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US-Inflationsrate überrascht nach oben hin


15.11.21 10:23
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die US-Inflation für Oktober lag über den Erwartungen, die ihrerseits ohnedies einen Anstieg gegenüber den Septemberwerten unterstellten, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Gesamtrate habe 6,2% p.a. betragen, verglichen mit 5,4% im September, und die Kernrate sei auf 4,6% gestiegen, verglichen mit 4,0% zuvor. Die Energiepreise hätten wenig überraschend wieder einen großen Teil zum Inflationsanstieg beigetragen. Die Preise für neue und gebrauchte KFZ sowie für damit verbundene Waren und Dienstleistungen seien ebenfalls wieder stark gestiegen, allerdings weniger stark als im zweiten Quartal dieses Jahres. Wichtiger erscheine jedoch die Tatsache, dass sich der Preisanstieg über alle Kategorien hinweg ausgeweitet habe. Vor allem bei den Dienstleistungen, die im Warenkorb des VPI ein Gewicht von fast 60% einnähmen, sei eine verstärkte Preisdynamik zu beobachten gewesen, die es sicherlich genau zu verfolgen gelte.

Nach einer Verlangsamung der Inflationsdynamik im dritten Quartal habe die Oktober-Veröffentlichung die Aufwärtsrisiken für die Inflationsaussichten der FED hervorgehoben und bringe das duale Mandat der FED zumindest kurzfristig in einen Konflikt. Je schneller sich der Arbeitsmarkt erhole und als je persistenter sich die Inflationsdynamik erweise, desto früher werde die FED mit einer Straffung ihres geldpolitischen Kurses reagieren. Bislang halte die FED an ihrer Einschätzung eines weitgehend vorübergehenden Inflationsanstiegs fest und rechne mit einem Rückgang der Inflationsrate im zweiten und dritten Quartal des nächsten Jahres.

Der Blick nach vorne zeige wenig Richtungsweisendes für die laufende Woche. Dies gelte vor allem für die Eurozone, wo nur die zweiten Schätzungen zum BIP und die finalen Ergebnisse zur Inflation anstünden. In den USA stünden mit den ersten Stimmungsindikatoren für November (Empire State Index, Philly FED Index) sowie den Oktoberwerten zur Industrieproduktion und zu den Einzelhandelsumsätzen etwas mehr Informationen am Kalender. Im Gegensatz zu Europa sei die Deltawelle in den USA bereits vorüber, wovon dienstleistungsbezogene Indikatoren wie die Einzelhandelsumsätze profitieren dürften. Der Einfluss der Pandemie sei jedoch zuvor nicht so stark gewesen, sodass die Datenveröffentlichungen der nächsten Woche höchstwahrscheinlich im Hinblick auf ein anderes brennendes Thema geprüft würden: Kapazitäts- und Lieferkettenengpässe. Die Industrieproduktion sei in den vergangenen zwei Monaten rückläufig gewesen, was zum einen auf Halbleiterknappheit in der Automobilbranche und zum zweiten auf die Auswirkungen des Hurrikans Ida zurückzuführen sei. Zumindest der letztgenannte dämpfende Faktor dürfte im Oktober nachgelassen haben.

Die Volatilität an den Anleihemärkten sei in der letzten Woche hoch gewesen. Vor allem, aber nicht nur, seien die Renditen am US-Treasury-Markt gestiegen, begleitet von einer Aufwertung des US-Dollar. Nach der Ankündigung des Tapering in der Vorwoche, die für die Märkte wenig neuen Informationsgehalt gebracht habe, habe die überraschend hohe Inflation offenbar einen wunden Punkt getroffen. Die Erwartung, dass die Federal Reserve Mitte des Jahres 2022 die Zinsen anheben werde, habe an Rückenwind gewonnen und das kurze Ende der Renditekurve (2- bis 5-jährige Laufzeiten) habe wieder die Jahreshöchststände von Mitte Oktober erreicht.

Während die langfristigen Renditen ebenfalls gestiegen seien, werde die Rendite 10-jähriger Laufzeiten aber noch unter den Jahreshöchstständen vom März und Oktober (1,7%) gehandelt. Der Markt stelle also weder die Glaubwürdigkeit der FED in Bezug auf die mittelfristige Eindämmung der Inflation infrage, noch reflektiere dieser, dass die FED gezwungen sein werde, die Geldpolitik sehr aggressiv zu straffen, mit negativen Begleiterscheinungen für die Realwirtschaft. Vielmehr sehe der Markt die Konditionen der FED für den Beginn eines Zinserhöhungszyklus bereits Mitte 2022 als erfüllt an, was ja, wie der FED-Vorsitzende Powell erklärt habe, "im Bereich des Möglichen" liege. Der Auslöser sollte dabei eher vom Arbeitsmarkt als von der Inflation ausgehen. Die Veröffentlichung der Inflationszahlen im Oktober sei eine deutliche Erinnerung daran gewesen, dass die Inflationsbedingungen der FED wohl kein Hindernis für eine Zinserhöhung darstellen würden, sobald die FED ihr Ziel der Vollbeschäftigung als erfüllt ansehe. (Ausgabe vom 12.11.2021) (15.11.2021/alc/a/a)