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Und wenn die Inflation nicht wieder von allein verschwindet?


23.11.21 12:23
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die gestiegenen Inflationsraten sind beiderseits des Atlantiks im Fokus der Aufmerksamkeit der Investoren, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Sie hätten ein Niveau erreicht, das einfach nicht mehr zum Zinsgefüge passe. Insbesondere von den Energiepreisen und denen für Nahrungsmittel würden beängstigende Nachrichten kommen. Die Zentralbanken würden alle Sorgen beschwichtigen, indem sie darauf hinweisen würden, dass der Anstieg nur vorübergehender Natur sei und sich die Raten bald wieder zurückbilden würden. Aus diesem Grunde hätten sie die Geldpolitik unverändert gelassen, wenngleich die FED die monatlichen Ankäufe von Anleihen zurückgefahren habe.

In der Eurozone sei der Index der Verbraucherpreise im Oktober auf 4,1% gestiegen, und damit auf einen langjährigen Höchststand. Im Juli 2008 sei er schon einmal so hoch gewesen, aber dann nicht mehr seit 2000. Die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen dagegen lägen bei -0,25%, es sei also illusorisch jetzt Festverzinsliche zu erwerben.

In den USA liege der Anstieg der Konsumentenpreise im Oktober sogar bei 6,2%, die Produzentenpreise mit einer Erhöhung von 8,6% würden nichts Gutes verheißen. Staatsanleihen (Treasuries) mit zehn Jahren Laufzeit würden nur 1,60% bringen. Ein Käufer müsse also mit einem hohen negativen Ertrag rechnen.

Diese Lage sei durch die Geldpolitik der Notenbanken in den letzten Jahren eingetreten. Um die Konjunkturflaute zu überwinden und der Pandemie entgegenzutreten, seien die Leitzinsen sehr stark gesenkt und mittels Aufkäufen von Anleihen direkt am Markt Liquidität in die Märkte geschleust worden.

Doch die Liquidität sei nur zu einem geringen Teil in die Realwirtschaft geflossen, habe aber die Vermögenspreise stark aufgebläht. Diese Vermögensinflation durch QE sei genauso nachteilig wie die Konsuminflation. Sparer würden für ihre Ersparnisse keine Zinsen mehr erhalten, was den Konsum reduziere.

Langfristige Anlagen würden in realer Rechnung negative Zinsen erwirtschaften, das komme einer Enteignung gleich. Der überproportionale Anstieg der Immobilienpreise erhöhe die Kreditrisiken bei einer Normalisierung der Strukturkurve. Lohnempfänger könnten bei stagnierenden Löhnen weniger Ersparnisse für die Zukunft bilden und diese nur in Investments zu überhöhten Preisen anlegen.

Die künstlich gesenkten Zinsen würden es für die Budgetpolitik viel einfacher machen, neue Schulden durch Anleihenemissionen aufzunehmen statt durch Reformen die Haushaltsdefizite zu senken. Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen seien in den Parlamenten nicht durchzusetzen. Am deutlichsten zeige sich dies in der Südperipherie der Eurozone. Manager von Kapitalsammelstellen (z.B. Lebensversicherungen, Pensionsfonds) müssten, um wenigstens eine geringe Verzinsung der Mittel zu erreichen, in immer riskantere Anlagen investieren. Investments in den Schwellenländern seien bei einer Normalisierung der Zinsstruktur hohen Risiken ausgesetzt.

Wie werde sich die Inflationsrate in der ganzen Welt weiterentwickeln? Die Zentralbanken würden die Gefahren beschwichtigen. Doch diese Erwartungen müssten zunehmend infrage gestellt werden. Frühindikatoren für den Anstieg der Konsumentenpreise seien z.B. Rohstoffpreise, Industrieerzeuger-, Großhandelspreise. Diese lägen sowohl in den USA als auch in der Eurozone so weit oberhalb des Endverbraucherniveaus, dass hiervon ausgehende Inflationsgefahren nicht zu übersehen seien. Doch auch hier gelte, dass die derzeit zu beobachtenden Lieferengpässe zu Verfälschungen führen könnten. Zwar würden die Basiseffekte vom Frühjahr 2022 an automatisch wieder zu einer Entlastung führen, aber das Grundproblem höherer Teuerungsgefahren aufgrund steigender Energiekosten bleibe bestehen. Die Konferenz in Glasgow zeige dies deutlich an.

Dort habe sich der Eindruck ergeben, dass die einzelnen Parteien in den Ländern doch auf mehr Klimaschutz achten würden, sodass im Laufe der Zeit doch einige Teilerfolge erzielt werden könnten. Dies aber werde zweifellos Geld kosten. Neue Energiequellen seien zu erschließen, Produktionsprozesse müssten umgestellt werden, Konsumenten müssten ihre bisherigen Verbrauchsgewohnheiten ändern. Energie sei gegenwärtig einfach noch zu preiswert, um schnelle Erfolge zu erzielen. Höhere Kosten aber würden höhere Inflation bedeuten. Und diese würden sich auch nicht durch Basiseffekte aus der Welt schaffen lassen.

Folgerung: Die gestiegenen Inflationsgefahren würden sich durch Beschwichtigungen nicht mehr wegdiskutieren lassen. Eigentliche Ursache sei die ultra-expansive Geldpolitik der Notenbanken. Früher oder später würden diese gezwungen sein, zu einer normalen Zinsstrukturkurve zurückzukehren, die weder expansiv noch restriktiv wirke. Diese könnte bei Geldmarktzinsen von 2-3% und Rentenrenditen von 5-6% liegen.

Disposition: Geld- und Rentenmarkt würden als Anlagen weiter ausfallen. An den auf Allzeithoch notierenden Aktienmärkten werde die Luft nach oben dünner, wenn die Geldschöpfung der Notenbanken abebbe. Aktienanlagen von alternativen Energien würden interessant bleiben. Edelmetalle würden durch steigende Inflationsraten weiter Auftrieb erhalten. (23.11.2021/alc/a/a)