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US-Notenbank reduziert Anleiheankäufe


08.11.21 10:30
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wie bereits im Vorfeld erwartet hat die US-Notenbank Federal Reserve (FED) am Mittwoch die Reduzierung ihres Anleihekaufprogramms beschlossen, so die Experten von Union Investment.

Der Startschuss zur Tapering genannten Rückführung werde noch im November fallen. Die Bank of England habe hingegen durch Stillhalten überrascht. Entgegen der Erwartungen sei der Leitzins nicht erhöht worden. An den Aktienmärkten hätten die Ampeln in der Berichtswoche auf Grün gestanden. Dort hätten ein großer Optimismus und der Zufluss von Anlagegeldern das Geschehen bestimmt. Zahleiche Indices, unter anderem der DAX 40, hätten wieder Rekordstände erzielt. Die Entspannung habe sich auch am Rentenmarkt gezeigt. Nach den jüngsten Verlusten und dem damit einhergehenden Renditeanstieg sei es zuletzt bei US-Staatsanleihen und deutschen Bundespapieren wieder zu Zugewinnen gekommen. Die großen südlichen Peripherieländer wie Spanien und vor allem Italien hätten zudem einen merklichen Rückgang bei den Risikoaufschlägen gegenüber Bundesanleihen verzeichnet.

Noch in diesem Monat werde die US-Notenbank mit der Reduzierung ihrer Anleiheankäufe beginnen. Pro Monat werde die Ankaufssumme von derzeit 120 Milliarden US-Dollar für US-Staats- sowie Hypothekenanleihen um jeweils 15 Milliarden US-Dollar gekürzt. Gleichzeitig habe die FED aber die Bereitschaft erkennen lassen, die Reduzierung jederzeit der Entwicklung des Marktumfelds anzupassen. Im Prinzip habe sich die FED mit einer gewissen Unverbindlichkeit Handlungsspielraum geschaffen und könne über einen Anpassungspfad je nach Datenlage frei agieren.

Die Vorgehensweise der FED dürfte damit künftig stärker von den aktuellen Daten geprägt sein. Zinsseitig sei die FED unverändert geblieben. Mit dem voraussichtlichen Ende des Tapering - einen kontinuierlichen Reduzierungspfad vorausgesetzt - im Juni 2022 hätte die FED dann die Möglichkeit, in der zweiten Jahreshälfte 2022 die Zinsen erstmals anzuheben. Letztlich habe sich die FED mit dem Plan, die Anleihekäufe bis Mitte kommenden Jahres zurückzuführen, nun auch acht Monate Zeit verschafft, um den zugrunde liegenden Makrodaten bezüglich der Inflationsentwicklung die Möglichkeit zu geben, sich auch wirklich als vorübergehend zu erweisen. Allerdings scheine die Überzeugung der Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) hinsichtlich des vorübergehenden Charakters der Preissteigerung mittlerweile etwas an Stärke zu verlieren. Die Experten von Union Investment gehen derzeit davon aus, dass die FED bis ins dritte Quartal 2022 hinein abwartet, wie sich die der Zinsentscheidung zugrunde liegenden Wirtschaftsdaten entwickeln werden.

Die Bank von England (BoE) habe am Donnerstag mit Passivität überrascht. Der Markt habe fest mit einer Leitzinserhöhung gerechnet. Die Hürde für Zinserhöhungen scheine jedoch recht hoch zu liegen, wie die jüngsten Zentralbankentscheidungen der FED, EZB und nun auch der Bank von England nahelegen würden. Die BoE stehe jedoch bereit, in Abhängigkeit von der Arbeitsmarktentwicklung die Zinsen in den kommenden Monaten zu erhöhen. Insgesamt sei die globale Zinswende aber unübersehbar. In den vergangenen Wochen hätten zahlreiche Zentralbanken, neben Australien, Kanada und Neuseeland vor allem Institute aus Osteuropa und Lateinamerika, eine restriktivere Geldpolitik eingeleitet und vor dem Hintergrund der Preissteigerungen die Leitzinsen erhöht. So habe beispielsweise gestern die Tschechische Zentralbank mit einer deutlichen Leitzinserhöhung um 1,25 auf 2,75 Prozent den Markt überrascht.

Nach den in der Vorwoche veröffentlichten Inflationsdaten, im Euroraum habe der Preisanstieg im Oktober bei satten 4,1 Prozent betragen, hätten sich die Makrodaten zuletzt wieder in ruhigeren Gewässern bewegt.

In China hätten sich die Caixin−Einkaufsmanagerindices im Oktober leicht verbessert gezeigt. Bei den US-Daten würden die ISM-Indices für das Verarbeitende Gewerbe sowie für die Dienstleistungen im Oktober uneinheitlich tendieren. Erstere seien leicht gefallen, letztere seien deutlich angestiegen. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe hätten mit 269.000 leicht unter der durchschnittlichen Schätzung (Bloomberg) gelegen. Der US-Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter sei im September nochmals leicht rückläufig gewesen. Die Zahl der im Oktober neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (non farm payrolls) habe mit 531.000 um einiges höher gelegen als die zuletzt erwarteten 450.000. Die Arbeitslosenquote in den Staaten sei von 4,8 auf 4,6 Prozent gefallen.

Die deutsche Industrieproduktion sei im September gegenüber dem Vormonat um 1,1 Prozent gefallen. Damit habe sie knapp zehn Prozent unter dem Vorkrisenniveau von Februar 2020 gelegen.

Der Grund hierfür sei aber nicht die mangelnde Nachfrage. Im Gegenteil: Das Volumen der Aufträge der deutschen Unternehmen sei knapp zehn Prozent höher als vor der Krise. Es sei wie mit einem Seil, das sich nicht schieben lasse: Die Unternehmen möchten mehr produzieren, könnten ihre Aufträge wegen fehlender Vorprodukte aber nicht abarbeiten - als Folge sinke die Produktion trotz guter Nachfrage. Extrem sei die Situation im Automobilsektor, auch wenn es dort erste vorsichtige Entspannungssignale gebe. Die Produktion könnte beginnen, sich bei den Autobauern auf sehr niedrigem Niveau zu stabilisieren. Bis zur Trendwende müssten wir uns noch gedulden. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Experten von Union Investment glauben, dass die dicken Auftragspolster der Unternehmen, die sich während der Wiedereröffnung angesammelt haben, größtenteils auch wirklich abgearbeitet werden können. Wenn erst einmal Weihnachten und das Chinesische Neujahrsfest hinter uns lägen, sollten sich die Lieferengpässe entspannen. Damit steige auch die Chance, dass die Unternehmen mehr Aufträge aus ihrem Bestand abarbeiten könnten und die Produktion wieder zu einem Wachstumstreiber für die deutsche Wirtschaft werde. (Ausgabe vom 05.11.2021) (08.11.2021/alc/a/a)