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US-Treasuries: Handelspolitik bleibt wesentlicher Einflussfaktor


09.04.18 08:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den kommenden Tagen stehen unter den Daten sicherlich die US-Inflationszahlen im Vordergrund, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Im März entfalle ein prägender Einmaleffekt aus der Berechnung der Preisveränderung. Im Vorjahr habe Verizon seine Tarifstruktur geändert, was im Zuge der hedonischen Preisbereinigung (berücksichtige die veränderte Qualität eines Gutes) zu einem merklichen Rückgang der Preise für Telekommunikationsdienstleistungen geführt habe. Dieser "kalkulatorische" Preisnachlass habe in den vergangenen zwölf Monaten die Jahresteuerungsrate um ca. 0,2 Prozentpunkte reduziert.

Der erwartete Anstieg der Inflationsrate werde sich aber vor allem auf die Kernrate (Verbraucherpreise ex Energie) konzentrieren. Die Kraftstoffpreise hätten nämlich im März einen für diese Jahreszeit unüblich schwachen Anstieg verbucht, was nach der Saisonbereinigung merklich preisdämpfend wirken werde. Bei der Gesamtrate komme somit ein ausgleichender statistischer Effekt zum Tragen, der einen deutlichen Anstieg verhindern dürfte.

Neben den Wirtschaftsdaten würden die Marktteilnehmer wohl dem Protokoll der FOMC Sitzung vom 21. März ihre Aufmerksamkeit schenken. Auf diesem Meeting sei die Zielbandbreite für die FED-Funds erhöht und die längerfristigen Leitzinsaussichten ein wenig nach oben genommen worden. In Bezug auf den Zinspfad im laufenden Jahr habe die Kommunikation des neuen Präsidenten Powell ausgewogen gewirkt. Interessant werde, ob sich im Sitzungsprotokoll Signale finden würden, dass bei unverändert starker Konjunkturlage und steigendem Lohn- bzw. Preisdruck die Leitzinsen in Summe doch viermal um je 25 Basispunkte angehoben werden könnten. Die aktuellen Konsensus Projektionen des FOMC würden ja lediglich auf einen Leitzinsanstieg um in Summe 75 BP hinweisen.

Zuletzt bleibe die Politik bzw. konkret die Handelspolitik ein wesentlicher Einflussfaktor für US-Treasuries. Nachdem zu Mitte der abgelaufenen Woche eher kompromissbereite Töne zu vernehmen gewesen seien, habe Präsident Trump am Donnerstag den Handelskonflikt mit China erneut eskaliert. Binnen der nächsten 60 Tage sollten zusätzlich zu den Zöllen auf chinesische Importe im Gegenwert von USD 50 Mrd. weitere Strafzölle für Importgüter aus China in Höhe von USD 100 Mrd. geprüft werden. Da zu vermuten sei, dass die Antwort aus China nicht lange ausbleiben werde, bleibe die Großwetterlage zunächst angespannt.

In diesem Umfeld würden Treasuries als sicherer Hafen gesucht bleiben und ein unmittelbarerer Renditeanstieg sei wenig wahrscheinlich. Allerdings würden die Analysten die polternde Art des US-Präsidenten als Teil seiner Verhandlungsstrategie werten und so würden sie unverändert mit einer Lösung am Verhandlungstisch rechnen. Ohne echten Handelskrieg sollten sich alsbald die fundamentalen Aussichten (robuste Konjunktur, steigende Inflation und Leitzinsen, steigendes Angebot an Treasuries) bei der Bepreisung am Staatsanleihemarkt durchsetzen und zu einem Anstieg der Renditen führen. (Ausgabe vom 06.04.2018) (09.04.2018/alc/a/a)