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Unternehmensanleihemärkte: Branchenspreads sehr unterschiedlich


01.09.17 10:00
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Nachdem der iBoxx Corporates EUR bei 40 Basispunkten seinen bisherigen Tiefststand erreicht hatte, liegen die Kreditrisiken europäischer Investment Grade Unternehmensanleihen bei aktuell 44,6 Basispunkten (Vorwoche: 45,3 BP), so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Ohne die Unternehmen aus der Finanzbranche lägen die entsprechenden Kreditspreads bei 41,0 Basispunkten (Vorwoche: 41,9 BP). Beende also der iBoxx demnächst seinen Tiefflug?

Für ihren Mittelfrist-Ausblick würden die Analysten zunächst auf die Entwicklung der Insolvenzen schauen. Die Datenbank capitallQ zeige dazu im zweiten Quartal 2017 ein eher positives Bild. Die globale 12-Monats-Ausfallrate sei von 3,7 auf 3,1% gefallen, in Europa von 2,5 auf 2,1%. Dieses Bild werde etwas durch die USA verzerrt (73% aller Insolvenzen weltweit) und dem Sektor "Energy and Natural Resources" mit 33% aller weltweiten Insolvenzen. Lasse man die Öl- und Gasbranche außen vor, falle auf, dass die Zahlungsausfälle des Sektors "Consumer / Services" angestiegen seien auf aktuell 23%.

Darüber hinaus würden aktuell 45% aller Firmen, die CCC+ oder schlechter geratet seien, aus diesem Sektor kommen. Auffallend hier sei der Anstieg der Insolvenzen im Einzelhandel - allerdings vorwiegend in den USA, wo die Konkurrenz aus dem Internet traditionellen Händlern zu schaffen mache. Gemessen an den aktuellen Spreads sei dieser Trend noch nicht im europäischen Einzelhandel angekommen (20,8 Basispunkte gegenüber 66,0 im 5-Jahres-Durchschnitt). Trotzdem spreche vieles dafür, dass die aktuell niedrigen Risikoaufschläge ihr Niveau nicht lange halten könnten.

Bei der Ratingagentur S&P hätten im zweiten Quartal 2017 weltweit etwas die Downgrades gegenüber den Upgrades überwogen - allerdings weniger als in der Vergangenheit üblich. Trotzdem habe sich das Ratingspektrum weiter zwischen bonitätsstark und -schwach auseinandergefächert. Ebenfalls falle auf, dass der Sektor Retail wesentlich mehr Downgrades (19) als Upgrades (4) verzeichnet habe. Auch Health Care sei mit 9 Downgrades und einem Upgrade einer der schwächeren Sektoren gewesen.

Spannend sei in diesem Zusammenhang auch das Verhältnis von positivem und negativem Ausblick. Hierin zeige sich ein möglicher Trend zur Bonitätsverbesserung oder Verschlechterung. Während sich in den Branchen Automobil und Chemie die Ausblicke in etwa die Waage halten würden, liege das Verhältnis bei Consumer Products bei 5 positiv zu 17 negativ, ähnlich bei Capital Goods (6 zu 18), Energy (8 zu 29), Telekom (7 zu 16) und Transport (7 zu 18). Abgeschlagen hier wiederum Retail mit 4 zu 22. Die Analysten würden also mittelfristig eine geringe Gesamtausweitung bei den Spreads erwarten, aber einzelne Branchen, insbesondere den europäischen Einzelhandel, könnte es stärker treffen. (Ausgabe vom 31.08.2017) (01.09.2017/alc/a/a)