Erweiterte Funktionen

US-Langfristrenditen dürften steigen - Europa stemmt sich gegen ein Übergreifen


06.04.21 10:15
AXA Investment Managers

Köln (www.anleihencheck.de) - Weil die Inflation zumindest vorübergehend weiter zulegt, dürften die US-Langfristrenditen zunächst steigen. Europa stemmt sich gegen ein Übergreifen, so die Experten von AXA Investment Managers.

Am schwersten hätten es die Emerging Markets, die ihre Geldpolitik vielleicht prozyklisch straffen müssten, schreibe Chris Iggo, AXA IM CIO Core Investments, in der aktuellen Marktstrategie.

Zum anhaltenden Anstieg der US-Langfristrenditen sage die FED … nichts. Sicher, sie stelle noch immer eine ausgesprochen expansive Geldpolitik in Aussicht und wenn man dem Median der Dotplots Glauben schenke, möchten die Offenmarktausschussmitglieder mit Zinsschritten noch bis 2024 warten. Jerome Powell habe auch klar gesagt, dass er den Markt vor einer Verringerung der Anleihekäufe rechtzeitig warnen wolle. Doch paradoxerweise lasse all das die Renditen weiter steigen. Der Grund sei die neue Inflationspolitik, wolle die FED doch in Zukunft ein gewisses Überschießen akzeptieren. Diese milde Haltung lasse die langfristigen Inflationserwartungen steigen. Damit die Renditen nicht noch weiter zulegen würden, bräuchte der Markt schon eine andere Notenbankrhetorik - vielleicht mit Hinweisen auf eine neue Operation Twist, und Änderungen bei den Anleihekäufen, um die Langfristrenditen stärker zu steuern. Aber nichts deute bislang darauf hin.

Neben den Erwartungen zur Geldpolitik würden aber auch die Wirtschaftsdaten Inflationssorgen auslösen. Die Preiskomponente des ISM-Index für den Dienstleistungssektor sei im Februar so hoch wie seit 2009 nicht mehr gewesen. In solchen Fällen sei die Kernrate meist innerhalb von drei bis sechs Monaten gestiegen. Hinzu komme, dass Biden ein fast 1,9 Billionen US-Dollar schweres Konjunkturpaket durch den Kongress gebracht habe. Weil die Hilfen aufgrund der schnellen Impfungen wohl mit dem Neustart der Wirtschaft zusammenfallen würden, werde eine Überhitzung wahrscheinlicher. Dabei sei der Ansatz der FED fundamental gut begründet, zumal Bidens Konjunkturpaket wohl nur ein Strohfeuer sein werde. Man wisse nicht, ob sein politisches Kapital reiche, um danach auch das mittelfristige Investitionsprogramm durch den Kongress zu bringen.

Die höheren Langfristrenditen würden es jedenfalls schwerer machen, könne man doch jetzt nicht mehr so leicht argumentieren, dass es sich selbst finanziere. Zum Jahresende dürfte sich die US-Wirtschaft dann wieder etwas beruhigen. Weil Biden es nicht geschafft habe, seine Mindestlohnpläne auf die Tagesordnung zu setzen, halte sich auch das Risiko einer Kostendruckinflation in Grenzen. Und doch würden die Inflationserwartungen zumindest vorübergehend steigen - wenn die Inflation zulege, würden die Marktteilnehmer das oft fortschreiben. Die Zehnjahresrenditen dürften daher sukzessive auf 2% steigen, um dann wieder etwas zurückzugehen."

Die US-Wirtschaft werde die anhaltende Straffung der Finanzbedingungen wohl verkraften, aber ein Übergreifen auf Europa käme zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Im Euroraum würden die Kontaktbeschränkungen nicht lockerer, sondern strenger, da sich das Virus wieder schneller ausbreite und die Impfungen weiterhin stocken würden. Zwar sei die europäische Fiskalpolitik expansiv, doch setze sie eher auf die mittelfristigen Effekte eines gemeinsamen EU-Budgets als auf spektakuläre Kurzfristpakete.

Die Europäische Zentralbank (EZB) habe zugesagt, sich einem Übergreifen der steigenden Zinsen entgegenzustellen. Sie würde dann im Rahmen des Pandemie-Notfallkaufprogramms (PEPP) Anleihen übernehmen, doch scheine es interne Meinungsverschiedenheiten zu geben. Wahrscheinlich werde man erst auf der nächsten Ratssitzung eine Entscheidung treffen, idealerweise, nachdem neue Konjunkturdaten vorlägen. Aber die gebe es nur einmal im Quartal. Die EZB werde daher eher reagieren als vorausschauend handeln, wie schon in ähnlichen Phasen zuvor. Dennoch würden die Experten von AXA Investment Managers glauben, dass sich der Zinsabstand zwischen US-Staatsanleihen und deutschen Bundesanleihen insgesamt nur wenig ändere und die deutsche Zehnjahresrendite zum Jahresende noch immer negativ sein werde.

Schwieriger sei die Lage der Emerging Markets, aus denen bereits Mittel abgezogen würden. Alles in allem stünden sie jetzt zwar besser da als so oft, wenn die Industrieländerrenditen gestiegen seien. Die schwächeren Länder stünden aber zweifellos unter Druck. Manche Notenbanken seien zu Zinserhöhungen gezwungen, zuletzt die Türkei, Russland und Brasilien, was die Erholung gebremst habe. Vor allem die Türkei müsse man im Blick haben. Offensichtlich sei die Politik hier nicht mehr bereit, den Preis einer strafferen Geldpolitik hinzunehmen - das Rezept für Finanzturbulenzen. (06.04.2021/alc/a/a)