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US-Treasuries untergewichtet - Deutsche Staatsanleihen neutral


15.07.21 10:00
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Der Finanzmarkt-Ausblick für das zweite Halbjahr 2021 hängt maßgeblich davon ab, wie die US-Notenbank und die Märkte mit der hohen Inflation in den USA umgehen, so die Experten von NN Investment Partners (NN IP).

NN IP erwarte, dass die deutliche Erholung in den Industrieländern anhalten werde. Es werde jedoch einige Monate dauern, bis erste Anzeichen einer vorübergehenden Inflation oder eines möglichen "Tapering" durch die US-Notenbank zu erkennen seien. In diesem "Tempomat"-Umfeld würden Aktien attraktiver als Staatsanleihen bleiben.

Insgesamt bleibe NN IP in seinem Ausblick für das zweite Halbjahr 2021 neutral gegenüber Risikoanlagen. Die Experten von NN IP würden davon ausgehen, dass die Inflation in den USA gegen Jahresende ihren Höchststand erreichen werde und der Inflationsdruck vorübergehend sein dürfte: Viele Unterbrechungen in den Lieferketten sollten in den kommenden Monaten abnehmen, die OPEC werde sich wahrscheinlich auf eine Angebotssteigerung einigen, der Nachholbedarf sei ein endlicher Auftrieb und das Auslaufen des US-Hilfspakets werde Arbeitnehmer zurück auf den Arbeitsmarkt bringen.

Marco Willner, Head of Investment Strategy bei NN IP, sage: "Bei einer vorübergehenden Inflation erwarten wir, dass die FED vorerst weiter über ein "Tapering" spricht und die Zinserhöhungen auf 2023 verschiebt. In diesem Umfeld besteht ein moderates Aufwärtspotenzial für die Zinsen in den USA und, in geringerem Maße, in Europa. Wir können jedoch nicht ausschließen, dass die Märkte nervös werden, sollte der hohe Inflationsdruck in den kommenden Monaten anhalten."

"In diesem Umfeld dürften Aktien noch etwas Luft nach oben haben, und die Zinsen sollten dann langsam steigen. Obwohl diese Entwicklung schrittweise erfolgen dürfte, könnten die Märkte aufgrund der starken makroökonomischen Dynamik und der mit einer geldpolitischen Straffung stets verbundenen Nervosität volatil sein."

NN IP gehe davon aus, dass die Unternehmensergebnisse in den USA für das 2. Quartal die größte Wachstumsveränderung im Vergleich zum Vorjahr aufweisen würden. Danach würden sich die Zahlen schnell stabilisieren, von mehr als 60% in Q2 auf 23% in Q3 und 17% in Q4 für US-Ergebnisse. Diese Verlangsamung hänge nicht nur mit Basiseffekten zusammen, sondern auch mit dem zunehmenden Kostendruck durch steigende Rohstoffpreise, höhere Transportkosten, Unterbrechungen der Lieferkette, suboptimale Kapazitätsauslastung, höhere Löhne und potenziell höhere Steuern.

Patrick Moonen, Principal Strategist bei NN IP, dazu: "Der Konjunkturzyklus bewegt sich ungewöhnlich schnell und wird demnächst von der Erholungsphase in die Zyklusmitte übergehen. Dies ist nicht zwingend negativ für risikoreiche Assets, rechtfertigt aber einen ausgewogeneren Ansatz, der von einem reinen zyklischen Growth-Exposure zu einem stabilen und/oder säkularen Wachstum übergeht."

"Infolgedessen haben wir das zyklische Top-Down-Risiko in unserem Musterportfolio im zweiten Quartal verringert. Wir reduzierten Aktien von einer moderaten Übergewichtung auf neutral. Bei den Rohstoffen haben wir unser Exposure in Öl zurückgefahren. Am Rentenmarkt halten wir eine moderate Untergewichtung in US-Treasuries bei. Auf längere Sicht sind die Treasury-Renditen angesichts der positiven Makrodaten und der zu erwartenden nächsten Schritte der Fed in einem Aufwärtstrend."

Die aktuellen Asset-Allokationen in den Multi-Asset-Portfolios von NN IP würden umfassen:

US-Treasuries würden moderat untergewichtet bleiben und das Exposure gegenüber deutschen Staatsanleihen sei neutral. Ziel sei es, die unterschiedliche Makro- und Angebotsdynamik zwischen den beiden Regionen zu erfassen, allerdings mit einem niedrigeren Überzeugungsgrad als zuvor. Hochzinsanleihen der Eurozone und der USA seien stark übergewichtet - Hochzinsanleihen würden ein asymmetrisches Renditeprofil bieten, das eine Outperformance erziele, wenn die Renditen von Staatsanleihen fallen würden, und sich stabilisiere, wenn sie steigen würden. Die stabile Unternehmensentwicklung sei eine weitere Stütze für die Assetklasse. Die Inflation sei derzeit das wichtigste Makro-Thema. Die Experten von NN IP würden inflationsgeschützte Anleihen aus der Eurozone gegenüber inflationsgeschützten US-Anleihen bevorzugen.

Aktien hätten eine außergewöhnlich starke Entwicklung hinter sich. Das Chance-Risiko-Verhältnis verschlechtere sich allmählich. Die Delta-Variante, Höchststände bei den Gewinn- und Makroindikatoren, steigende Inflationszahlen und eine "hawkishe" Haltung der FED hätten das Marktumfeld verunsichert. Allerdings bewege sich die Risikoprämie nahe den Tiefstständen der weltweiten Finanzkrise, der Optimismus sei ausgeprägt und die Positionierung in Futures habe stark zugenommen. Die Allokation sei darauf ausgerichtet, von den steigenden Anleiherenditen sowie den steigenden Rohstoffpreisen zu profitieren. Das Exposure in den Sektoren Gesundheitswesen und Kommunikationsdienstleistungen sei erhöht worden, gleichzeitig seien Übergewichtungen in Finanzwerten und Grundstoffen beibehalten worden. Nach Regionen hätten die Experten von NN IP Aktien der Eurozone über- und Schwellenländer untergewichtet.

Immobilien hätten sich in diesem Jahr besser entwickelt als Aktien. Steigende Renditen aufgrund der US-Fiskalimpulse und der wirtschaftlichen Normalisierung seien jedoch ein mittelfristiger Belastungsfaktor. Zudem befänden sich Immobilien in einem strukturellen Wandel, der durch die Corona-Krise noch verstärkt werde. Der Trend zum E-Commerce reduziere die Nachfrage nach Einzelhandelsimmobilien, während die Immobilienlogistik gestärkt werde. Die zunehmende Arbeit im Homeoffice werde sich weiterhin auf die Büronachfrage auswirken. Diese Themen würden die Assetklasse 2021 und darüber hinaus weiter belasten.

Die Volatilität sei hoch, da Lieferengpässe als Hemmschuh für die Erholung der Weltwirtschaft wirken würden. Die physische Verknappung des Rohstoffmarktes werde sich in den nächsten Monaten fortsetzen, da der Nachholbedarf in den Industrieländern weiter ansteige. Aluminium sei übergewichtet. Das Ölangebot werde im 3. Quartal wahrscheinlich knapp bleiben, da die Weltwirtschaft wieder anziehe. Die wieder zunehmende US-Produktion und das Atomabkommen zwischen den USA und dem Iran würden den Preisen gegen Jahresende und bis 2022 zu schaffen machen. US WTI-Rohöl sei moderat übergewichtet. (15.07.2021/alc/a/a)