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Ultralockere Zinspolitik wird zunächst fortgesetzt


02.02.21 10:15
ALTE LEIPZIGER Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die großen Notenbanken, etwa die Europäische Zentralbank (EZB), die Federal Reserve (FED) und die Bank of Japan (BoJ), werden auch weiterhin an ihrer ultralockeren Geldpolitik festhalten, so die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust.

Nach heutigem Stand würden die Experten erst im kommenden Jahr mit einem schrittweisen Auslaufen der geldpolitischen Unterstützung rechnen. Marktdiskussionen darüber könnten aber schon früher einsetzen. In diesem Fall sollten die Notenbanken diese möglichst zerstreuen, um aufkommenden Unsicherheiten an den Märkten zu begegnen.

Aus Sicht von EZB-Chefin Lagarde bestünden für die EU-Volkswirtschaften zwar mit Blick auf die Pandemie nach wie vor durchaus Abwärtsrisiken, diese seien jedoch zuletzt etwas geringer ausgeprägt. Positiv für die Konjunkturentwicklung seien unter anderem die voranschreitende Impfkampagne, die Brexit-Einigung, der EU-Wiederaufbaufonds und der Ausgang der US-Wahlen, aus dem niedrigere politische Unsicherheit hervorgingen.

Die zweite Corona-Welle habe Europa fest im Griff. Dabei treffe es den tourismus- und dienstleistungsorientierten Sektor abermals am härtesten, vor allem der Einzelhandel und Selbständige würden besonders unter dem Lockdown leiden und um ihre Existenz ringen. Die erwartete Erholung verschiebe sich in die zweite Jahreshälfte, dürfte dann dafür aber umso dynamischer ausfallen. Die Geldpolitik unterstütze nach Kräften.

Die EZB habe im Dezember 2020 ihre Maßnahmen deutlich ausgeweitet, vor allem das flexible Pandemie-Ankaufprogramm PEPP um 500 Milliarden Euro aufgestockt und bis März 2022 verlängert. Die schwächelnde Unternehmenskreditvergabe solle mit neuen Langfristtendern (TLTROs) adressiert werden. Deren günstiger Zinssatz sei an ein ausgeweitetes Kreditbuch gekoppelt. 2022 dürfte die EZB dann situativ auf die Corona-Lage reagieren.

Der Einbruch der US-Wirtschaftsleistung sei 2020 nicht so stark wie im Euro-Raum gewesen. Die USA hätten, um dies zu erreichen, ein Haushaltsdefizit von über -15% in Kauf genommen. Das scheine die neue Biden-Administration aber nicht davon abzubringen, das fiskalische Gaspedal weiter durchzudrücken. Angesichts der erwarteten Fortschritte in der Bekämpfung der Pandemie müsse man angesichts der unfassbar hohen Summen auch keine allzu großen Fiskalmultiplikatoren unterstellen, um ein hohes BIP-Wachstum für 2021 von um +5% zu prognostizieren. Eine Drosselung des Kauftempos der FED würden die Experten aufgrund der hohen Schuldenaufnahme nicht erwarten. Zinsanhebungen durch FED, EZB & Co. würden somit aus Sicht der Experten mittelfristig unwahrscheinlich bleiben.

Die US-Renditen dürften in diesem Jahr den im August 2020 begonnenen Aufwärtstrend fortsetzen. Ein Anstieg der Rendite 10-jähriger US-Treasuries auf +1,5% und darüber sei möglich. Allerdings würden die Experten damit rechnen, dass die Kernrate der Inflation (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) weiter niedrig bleibe und die US-FED unvermindert US-Staatsanleihen aufkaufe. Damit werde ein weiterer Anstieg gebremst. Außerdem dürften die global niedrigen Staatsanleiherenditen auch den US-Renditeanstieg in Schach halten. Mit der Übernahme der US-Senatsmehrheit sei am Treasury-Markt ein Renditeauftrieb einhergegangen. Dieser sei gepaart mit anziehenden Inflationserwartungen gewesen. Die FED sollte mit ihrem Quantitative Easing den Renditeanstieg aber im Zaum halten können. Der Inflationsdruck sei in den USA höher als im Euroraum.

Zudem dürfte die EZB 2021 über 100% der Neuverschuldung aufkaufen, während die FED weniger als ein Drittel der Neuemissionen erwerben dürfte. Die Experten würden auch für Bundesanleihen mit einem minimalen Renditeanstieg im mittleren und längeren Laufzeitenbereich rechnen, in der Größenordnung von 20 bis 40 Basispunkten. Der Bund-Markt werde durch die EZB-Kaufprogramme in hohem Maß vom Aufwärtstrend der Treasury-Rendite abgeschirmt. Auf Sicht von zwölf Monaten sei ein flacher Anstieg der 10-jährigen Bund-Rendite auf-0,3% wahrscheinlich. Staatsanleihen würden deshalb größtenteils eher unattraktiv bleiben. (Ausgabe Februar 2021) (02.02.2021/alc/a/a)