US-Notenbank FED erhöht Leitzins


09.05.22 09:27
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wie am Markt allgemein erwartet hat die US-Notenbank FED am Mittwochabend nach Abschluss ihrer zweitägigen Sitzung die FED Funds Rate um 0,5 Prozent angehoben, so die Experten von Union Investment.

Das Zielband liege nun bei 0,75 bis 1,0 Prozent. Gleichzeitig sei der baldige Beginn des Bilanzabbaus angekündigt worden. Die Märkte hätten zunächst überaus positiv auf die Nachrichten der Zentralbank reagiert. Eine wohl nicht unerhebliche Zahl an Marktteilnehmern habe im Vorfeld wohl schlimmeres befürchtet und dabei größere Zinserhöhungsschritte um 0,75 Prozent nicht ausgeschlossen. Dies dürfte nach den erfolgten Erklärungen aber nunmehr vom Tisch sein. Sowohl an den Renten- als auch den Aktienmärkten sei es zunächst zu einer positiven Kursreaktion gekommen, die jedoch nicht lange anhielt. Belastungsfaktoren wie die Inflationsentwicklung und zunehmende Sorgen hinsichtlich einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums hätten in der Berichtswoche an den Märkten die Oberhand behalten. Sowohl die Aktien- als auch die Rentenmärkte hätten aufgrund der geringen Risikobereitschaft der Anleger Verluste verzeichnet.

Da seitens der FED sowohl ein Zinsschritt um 50 Basispunkte (oder 0,5 Prozent) als auch die Ankündigung des baldigen Bilanzabbaus erwartet worden sei, habe sich das Interesse auf die Pläne der FED bezüglich einer Konkretisierung ihres angestrebten Zinspfades gerichtet. Das Statement des Offenmarktausschusses (FOMC) habe zwar diesbezüglich wenig Neues geliefert, der FED-Vorsitzende Powell sei auf der anschließenden Pressekonferenz diesbezüglich etwas deutlicher geworden. Die FED wolle den Leitzins zügig auf ein neutrales Zinsniveau (möglicherweise bei 2,5 Prozent?) anheben. Dabei würden nach Powells Aussagen in den kommenden FED-Sitzungen weitere 50er-Schritte auf dem Tisch liegen. Umfangreicheren Zinsschritten, etwa um 75 Basispunkte, sei eine Absage erteilt worden. Dies habe den Anlegern signalisiert, dass die FED ihre bislang restriktivere (hawkishe) Kommunikation nicht weiter verstärke. Dieser Punkt habe bei den Finanzakteuren für ein - zumindest kurzzeitiges - Aufatmen gesorgt.

Der Fokus der FED liege angesichts der aktuell sehr hohen Preissteigerungsraten klar auf der Inflationsbekämpfung. Der Krieg in der Ukraine und die, durch die Lockdowns bedingte, Wachstumsschwäche in China führe zu Risiken sowohl für den Wachstums- als auch für den Inflationsausblick mit sich. Die Hauptsorge der FED liege dabei auf der Inflationsseite. Solange negative Rückwirkungen einer globalen Wachstumsschwäche ausbleiben würden, werde die FED an ihrem geldpolitischen Normalisierungskurs festhalten. Vom Rückgang der US-Wirtschaftsleistung der USA (Bruttoinlandsprodukt) im ersten Quartal habe sich die FED zumindest nicht irritieren lassen. Dazu liege der amerikanische Arbeitsmarkt derzeit zu robust. Nach zwei weiteren kommenden Zinsschritten um jeweils 50 Basispunkte im Juni und im Juli dürfte die FED ab September aber auf 25er-Schritte übergehen. Die Zielrichtung sollte sich dann bis Ende des Jahres auf ein Leitzinsniveau von 2,5 bis 2,75 Prozent bewegen. Mit einem weiteren Zinsschritt zu Beginn 2023 in Richtung drei Prozent sollte dann der Gipfel des aktuellen Zinserhöhungszyklus erst einmal erreicht sein.

Die Bank of England (BoE) sei am Donnerstag mit einem Zinsschritt von 0,25 auf nunmehr ein Prozent der US-FED gefolgt. Mit sechs zu drei Stimmen sei ein klares Votum der Zentralbankmitglieder erfolgt, wobei die drei Gegenstimmen innerhalb der BoE sogar für eine Anhebung um 0,5 Prozent votiert hätten. Letztlich habe es sich hierbei um eine geldpolitisch sehr restriktive (hawkishe) Sitzung gehandelt. Der BoE mache wie den anderen Zentralbanken vor allem die Inflationsentwicklung zu schaffen. Weitere nach oben gerichtete Zinsschritte der BoE dürften folgen.

Die Inflation im Euroraum habe im April mit 7,5 Prozent wohl niemanden überrascht. Was negativ zu Buche geschlagen habe, sei aber die Erkenntnis gewesen, dass sich der Preisschub mittlerweile in der Breite durchsetze. Die Kernrate sei anstatt erwarteter 3,2 um 3,5 Prozent angestiegen. Für die Marktakteure sei die Entwicklung ein klares Indiz, dass die Europäische Zentralbank eher früher als später zum Handeln gezwungen sein werde. Ein Zinsschritt im Juli sei wahrscheinlicher geworden, zumal in offiziellen EZB-Statements zuletzt kein Widerspruch gegen baldige restriktivere geldpolitische Maßnahmen zu vernehmen gewesen sei. Selbst die bislang größten Befürworter einer lockeren geldpolitischen Ausrichtung scheinen nun das Lager zu wechseln, so die Experten von Union Investment.

Am heutigen Freitag seien die Daten zur deutsche Industrieproduktion im März veröffentlicht worden. Mit minus 3,9 Prozent habe diese deutlich unter den Erwartungen der Analysten (minus 1,3 Prozent) gelegen. Lediglich der Bausektor habe, wohl aufgrund des guten Wetters, positive Daten verzeichnet.

Der US-Arbeitsmarkt habe sich auch im April von seiner robusten Seite gezeigt. Die 428.000 neu geschaffenen Stellen hätten über dem Bloomberg-Konsens (380.000) gelegen. Die Arbeitslosenquote habe unverändert 3,6 Prozent betragen.

Unerwartet deutlich schwächer habe im April offizielle Einkaufsmanagerindex der chinesischen Wirtschaft tendiert. Der Composite habe mit 42,7 deutlich unter dem Vormonat (48,8) gelegen. Besonders stark sei der Dienstleistungssektor von 48,4 auf 41,9 Punkte und damit deutlich unter die Expansionsschwelle von 50 Zählern gefallen. Angesichts der zu beobachtenden Corona-bedingten Lockdowns seien dies keine guten Nachrichten gewesen und würden derzeit aufkommenden Wachstumsbefürchten nähren. Den deutlichen Rückgang habe im weiteren Wochenverlauf dann noch der Caixin-Einkaufsmanagerindex (Composite) bestätigt. Dieser sei im April gegenüber März deutlich von 43,9 auf 37,2 gefallen. Im Dienstleistungssektor sei es dabei von 42 auf 36,2 Punkte herab gegangen. (Ausgabe vom 06.05.2022) (09.05.2022/alc/a/a)