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Unerwartet hoher Preisanstieg in den USA


06.07.21 08:45
ALTE LEIPZIGER Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Mit dem Überwinden der 5%-Marke bei der US-Inflation und der Aussicht, dass dies noch nicht der Höhepunkt des jüngsten Preisschubs gewesen sein könnte, traten die Vertreter der US-Notenbank Federal Reserve mit dem Anheben der Leitzinserwartungen der Ansicht entgegen, dass die seit Jahren verfolgte ultralockere Geldpolitik unendlich nach vorne fortgesetzt werden könne, so die Experten der Alte Leipziger Trust.

Damit sei der erste wichtige verbale Schritt zur Rückführung der Flutung der Märkte mit schier unendlich hoher Liquidität getan worden. Die Finanzmärkte hätten dies nach kurzem Zucken dann doch, ohne Verwerfungen, lediglich zur Kenntnis genommen.

Viele Akteure würden nun schon bald, wahrscheinlich beim diesjährigen Jackson-Hole-Symposium, die nächsten verbalen Schritte erwarten, die dann ab November diesen Jahres mit einer Rückführung der Anleihekäufe (Tapering) in die Tat umgesetzt werden könnten. Das Jackson-Hole-Symposium sei ein von der Federal Reserve Bank (FED) von Kansas City organisiertes Treffen zur geldpolitischen Ausschau von Geldpolitikern, Ökonomen, Regierungsvertretern, Finanzmarktexperten und Journalisten. Die Experten würden erwarten, dass auch dieser Schritt von den Märkten verarbeitet werden sollte, ohne die Marktakteure überbordend zu verunsichern. Anziehende Renditen bei US-Bonds wären allerdings ebenso wenig überraschend wie eine Konsolidierung der stark gestiegenen Aktienmärkte.

Um eine von den USA ausgehende ungewollte Verschärfung der Finanzierungskonditionen im Euro-Raum zu verhindern, erwarte das AL Trust Fondsmanagement, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Anleihekaufprogramm mit erhöhten Volumina fortsetze und auch die übrigen Liquiditätsschleusen weit geöffnet lasse. Im Vergleich zu den USA, wo gerade weitere Stimulierungspakete die parlamentarischen Hürden nehmen würden, sei der Fiskalimpuls in der Europäischen Union kleiner und die Konjunktur hinke hinterher.

Aufgrund des noch immer angeschlagenen Arbeitsmarktes in Europa seien die Risiken geringer, dass sich der temporäre Anstieg der Inflation in eine anhaltende Lohn-Preis-Spirale entwickle. Die Experten würden deshalb erwarten, dass sich die EZB zunächst ihrem Strategieprozess widmen werde. In diesem Kontext sollte sie neben einem symmetrischen Inflationsziel von 2%, der Einbeziehung von selbstgenutztem Wohnraum in die Inflationsberechnung, die diese um 10 bis 20 Basispunkte erhöhen sollte, auch eine stärkere Berücksichtigung von Klimaaspekten verabschieden. Das Einleiten der Abkehr vom Tapering sollte der aktuellen Gemengelage erst zum Jahresende 2021 auf der Agenda der EZB stehen. (Invest-Report Juli 2021) (06.07.2021/alc/a/a)