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Ultra-expansive Geldpolitik der Notenbanken sorgt für dauerhaft tiefe Renditen


04.05.20 11:30
Swisscanto Invest

Zürich (www.anleihencheck.de) - Der Weltwirtschaft droht wegen des Kampfs gegen die Ausbreitung des Coronavirus die schwerste Krise der Nachkriegszeit, so die Experten von Swisscanto Invest.

Regierungen und Notenbanken hätten Rettungspakete geschnürt, die ungeahnte Größenordnungen annähmen. In vielen Ländern habe sich indes die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus so stark verlangsamt, dass die Behörden erste Lockerungen der einschneidenden Maßnahmen vornehmen könnten. Allerdings würden die Regierungen dabei ein vorsichtiges Tempo anschlagen. Vor diesem Hintergrund hätten die Experten von Swisscanto Invest ihre Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft nochmals nach unten angepasst. Sie würden mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 3,8 Prozent in diesem Jahr rechnen.

Die Aktienmärkte würden sich angesichts der Schwere der ökonomischen Krise erstaunlich gut halten. Die beispiellosen Hilfspakete der Regierungen würden bei den Investoren eine beruhigende Wirkung entfalten. Gleichzeitig sorge die ultra-expansive Geldpolitik der Notenbanken für dauerhaft tiefe Renditen. Für Investoren auf der Suche nach Ertrag würden die Aktienmärkte deshalb interessant bleiben. Relativ zu den mickrigen Bondrenditen seien die Aktienmärkte nicht übertrieben hoch bewertet. In einem einfachen Dividend Discount Model könne der Barwert einer Aktie sogar steigen, auch wenn die künftigen Dividenden dauerhaft tiefer lägen, sofern der Diskontierungssatz genügend sinke.

Die US-Gewinnberichtssaison für das 1. Quartal laufe derzeit auf Hochtouren. Allerdings werde sie von den aktuellen Nachrichten zum Coronavirus überlagert, sodass sie bislang wenig markttreibende Wirkung entfaltet habe. Dennoch gebe es einige bemerkenswerte Punkte. So überrasche die Mehrheit der Unternehmen bei den Gewinnen erneut positiv. Ihr Anteil liege aber mit 67 Prozent so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. Zudem zeige sich das erwartbare Gewinnbild bei den einzelnen Sektoren: Der Gewinnrückgang falle bei den Zyklikern und Finanzdienstleistern besonders stark aus, während sich die Defensiven relativ gut behaupten würden. Bei der Abgabe eines Ausblicks seien die Unternehmen noch zurückhaltend, viele würden auch ganz darauf verzichten. Das heiße, die Gewinnvisibilität werde für die Finanzanalysten vorerst relativ gering bleiben. Die Gewinnerwartungen des Konsensus für die kommenden zwölf Monate seien bereits um rund 15 Prozent von ihrem Hoch im Januar gesunken. Auf Basis ihrer nochmals nach unten korrigierten Konjunkturprognosen sähen die Experten von Swisscanto Invest allerdings einen Rückgang von nunmehr 38 Prozent. Insofern würden die Experten noch weitere kräftige Abwärtsrevisionen in den nächsten Wochen erwarten.

Die Unternehmen der Schwellenländer würden gegenüber denen der Industriestaaten einen leichten Gewinnvorsprung aufweisen. In der Vergangenheit habe sich das in der Regel aber nur dann in relativer Stärke der Schwellenländeraktien niedergeschlagen, wenn die globalen Investoren guter Stimmung gewesen seien oder ihre Risikofreude gestiegen sei. Dies habe sich häufig auch in stärkeren Schwellenländerwährungen, insbesondere gegenüber dem US-Dollar, bemerkbar gemacht.

Für die kommenden Wochen würden die Experten von Swisscanto Invest jedoch nicht davon ausgehen, dass die Risikofreude der Investoren weiter zunehme. Die globalen Aktienmärkte hätten sich von ihren Tiefs bereits wieder deutlich entfernt, obwohl die Renditen der als sicher geltenden Staatsanleihen sowie der Öl- und Goldpreis zur Vorsicht mahnen würden. Die geld- und fiskalpolitischen Lockerungsmaßnahmen dürften die Schwellenländerwährungen belasten. Darüber hinaus könnte sich in Brasilien eine Regierungskrise anbahnen, vor allem dann, wenn sich das vom Präsidenten Bolsonaro bagatellisierte Coronavirus weiter ungebremst ausbreite. Insofern habe sich Enttäuschungspotenzial aufgebaut und die Attraktivität der Schwellenländeraktien zumindest vorübergehend abgenommen.

Sichere Staatsanleihen seien im vergangenen Monat gefragt geblieben, schließlich hätten die jüngsten Konjunkturdaten deutlich gezeigt, wie massiv die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronaviruskrise seien. Die Industrie und der Dienstleistungssektor seien durch die sozialen Distanzierungsmaßnahmen stark eingeschränkt. In diesem Umfeld sei die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen im vergangenen Monat um sieben Basispunkte auf 1,25 Prozent gesunken. Die Rendite 30-jähriger britischer Staatsanleihen habe sich um 19 Basispunkte auf 0,64 Prozent und ermäßigt die Rendite Schweizer Staatsanleihen (Eidgenossen) sei um 16 Basispunkte auf -0,24 Prozent zurückgegangen.

Bezüglich der Ausbreitung des Coronavirus könne noch keine Entwarnung gegeben werden. Ein endgültiger Weg aus der Krise dürfte erst die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes gegen das Virus bieten. Bis dahin bleibe die Unsicherheit hoch und sichere Anleihen seien weiterhin gefragt. Einen Renditeanstieg würden die Experten von Swisscanto Invest kurzfristig deshalb bis auf weiteres nicht erwarten, auch aufgrund der anhaltenden Notenbankinterventionen nicht. Mittel- bis längerfristig sähen die Experten vor allem im Zuge einer wirtschaftlichen Erholung aufgrund der riesigen staatlichen Hilfsprogramme eine reelle Möglichkeit für höhere Renditen. (04.05.2020/alc/a/a)