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US-Notenbank stellt die Zeichen auf Stimulus-Tapering


09.07.21 11:31
Eurizon Asset Management

Luxembourg (www.anleihencheck.de) - Die wichtigste Nachricht des vergangenen Monats war die veränderte Haltung der US-Notenbank, die nun eine Zinserhöhung im Jahr 2023 und nicht erst 2024 erwartet, so die Experten von Eurizon Asset Management.

Die Planänderung sei in den FED Funds Futures bereits eingepreist gewesen und habe daher für wenig Volatilität gesorgt.

Mit dem Näherrücken des Stimulus-Tapering (Verlangsamung des QE-Programms, vermutlich Anfang 2022, und Anhebung der Zinsen im Jahr 2023) werde es darauf ankommen, dass die Absichten der FED weiterhin mit den Markterwartungen übereinstimmen würden, so wie es im Moment der Fall sei. Eine Diskrepanz zwischen dem, was der Markt für wahrscheinlich und damit für wirtschaftlich vertretbar halte, und dem, was die Zentralbank gerne tun würde, könnte in der Tat zu einem unerwünschten Anstieg der Volatilität führen.

Für die Eurozone werde eine wirtschaftliche Beschleunigung bestätigt, und der Inflationsanstieg falle geringer aus als in den USA. Dies erlaube es der EZB, vorerst ihre äußerst akkommodierende Haltung beizubehalten.

In China werde eine langsame Reduzierung der Stimuli bestätigt, insbesondere der Kreditstimuli, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu verhindern. Die Maßnahme erfolge indes nur schrittweise und scheine keine Ängste zu erzeugen.

Wie sei es möglich, dass der starke Anstieg der Inflation in den USA im April und Mai nicht zu einem Anstieg der langfristigen Zinssätze geführt habe, sondern dass sie im Gegenteil danach gesunken seien?

Die Inflation sei de facto eine Steuer für die Verbraucher. Sie sei dann und nur dann nachhaltig, wenn das Verbrauchereinkommen im gleichen Maße steige wie die Preise oder diese Zunahme gar übersteige. Andernfalls sei sie nichts weiter als eine Steuer, die auf die Kaufkraft drücke. Genau das erleben wir gerade in den USA, so die Experten von Eurizon Asset Management.

Der sprunghafte Anstieg der Verbraucherpreise im April und Mai sei nicht mit einem entsprechenden Anstieg der Löhne einhergegangen. Deren reale Veränderung falle deutlich negativ aus. In diesem Sinne wirke die Inflation deflationär, weil sie durch die Verringerung der Kaufkraft die Voraussetzungen für einen Rückgang des Konsums und damit eine Verlangsamung der Wirtschaft schaffe.

Die FED habe nicht ohne Grund die Aufmerksamkeit auf die besonderen Umstände gerichtet, die die Preise in die Höhe getrieben hätten. Sie habe auf den Zusammenhang mit der Wiedereröffnung der Märkte nach der Impfkampagne aufmerksam gemacht und darauf verwiesen, dass einer solchen Art von Inflation nicht mit höheren Zinsen begegnet werden sollte, deren deflationäre Wirkung dadurch verstärkt würde.

Die FED habe aber auch auf den vorübergehenden Charakter des Inflationsschubs hingewiesen, dessen Auswirkungen auf die Einkommen der Verbraucher ausgeglichen würden, wenn die mit den Wiedereröffnungen verbundenen Engpässe aufgelöst würden und die Erholung der während der Rezession verlorenen Arbeitsplätze voranschreite.

In den USA seien im Vergleich zu der Zeit vor Corona noch immer etwa acht Millionen Arbeitnehmer ohne Job. Angesichts des Tempos der vergangenen Monate würden die Arbeitslosen erst im Herbst 2022 wieder in den Markt integriert werden können.

Das liege in so weiter Ferne, dass eine immer noch extrem akkommodierende Haltung gerechtfertigt erscheine. Jedoch sei es verständlich, dass die FED den Weg zur Reduzierung der Stimulierung frühzeitig planen möchte, um ein späteres Kommunikationsdesaster zu vermeiden. Aus diesem Grund habe die FED auf der FOMC-Sitzung am 16. Juni den Zeitpunkt für die erste Zinserhöhung von 2024 auf 2023 vorverlegt.

Doch bevor sie die Zinsen anheben würden, hätten die Zentralbanken andere Möglichkeiten zur Prüfung der Widerstandsfähigkeit der Volkswirtschaften. Dazu gehöre die Reduzierung der Anleihenkäufe.

Die FED werde ihre Absichten im Herbst bekannt geben und höchstwahrscheinlich die Eingriffe in der ersten Hälfte des Jahres 2022 reduzieren und in der zweiten Hälfte beenden. Gelinge das Experiment, sei die logische Folge eine Zinserhöhung in der ersten Hälfte des Jahres 2023.

Bei der EZB dürfte der Zeitplan um drei bis sechs Monate länger ausfallen. Das Anleihekaufprogramm laufe bis März 2022. Dann könnte es, vielleicht mit reduziertem Tempo, für mindestens weitere sechs Monate so weitergehen. Und dann wären wir auch schon im Herbst 2022, so die Experten von Eurizon Asset Management. Es sei unwahrscheinlich, dass die EZB bei der Zinserhöhung der FED zuvorkommen werde. Verlaufe alles wie prognostiziert, könnte es gegen Mitte des Jahres 2023 so weit sein. Eine Voraussetzung sei indes, dass bis dahin die Pandemiebekämpfung und die Erholung der Wirtschaft gut verlaufen seien.

Das Referenzszenario sehe eine Fortsetzung der weltweiten zyklischen Erholung vor, verbunden mit einer zunehmenden Aufmerksamkeit für die zukünftige Reduzierung der monetären Stimuli durch die Zentralbanken. Der Ansatz eines geringen direktionalen Exposures werde bestätigt, wobei neutrale Positionen bei den wichtigsten Risikoaktiva, eine Durationsuntergewichtung für die USA und Deutschland und eine relative Übergewichtung der Aktienmärkte der Eurozone bestünden. (09.07.2021/alc/a/a)