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Unternehmensanleihemärkte: Kreditspreads in Europa betonfest


06.10.17 11:21
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Das dieses Jahr prägende Bild einlaufender Kreditspreads auf den Märkten für europäische Unternehmensanleihen setzt sich unaufhaltsam fort, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Gemessen am iBoxx EUR Corporates lägen die Kreditrisiken für europäische Unternehmen gegenwärtig bei 43,4 Basispunkten (Vorwoche: 46,4 BP). Ohne die Unternehmen aus dem Finanzsektor notiere der Index bei 39,5 Basispunkten (Vorwoche: 43,0). In allen im Index vertretenden Branchen seien Rückgänge in den Kreditspreads zu beobachten und in zyklischen und nicht-zyklischen Sektoren gleichermaßen evident.

Auch auf der anderen Seite des Atlantiks bleibe der Markt für Unternehmensanleihen von einer bemerkenswerten Investorennachfrage gekennzeichnet. Ein Hauptindikator hierfür seien die Absicherungskosten gegen den Ausfall infolge einer Insolvenz. Diese seien gemessen am Markit CDX North America Investment Grade Index, der die Fünf-Jahres-Ausfallwahrscheinlichkeit für 125 gleichgewichteten US-Anleihen aus dem Investment-Grade-Segment abbilde, auf ein Zehnjahrestief gesunken. Für die Absicherung eines Anleiheportfolios von 1.000 US-Dollar seien gegenwärtig Versicherungskosten in Höhe von nur 54,40 US-Dollar zu tragen. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise in 2008 hätten diese noch bei atemberaubenden 270,80 US-Dollar gelegen. Auch im High-Yield Segment würden die Versicherungsprämien auf einem Jahrestief von rund 320 Basispunkten notieren.

Was stecke hinter diesem Rückgang in den Versicherungskosten? Zum einen sei diese Entwicklung Ausdruck einer hohen und stabilen Investorennachfrage nach bonitätsstarken US-Unternehmensanleihen. Zum anderen habe der Markt beim jüngsten Rückgang im CDX offenbar die Steuerpläne der Trump-Administration deutlich eingepreist. Die Senkung der Unternehmenssteuer von gegenwärtig 35% auf ein Niveau von 20% würde Corporate America wesentlich entlasten und ihre Gewinnaussichten verbessern.

Darüber hinaus hoffe der Markt offensichtlich auf die im Trump-Steuerpaket vorgesehenen pauschale Repatriierungssteuer für im Ausland geparktes Kapital. Dabei gehe es um schätzungsweise 2,5 Billionen US-Dollar, das für Investitionen in den USA eingesetzt werden könnte. Die derzeit diskutierte partielle Eliminierung der steuerlichen Anrechenbarkeit von Zinsaufwendungen würde für sich gesehen die Steuerlast erhöhen. Allerdings dürfte gleichzeitig die Emissionstätigkeit zurückgehen (da Fremdkapitalfinanzierung an Attraktivität einbüßen würde) und somit eine relativ Verknappung von Unternehmensanleihen einleiten. Dies könnte die Kreditspreads aus dem US-Investment-Grade-Segment unter zusätzlichen Druck bringen. Unabhängig davon würden die Analysten nicht mit einer Steigerung der bereits hohen Emissionsaktivität in 2018 rechnen, sie erscheine wenig wahrscheinlich. Ein kleineres Angebot an bonitätsstarken Anleihen und die steuerpolitische Ungewissheit würden internationale Investoren deshalb jetzt in den Markt treiben. (Ausgabe vom 05.10.2017) (06.10.2017/alc/a/a)