Erweiterte Funktionen

US-Staatsanleihen waren im Oktober kein sicherer Hafen


10.11.20 08:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Entwicklung von US-Staatsanleihen war im Oktober maßgeblich von den Hoffnungen auf ein mögliches Konjunkturpaket und der bevorstehenden US-Wahl geprägt, so die Experten von Union Investment.

In der ersten Monatshälfte hätten Republikaner und Demokraten vergeblich nach einer Annäherung im Streit um ein weiteres Konjunkturpaket gesucht. Sowohl inhaltlich als auch bezüglich des Umfangs sei man meilenweit voneinander entfernt gewesen. Zur Monatsmitte schien ein Kompromiss zwischen den Demokraten und dem Weißen Haus greifbar nah, so die Experten von Union Investment. Ein solches Paket hätte aber keine Mehrheit im republikanisch geprägten Senat gehabt. Zumal man dazu die Senatoren nach Washington hätte zurückbeordern müssen. Diese seien jedoch längst für Wahlkampfveranstaltungen in ihren Wahlbezirken unterwegs gewesen.

In der zweiten Monatshälfte habe dann vor allem das Wahlgeschehen das Marktumfeld geprägt. Die Demoskopen hätten Joe Biden als Sieger gewähnt, der in den Umfragen einen großen und stabilen Vorsprung auf Amtsinhaber Donald Trump aufgewiesen habe. In den Fernsehduellen habe sich keiner von beiden groß absetzen können, Biden habe jedoch keine nennenswerte Schwäche gezeigt. Mit einem Wahlsieg von Joe Biden dürfte ein umfangreiches Konjunkturpaket einhergehen. Dies sollte der Wirtschaft einen weiteren Schub verleihen, erhöhe jedoch auch die Staatsverschuldung. In Kombination mit einer US-Notenbank FED, die sich für eine größere Toleranz gegenüber höheren Inflationsraten ausgesprochen habe, hätten die Renditen leicht angezogen. Zehnjährige US-Schatzanweisungen hätten Ende Oktober knapp unterhalb von 0,9 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit Anfang Juni rentiert.

Höhere Infektionszahlen mit dem Corona-Virus hätten am Aktienmarkt für Verunsicherung gesorgt. US-Staatsanleihen hätten diesmal jedoch nicht wie sonst üblich als sicherer Hafen gedient und keinen Schutz vor Kursverlusten geboten. Solch eine positive Korrelation sei eher unüblich. Vonseiten der US-Notenbank habe es wenig Neues gegeben, da im Oktober kein reguläres Treffen angestanden habe. Gemessen am J.P. Morgan Global Bond US-Index hätten US-Staatsanleihen im Oktober 1,0 Prozent an Wert verloren. (Ausgabe vom 09.11.2020) (10.11.2020/alc/a/a)