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US-Treasury-Markt: Die US-Wahl als das bestimmende Ereignis


09.11.20 11:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Präsidentschaftswahl ist noch nicht entschieden, die Vorzeichen für einen Sieg des Herausforderers Biden stehen jedoch gut, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Das Rennen um das Weiße Haus erweise sich jedoch als deutlich knapper als die Wahlumfragen im Vorfeld hätten vermuten lassen. Dies betreffe auch die Entscheidung um die Mehrheit im Senat, wo es den demokratischen Herausforderern bislang nicht gelungen sei, die entscheidenden Bundesstaaten zu gewinnen. Eine Stichwahl in Georgia könnte sich hierbei als entscheidend herausstellen. Die Situation bleibe demnach ungewiss und es scheint, als ob uns diese Unsicherheit, insbesondere im Senat, noch einige Zeit begleiten wird, so die Analysten der RBI. Ankündigungen Trumps, die Präsidentschaftswahl anzufechten (Neuzählungen in manchen Bundesstaaten), sollten sich jedoch als wenig ergiebig erweisen, um den bevorstehenden Sieg Bidens verhindern zu können. Realpolitisch sei die Entscheidung im Senat nicht minderbedeutend. Sollten die Republikaner die Mehrheit im Senat halten, was derzeit als das wahrscheinlichste Szenario gelte, bleibe der Kongress geteilt und die aktuelle Pattsituation um neue Fiskalmaßnahmen könnte länger andauern als zuletzt noch erwartet worden sei.

Dies treffe die US-Konjunktur in einer schwierigen Phase. Die Dynamik der Erholung habe sich erwartungsgemäß abgeschwächt, könnte aber durch die rasch steigenden Infektionszahlen sowie den schwindenden Fiskalstimulus noch weiter an Fahrt verlieren. Nichtdestotrotz seien im Unterschied zu Europa bislang keine weitreichenden Lockdown-Maßnahmen geplant. In Anbetracht dessen würden die Analysten der RBI eine geringere, wenn auch positive, Konjunkturdynamik in den nächsten beiden Quartalen unterstellen (Q4/20, Q1/21), bevor diese im Laufe des Jahres 2021 wieder an Schwung gewinnen sollte. Kombiniert mit dem stärker als erwarteten Rebound im dritten Quartal, spiegele sich dies in einer Aufwärtsrevision unserer BIP-Prognosen für das Jahr 2020 (-3,6% anstatt -5,3%) wider sowie einer Abwärtsrevision für das Jahr 2021 (+3,3% anstatt +4,0%).

Auch am Treasury-Markt sei die US-Wahl das bestimmende Ereignis gewesen und habe die Zinssitzung der Federal Reserve deutlich in den Schatten gestellt. Der über die letzten Wochen aufgebaute Renditeanstieg längerer Laufzeiten sei am Tag nach der Wahl deutlich gebremst und zu einem großen Teil umgekehrt worden. Die 10-jährige Treasury-Rendite sei um 15 Basispunkte gesunken. Wie der Anstieg zuvor sei der Rückgang maßgeblich durch die Laufzeitenprämie getrieben gewesen und weniger durch Änderungen der Konjunkturerwartungen. Die verminderte Aussicht auf ein rasches Fiskalpaket (republikanische Mehrheit im Senat) dämpfe die Laufzeitenprämie über eine geringere Angebotsausweitung am Treasury-Markt sowie einer geringeren Inflationsrisikoprämie.

Die Zinssitzung der Federal Reserve sei von keiner nennenswerten Marktbewegung begleitet gewesen, habe es doch auch keine nennenswerten Änderungen gegeben. Die Bandbreite der Federal Funds Rate sei unverändert zwischen 0% und 0,25% belassen worden und auch Anleihekäufe würden im aktuellen Ausmaß von monatlich USD 120 Mrd. bis auf weiteres fortgesetzt. Das Anleihekaufprogramm sei innerhalb des Offenmarktausschusses diskutiert worden, werde aber von Präsident Powell als gegenwärtig adäquat erachtet. Sollte zusätzlicher geldpolitischer Stimulus in Zukunft nötig werden, erachten wir eine Ausweitung des QE-Programms als erste Wahl, so die Analysten der RBI. (Ausgabe vom 06.11.2020) (09.11.2020/alc/a/a)