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US-Notenbank auf leisen Sohlen Richtung Normalisierung


02.09.21 10:45
Swisscanto Invest

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die rasche Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Mutation, Lieferengpässe und Personalknappheit trüben den allgemeinen Wirtschaftsausblick ein, so die Experten von Swisscanto Invest.

Indes würden die Konjunkturindikatoren lediglich signalisieren, dass der Höhepunkt der wirtschaftlichen Erholung aus der coronabedingten Krise überschritten sei und die Weltwirtschaft einen Gang zurückschalte. Insgesamt würden die Experten von Swisscanto Invest an ihrer Ansicht festhalten, dass die Aussichten für eine anhaltende Konjunkturerholung intakt seien. Die kräftige wirtschaftliche Erholung sowie Liefer- und Personalengpässe hätten der Inflation Auftrieb verliehen. Letztlich dürften sich diese als temporär erweisen. Bis der Inflationsbuckel abgetragen sei, werde es aber bis weit ins nächste Jahr hinein dauern.

In einigen Schwellenländern habe der Teuerungsanstieg bereits zu einer restriktiveren Geldpolitik geführt. Die US-Notenbank signalisiere nun ebenfalls eine weniger expansive Geldpolitik und dürfte noch in diesem Jahr mit dem Abbau der Wertschriftenkäufe beginnen. Nach Ansicht der Experten von Swisscanto Invest sei das gegenwärtige Renditeniveau zu tief. Die vielerorts stark negativen Realrenditen seien kaum zu rechtfertigen. Aktuell bewegen wir uns in der reifen Phase des konjunkturellen Aufschwungs, so die Experten von Swisscanto Invest. In dieser Phase würden Aktien zwar attraktiv bleiben, aber die Volatilität nehme in der Regel zu.

Angesicht der angespannten Lage an der Inflationsfront erstaune es, dass die langfristigen Renditen der Staatsanleihen seit dem Frühjahr wieder spürbar gesunken seien. Zugegebenermaßen hätten sich die Konjunkturrisiken zuletzt erhöht, die wirtschaftlichen Aussichten würden aber ansprechend bleiben. Gleichzeitig müsse sich die Annahme einer nur temporär erhöhten Inflation erst noch bewahrheiten. Die vielerorts stark negativen Realrenditen seien vor diesem Hintergrund kaum erklärbar und dürften nach Meinung der Experten von Swisscanto Invest auch nicht Bestand haben. Die Experten würden deshalb in den kommenden Monaten mit moderat steigenden Renditen rechnen.

Ein gewichtiger Grund für höhere Renditen sähen die Experten von Swisscanto Invest auch im sich abzeichnenden geldpolitischen Kurswechsel der US-Notenbank. Eine Mehrheit der FED-Gouverneure sehe nämlich die Voraussetzungen, um mit der Reduktion der Anleihenkäufe noch in diesem Jahr zu beginnen, als nahezu erfüllt. Mit dem Tapering dürfte deshalb im November oder Dezember begonnen werden. Würden die Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt anhalten, erscheine eine erste Leitzinserhöhung schon Ende 2022 möglich. In der Vergangenheit habe dies, zumindest in einer ersten Phase, zu einem Anstieg der langfristigen Rendite geführt.

Wir haben in den vergangenen Monaten immer wieder darauf hingewiesen, dass wir die Weltwirtschaft jetzt in einer reifen Phase des Aufschwungs sehen, so die Experten von Swisscanto Invest. Mittlerweile komme das auch in den konjunkturellen Frühindikatoren zum Ausdruck, würden sie doch auf eine Wachstumsverlangsamung bei noch immer überdurchschnittlich hohen Inflationsraten hindeuten. Und die zumeist noch sehr zuversichtlichen Volkswirte und Finanzanalysten würden von den Konjunkturdaten immer öfter negativ überrascht. Die viel beachteten Surprise-Indices der Citigroup für die einzelnen Regionen würden dies zeigen, indem sie aktuell sinken würden. Bis sich die Erwartungen an das neue Umfeld angepasst hätten, dauere es in der Regel einige Wochen, sodass die Indices - wie der für die Industriestaaten - unter die Nulllinie fallen dürften, bevor sie sich stabilisieren würden.

Hinzu komme die aktuelle Diskussion um eine früher als ursprünglich angenommene Reduzierung der Anleihekäufe durch die US-Notenbank (FED). Die Unsicherheit über das weitere Vorgehen der FED sollte aber nach der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses (22. September) verfliegen. In Zeiten wie diesen seien die Aktienmärkte volatiler und konsolidierungsanfälliger als sonst, eine Trendumkehr bedeute das jedoch in der Regel nicht. Allerdings sei der Verlauf der Coronapandemie weiterhin ein Unsicherheitsfaktor. Zwar gehen wir davon aus, dass das Virus weiter an Schrecken verlieren wird, ein Ende der Pandemie ist aber noch nicht in Sicht, so die Experten von Swisscanto Invest.

In diesem Umfeld orten wir die regionalen Aktienmarktfavoriten dort, wo die konjunkturelle Dynamik noch am größten ist, so die Experten von Swisscanto Invest. Dazu würden die Experten aktuell Europa inklusive der Schweiz zählen. Die Schweiz profitiere einerseits von den wirtschaftlich engen Beziehungen mit der Eurozone. Andererseits könne der Aktienmarkt mit seiner relativ hohen Gewichtung der defensiven Sektoren seine Stärke ausspielen, wenn die Unsicherheit der Investoren zunehme.

Ähnlich würden die Experten die USA bewerten. Der Markt sei zwar deutlich zyklischer als die Schweiz, er gelte aber im internationalen Kontext als sicherer Hafen. Weniger Potenzial sähen die Experten von Swisscanto Invest dagegen nach wie vor bei den Schwellenländern. Sie würden sie seit längerem vor allem wegen einer nachlassenden konjunkturellen Dynamik im Vergleich zu den Industriestaaten und den regulatorischen Eingriffen bei chinesischen Unternehmen als unattraktiv beurteilen. Beide Phänomene dürften zwar nicht mehr lange andauern, aber die Experten würden abwarten, bis sich die Hinweise auf eine Wende verdichten würden.

Der Goldpreis werde aktuell vor allem durch Spekulationen rund um die US-Geldpolitik beeinflusst. Anfang August habe ein unerwartet stark ausgefallener Juli-Arbeitsmarktbericht zu einer Korrektur beim gelben Edelmetall geführt. Weitere Fortschritte bei der Arbeitsmarkterholung würden bedeuten, dass eine Reduktion der Wertpapierkäufe der US-Notenbank immer näher rücke. Damit nehme auch das Risiko steigender Realrenditen (inflationsbereinigte Renditen) zu. Bislang würden die tiefen US-Realrenditen den Goldpreis auf einem hohen Niveau halten. Durch die hohen Inflationserwartungen lägen die Realrenditen klar im negativen Bereich. Lasse jedoch der geldpolitische Rückenwind nach, sei das ein guter Nährboden für eine Zunahme der Realrendite. Mit steigenden Opportunitätskosten werde die Attraktivität von Gold für die Investoren zunehmend geringer. Die Euphorie der Investorengemeinschaft für Gold lasse entsprechend nach. Die ETF-Bestände und Netto-Long-Positionierungen am Terminmarkt befänden sich zwar immer noch auf einem hohen Niveau, allerdings sei die Tendenz abnehmend. (02.09.2021/alc/a/a)