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US-Wahlen lösen Renditerücksetzer aus


05.11.20 15:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die US-Rentenmärkte haben für ihre Verhältnisse mit sehr starken Renditeabschlägen auf den bisherigen Verlauf der amerikanischen Präsidentschaftswahlen reagiert, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank im aktuellen "Wochenbarometer".

So seien die zehnjährigen Renditen, die am Dienstag in der Spitze 0,90% erreicht hätten, auf derzeit 0,76% abgerutscht. Üblicherweise würde man argumentieren, dass hier die Unsicherheit zuschlage und Bonds davon entsprechend profitieren würden. Dazu passe allerdings nicht, dass die US-Aktienmärkte sowohl gestern als auch heute relativ kräftige Zuwächse verzeichnen würden. Während hier auch Hoffnungen auf eine baldigen Impfstoff eine Rolle spielen würden, scheine die Rentenmärkte jedoch eher die Frage zu bewegen, wie groß unter einer künftigen Regierung der USA das von beiden politischen Lagern angekündigte Konjunkturprogramm ausfallen werde. Bislang habe es in den Umfragen so ausgesehen, dass die Demokraten nicht nur den Präsidenten stellen würden, sondern zudem auch das Abgeordnetenhaus und den Senat für sich gewinnen würden. Wer zum Präsidenten gewählt worden sei, sei bislang nicht abschließend geklärt und der Senat scheine nunmehr in der Hand der Republikaner zu bleiben. Damit dürfte sich ein möglicher Präsident Biden mit seinem Wunsch, ein Konjunkturprogramm von 2 bis 3 Billionen US-Dollar zu schnüren, gegenüber den Republikanern, die die Rolle des Staates kleiner halten möchten, nicht durchsetzen. Das Volumen dürfte eher im Bereich von 1 bis 2 Billionen US-Dollar bleiben. Entsprechend würde die Belastung für den Bondmarkt geringer ausfallen. Im Umkehrschluss heiße das, dass die Renditen weniger stark steigen würden, was die Marktteilnehmer bereits vorweggenommen hätten.

Der Rückgang bei den US-Renditen, der von den Bunds nur zu einem kleinen Teil nachvollzogen worden sei, könnte sich fortsetzen, falls es zu einer lang anhaltendengerichtlichen Auseinandersetzung über das Wahlergebnis komme und sich eine Verfassungskrise anbahnen sollte. Denn dieses Szenario dürfte auch die notorisch optimistisch gestimmten Aktieninvestoren nicht unbeeindruckt lassen. Es könnte zu Turbulenzen an den Aktienmärkten kommen und zu einer klassischen Flucht in T-Notes führen.

Daran werde die FED, die heute Abend unserer Zeit ihr Sitzungsergebnis verkünden werde, wenig ändern. De la Rubia gehe von keinen wesentlichen Impulsen durch die FED aus. Ihr Instrumentarium sei bekannt und sie dürfte deutlich machen, dass sie ihre Anleiheankäufe in Abhängigkeit von der Lage an den Finanzmärkten weiterhin flexibel einsetzen werde. Möglicherweise werde über Fortschritte im Strategie-Überprüfungsprozess berichtet.

Die nächsten Tage würden vermutlich von der Hängepartie der US-Wahl geprägt sein. Am Montag könnte das US-Verfassungsgericht über die Rechtmäßigkeit von Schlüsselelementen der Gesundheitsreform entscheiden, die von der Obama-Administration durchgesetzt worden sei. Datenseitig sei zu achten auf die US-Arbeitsmarktdaten für Oktober (morgen, 06.11.), die Industrieproduktion in der Eurozone für September (Italien/Frankreich: 10.11./Eurozone: 12.11.) sowie die Inflationsrate in den USA des vergangenen Monats (12.11.). Auch auf den ZEW-Index für Deutschland werde man schauen (10.11.). (05.11.2020/alc/a/a)