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US-Steuerreform: Es klemmt an allen Ecken und Enden


13.11.17 08:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den nächsten Tagen stehen zahlreiche US-Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Besonderes Augenmerk dürften die Marktteilnehmer auf die am Mittwoch anstehenden Verbraucherpreiszahlen für Oktober richten. Zuletzt sei die Inflationsrate wegen des starken Anstiegs der Kraftstoffpreise infolge der Wirbelstürme Harvey und Irma merklich geklettert. Im Oktober habe sich ein Teil dieses Effekts wieder umgekehrt. So dürften die saisonbereinigten Verbraucherpreise im letzten Monat nur noch um 0,1% p.m. gestiegen sein, die Vorjahresrate sei wohl von 2,2% auf 2,0% gesunken. Für die Kerninflationsrate rechnen die Analysten der RBI ebenfalls mit einem Anstieg um 0,1% p.m. Die Vorjahresrate dürfte bei 1,7% verharrt haben.

Ebenfalls am Mittwoch würden die Einzelhandelsumsatzzahlen für Oktober bekannt gegeben. Nach dem äußerst starken Plus im September von 1,6% p.m. rechnen die Analysten der RBI nun mit einer kleinen Gegenbewegung. Gestützt werde ihre Erwartung eines leicht rückläufigen Umsatzes im Einzelhandel durch die Kraftstoffpreise sowie die Automobilabsätze: Die Kraftstoffpreise seien im Oktober stärker gesunken als saisonal üblich, die Automobilverkäufe seien nach dem Ausnahmeanstieg im September (+15,3% p.m.) im letzten Monat um 2,5% p.m. gesunken. Mit den Zahlen zur Industrieproduktion für Oktober stehe am Donnerstag ein weiterer "harter" Konjunkturindikator an. Die vorliegenden Zahlen zu Beschäftigung und Wochenarbeitsstunden im Verarbeitenden Gewerbe würden auf eine deutliche Produktionsausweitung hindeuten.

Mit dem Empire State Manufacturing-Index (Mi.) und dem Philadelphia FED-Index (Do.) würden die beiden ersten relevanten regionalen Stimmungsumfragen für das Verarbeitende Gewerbe im November veröffentlicht. Die Analysten der RBI sind für beide Indikatoren weniger pessimistisch gestimmt als der Konsens.

Wie zu erwarten hake und klemme es in Sachen Steuerreform an allen Ecken und Enden. Die Republikaner im Repräsentantenhaus hätten inzwischen so viele Änderungen am ursprünglichen Entwurf vorgenommen, um Spezialinteressen abzudecken, dass die zu erwartenden Steuerausfälle das zulässige Limit von USD 1,5 Billionen über die nächsten zehn Jahre übersteigen würden. Gleichzeitig lägen inzwischen so viele Analysen vor, die alle zu dem Ergebnis kämen, dass die Steuerbelastung für einen Teil der Bezieher mittlerer Einkommen wegen der Reform steigen würde, dass sich das Weiße Haus genötigt gesehen habe, mitzuteilen, ein solches Gesetz werde man nicht unterzeichnen. Der Entwurf aus dem Repräsentantenhaus dürfte damit keine Aussicht mehr auf Umsetzung haben.

Alle Hoffnung liege nun auf dem am 10. November vorgestellten Gesetzentwurf der republikanischen Senatoren. Dieser solle sich stark vom Pendant der Kollegen aus dem Repräsentantenhaus unterscheiden. Unter anderem sehe er die Senkung der Unternehmenssteuersätze erst ab 2019 vor, um das zulässige Schuldenlimit einhalten zu können. Zudem solle sichergestellt werden, dass durch die Einkommenssteuerreform tatsächlich in erster Linie die Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen profitieren würden und nicht vor allem Steuerpflichtige am obersten Ende des Einkommensspektrums.

Der Entwurf enthalte aber auch Vorschläge, die bei zahlreichen republikanischen Abgeordneten des Repräsentantenhauses auf erbitterten Widerstand stoßen dürften. So zum Beispiel die ausnahmslose Streichung der Anrechenbarkeit lokaler und bundesstaatlicher Steuern auf die Bundessteuer.

Vor diesem Hintergrund rechnen die Analysten der RBI mit langwierigen Verhandlungen, bis letztlich ein Gesetzentwurf steht, der in beiden Kammern des Kongresses eine Mehrheit finden kann. In diesem Jahr würden die Analysten daher nicht mehr mit der Verabschiedung der Steuerreform rechnen, zumal in den nächsten vier bis sechs Wochen auch noch ein Haushalt für 2018 sowie die Anhebung der Schuldenobergrenze beschlossen werden müssten. (Ausgabe vom 10.11.2017) (13.11.2017/alc/a/a)