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US-Notenbank bekräftigt Zinsanhebungspläne


11.10.17 12:30
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Der im historischen Durchschnitt schwächste Aktienmonat des Jahres kam und ging, ohne größere negative Spuren zu hinterlassen, so die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM) in ihrem aktuellen "emreport".

Nordkorea, Iran, deutsche Bundestagswahl, Spanien/Katalonien und selbst die Sitzung der US-Notenbank hätten im September relativ geringe Auswirkungen auf die Finanzmärkte gehabt. Der MSCI EM Index sei weitgehend auf der Stelle (-0,5%) getreten, während die entwickelten Aktienmärkte um rund 2% zugelegt hätten. Erstmals sei damit in diesem Jahr die überdurchschnittliche Wertentwicklung der Schwellenländer-Aktien unterbrochen worden. Doch sollte man auch nicht zu viel in diesen Fakt hineininterpretieren, zumal die Kapitalzuflüsse in die Emerging Markets anhalten würden. Vorsicht wäre erst geboten, wenn daraus ein länger anhaltender Trend würde. Verglichen mit dem Jahresbeginn liege der Schwellenländer-Aktienindex über 25% im Plus, weit vor dem Weltindex (+ 14%).

Die Konsolidierung bei EM-Aktien sei einhergegangen mit einem sich leicht erholenden US-Dollar und anziehenden US-Staatsanleiherenditen. Letztere seien Anfang September noch auf ein neues Jahrestief knapp über der 2%-Marke gerutscht, hätten danach aber kräftig angezogen. Eine nicht unerhebliche Rolle dabei dürfte die US-Notenbank gespielt haben. Diese habe bekräftigt, an den bereits wiederholt kommunizierten Zinsanhebungen festzuhalten. Die Finanzmärkte hätten bislang deutlich weniger Zinsschritte eingepreist. Nach den Erfahrungen der Vorjahre und angesichts eines derzeit geringen Inflationsdrucks seien diese Zweifel auch nachvollziehbar. Allerdings gehe die US-Notenbank weiterhin davon aus, dass die Inflation im kommenden Jahr weiter anziehen und dann ihren Zielwert erreichen oder überschreiten werde.

Angesichts eines weitgehend synchronen Wirtschaftsaufschwungs in faktisch allen Regionen der Welt sei ein solches Szenario durchaus plausibel. Der schwache Dollar, sinkende Renditen für Unternehmensanleihen sowie steigende Aktienkurse hätten zu überaus günstigen monetären Rahmenbedingungen für die US-Wirtschaft geführt, trotz der Zinsanhebungen der Notenbank. Das Wachstum in den USA könnte sich aufgrund dessen im kommenden Jahr nochmals beschleunigen, umso mehr, falls die von Präsident Trump angekündigten Steuerpläne umgesetzt würden.

Zusammen mit einer nochmals niedrigeren Arbeitslosigkeit sowie anziehenden Rohstoffpreisen wären dann auch höhere Inflationsraten denkbar. Dies könnte in den kommenden Quartalen einerseits zu höheren US-Staatsanleiherenditen sowie einem festeren Dollar führen - beides wäre eher negativ für Aktien und Anleihen sowie die Währungen der Schwellenländer. Auf der anderen Seite dürften aber die positiven Konjunktureffekte und die damit einhergehenden Gewinnzuwächse bei den Unternehmen wohl deutlich stärker für die Aktienmärkten wiegen.

Generell sei festzustellen, dass die Kurssteigerungen auf den Aktienmärkten bislang weitgehend von entsprechend höheren Unternehmensgewinnen getragen würden. Trotz der Kursrally hätten sich daher die Aktienbewertungen nur wenig verändert. Sofern nicht unerwartete massive Störfeuer auftauchen würden, beispielsweise seitens politischer Akteure, sollten speziell die Aktienmärkte ein sehr gutes Umfeld auch in den kommenden sechs bis zwölf Monaten vorfinden. Für Anleihen und Währungen der Schwellenländer könnte sich vor allem im Verlauf des kommenden Jahres etwas Gegenwind entwickeln. (Ausgabe Oktober 2017) (11.10.2017/alc/a/a)