US-Inflationsdaten könnten die Märkte stützen


06.05.22 11:30
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Unmittelbar nach der Sitzung der US-Notenbank in dieser Woche erholten sich die Märkte weltweit, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management.

Die Erleichterung darüber, dass die Zinsen lediglich um 50 Basispunkte angehoben worden seien, sei aber nur von kurzer Dauer gewesen. Die Stimmung sei nach wie vor angespannt. Angesichts des unsicheren makroökonomischen Umfelds würden die Anleger generell dazu neigen, Risiken zu reduzieren.

Globale Konjunkturdaten würden auf eine Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit hindeuten: Die Realeinkommen würden durch die höheren Preise unter Druck geraten, die finanziellen Bedingungen würden sich zu verschärfen beginnen und China habe mit der Umsetzung seiner Null-Covid-Strategie zu kämpfen. Die Renditen von Staatsanleihen würden jedoch aktuell viel stärker auf die Inflation als auf das Wachstum reagieren. Die Notenbanker würden zu Maßnahmen gezwungen sein, um die Preisstabilität als übergeordnetes Ziel in absehbarer Zukunft zu erhalten.

Vor diesem Hintergrund dürften sich die Staatsanleiherenditen nur schwer erholen oder stabilisieren, solange die Daten nicht die Annahme stützen würden, dass das Schlimmste des Inflationsschocks hinter uns liege. Daher sei der kommende Woche veröffentlichte US-Verbraucherpreisindex von großer Bedeutung.

Davor werde das Augenmerk auf den heute vorgelegten Lohndaten liegen. Sollte die Inflation weiterhin überschießen, dürfte dies auf die durch einen sehr angespannten Arbeitsmarkt bedingte Lohninflation zurückzuführen sein. Die US-Kerninflation habe im März bei 0,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat gelegen. Ein ähnlicher Wert im April werde die Märkte stützen.

Es scheine jedoch noch zu früh zu sein, um eine Abschwächung der Rhetorik von FED-Chef Jerome Powell und seinen Kolleginnen und Kollegen zu erwarten - es sei denn, es käme zu einer deutlichen und plötzlichen Verschärfung der Finanzbedingungen.

In der Eurozone werde der schwierige Balanceakt der Europäischen Zentralbank durch steigende Spreads bei Staatsanleihen verschärft: Zehnjährige italienische Staatspapiere würden jetzt mit einem Aufschlag von 200 Basispunkten gegenüber Bundesanleihen gehandelt - damit sei er doppelt so hoch wie noch vor sechs Monaten. Man sehe also eine Verschärfung der finanziellen Bedingungen für einige der Länder, in denen die Produktionslücken am größten seien. Dadurch drohe eine erneute Divergenz in der Wirtschaftsleistung.

Das zeige: Eine echte und dauerhafte Währungsunion erfordere eine viel engere fiskalische und politische Einheit. Es könnten jedoch noch weitere Spannungen an den Märkten nötig sein, bevor die politischen Entscheidungsträger die notwendigen harten Entscheidungen treffen und entschlossen in diese Richtung gehen würden. (06.05.2022/alc/a/a)