US-Notenbank hat weiteren "Versicherungsschritt" vollzogen


01.11.19 10:01
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Zum Wochenausklang werden in den USA mit dem Arbeitsmarktbericht und dem ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe die Highlights des Monats veröffentlicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Beim Arbeitsmarktbericht werde zwar mit einem Rückgang der neu geschaffenen Stellen von 136 Tsd. auf 85 Tsd. gerechnet, dieser dürfte aber nur auf temporäre Effekte zurückzuführen sein. Mittelfristig erwarten die Analysten der Raiffeisen Bank International AG ohnehin, dass sich das Stellenwachstum im Schnitt bei monatlich 100 Tsd. einpendeln wird. Damit entspräche der Stellenaufbau dann in etwa dem natürlichen Zuwachs der Erwerbsbevölkerung, was zu einer stabilen Arbeitslosenquote führen dürfte. Der ISM Index für das Verarbeitende Gewerbe dürfte sich zwar etwas erholen, aber auch dann noch klar unter der 50 Punkte Marke verbleiben.

In der nächsten Woche seien hingegen relevante Datenveröffentlichungen Mangelware. Der Auftragseingang in der Industrie dürfte das anhaltend schwierige Umfeld widerspiegeln, mit dem auch die US-Industrie zu kämpfen habe. Die Stütze der US-Konjunktur seien vielmehr die Konsumenten bzw. der Dienstleistungssektor, woran sich auch kurzfristig wenig ändern dürfte. Zwar befinde sich der ISM Index für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe seit Anfang des Jahres auf einem Abwärtstrend und habe zuletzt einen spürbaren Rückgang verzeichnet. Der Konsens rechne jedoch mit einer kleinen Gegenbewegung, womit sich der Index wieder deutlicher von der 50 Punkte Marke absetzten würde. Dem Konsumentenvertrauen hätten die diversen politischen Unsicherheiten bisher wenig anhaben können, woran sich trotz des erwarteten leichten Rückgangs alles in allem auch wenig ändern dürfte.

Die Daten der kommenden Tage dürften somit das Bild einer nur moderat an Fahrt verlierenden US-Konjunktur zeichnen, die jedoch nicht unwesentlich am Wohl und Wehe der Konsumenten hänge. Dies sei einmal mehr von den jüngst veröffentlichten BIP-Zahlen für das dritte Quartal bestätigt worden. Mit annualisiert 1,9% p.q. sei die Dynamik so hoch aus wie im vorangegangenen Dreimonatszeitraum (2,0% p.q. ann.) gefallen und abermals von der Inlandsnachfrage getragen gewesen, und hier insbesondere vom (privaten und staatlichen) Konsum. Allerdings würden die Abwärtsrisiken überwiegen, sollte sich die Rezession im Verarbeitenden Gewerbe auf die Beschäftigung und das Konsumentenvertrauen niederschlagen (derzeit jedoch nicht der Fall). Generell erwarten die Analysten der Raiffeisen Bank International AG weiter eine Verlangsamung des US-Wachstums mit einer Bodenbildung im ersten Halbjahr 2020.

Die US-Notenbank habe bei der jüngsten Zinssitzung erwartungsgemäß einen weiteren "Versicherungsschritt" vollzogen und den Leitzins um 25 BP auf ein Zielband von 1,5% bis 1,75% gesenkt. Die Notenbank habe ihren Schritt erneut als Vorsichtsmaße angesichts fortbestehender globaler Risiken gerechtfertigt und damit ihren proaktiven, risikoorientierten Ansatz bekräftigt. Allerdings habe sie in ihrer Stellungnahme gefolgert, dass sich diese Risiken (insb. der Handelsstreit) zuletzt zumindest nicht verschärft hätten.

In ihrem Ausblick habe die Notenbank derweil eine Pause für weitere Zinsschritte signalisiert, sollte die Konjunkturdynamik bis Jahresende nicht überraschend abreißen (wonach es derzeit nicht aussehe). So habe FED-Chef Powell die aktuelle geldpolitische Ausrichtung der FED als "expansiv" und "angemessen" beschrieben, solange sich die US-Daten mit dem Konjunkturszenario der FED gedeckt hätten (die Erwartung eines weiteren Zinsschritts noch im Dezember habe sich auf 18 Prozent verringert). Den Datenveröffentlichungen in den kommenden Monaten komme daher noch größeres Gewicht zu. Vor diesem Hintergrund stellen die Analysten der Raiffeisen Bank International AG ihre Annahme eines weiteren Zinsschrittes noch in diesem Jahr unter Revision und werden in den kommenden Tagen auch im Lichte der noch diese Woche anstehenden Daten (Arbeitsmarktbericht, ISM) eine Neubewertung vornehmen. (Ausgabe vom 31.10.2019) (01.11.2019/alc/a/a)