Europa: 12,8% und BB-; International: 2,12% und BBB) sichtbar. Die Gruppe der europäischen Produzenten werde somit im Non-Investmentgrade-Bereich bewertet. Langfristig könnten Fusionen unter den europäischen Hütten sowie eine Fokussierung auf Spezialstahl der vielversprechenden Branche helfen, ihre Ratings zu verbessern und ihre Kreditspreads zu verringern. (07.09.2017/alc/a/a)