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US-Rentenmarkt: FED-Chef löst den größten Marktimpuls aus


09.09.20 09:30
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die erste Augusthälfte war nahezu ereignislos, viele Marktteilnehmer befanden sich noch im Sommerurlaub und es mangelte zudem an marktbewegenden Neuigkeiten, die Renditen von US-Staatsanleihen bewegten sich daher mit dünnen Umsätzen seitwärts, so die Experten von Union Investment.

In der zweiten Monatshälfte habe sich der Handel dann spürbar belebt. Einige Konjunkturdaten seien besser als erwartet ausgefallen. Zudem habe es ermutigende Nachrichten zum Corona-Virus gegeben. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen in den USA habe abgenommen und zugleich sei der Krankheitsverlauf weniger schwerwiegend. Meldungen über einen neuen Antigentest hätten zudem Hoffnung auf eine neue Normalisierung gemachte, die mehr Freiheiten erlaube, bis ein Impfstoff gefunden sei.

Den größten Marktimpuls habe jedoch Jerome Powell, der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (FED), ausgelöst. Auf dem jährlichen Notenbanksymposium in Jackson Hole habe er ein neues Inflationsziel der FED angekündigt. Demnach würden die Währungshüter künftig eine Inflation von durchschnittlich zwei Prozent anstreben. Damit versähen sie ihr Ziel zur Preisstabilität mit einem Gedächtnis. Längere Phasen niedriger Teuerung würden damit perspektivisch die Inkaufnahme von Phasen mit entsprechend höherer Teuerung erlauben. Zudem werde das Beschäftigungsziel angepasst. Demnach orientiere sich die US-Geldpolitik künftig an einer etwaigen Zielunterschreitung und nicht an einer Abweichung der Beschäftigung von der Vollbeschäftigung. Dahinter stehe die Einschätzung, dass ein robuster Arbeitsmarkt nicht automatisch zu Inflation führe. Die US-Notenbank beschreite also den Weg der geldpolitischen Evolution - eine Revolution sei die Anpassung jedoch nicht. Während die Unsicherheit über den künftigen Inflationsverlauf dadurch steige, sei die geldpolitische Ausrichtung mit der Ankündigung noch stärker vorgezeichnet: Die US-Notenbank spreche sich auf lange Zeit für eine ultralockere Geldpolitik aus.

Zum Monatsende hin hätten die Renditen am langen Ende daher leicht angezogen. Auf Indexebene (J.P. Morgan Global Bond US-Index) habe das im August letztlich ein Minus von 1,2 Prozent für US-Staatsanleihen bedeutet. (Ausgabe vom 08.09.2020) (09.09.2020/alc/a/a)