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US-Inflation steigt im Oktober unerwartet deutlich an


15.11.21 11:04
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Preisanstieg in den Vereinigten Statten erreicht ungeahnte Höhen, so die Experten von Union Investment.

Mit 6,2 Prozent im Oktober seien die schon hochgesteckten Erwartungen der Analysten noch einmal übertroffen worden. Dies vermochte die gute Stimmung an den Aktienmärkten jedoch kaum einzutrüben, so die Experten von Union Investment. Auch die jüngste Corona-Entwicklung mit dem starken Anstieg der Erkrankungen habe bei den Anlegern wenig Beachtung gefunden. Die Indices hätten auf ihren hohen Niveaus verharrt oder hätten nur leicht nachgegeben, nachdem zu Wochenbeginn teils sogar noch neue Rekordmarken erreicht worden seien. So sei etwa der DAX 40 am heutigen Freitag auf einen neuen Höchststand von 16.117 Punkten angestiegen. An den Staatsanleihemärkten seien vor allem Bundesanleihen und US-Schatzanweisungen mit kürzeren und mittleren Laufzeiten unter Druck gekommen. Die Befürchtung einer schnellen geldpolitischen Wende durch die Zentralbanken habe die Renditen wieder ansteigen lassen. Der Euro habe zum US-Dollar in der Berichtswoche spürbar abgewertet.

Mit plus 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat sei die US-Inflation im Oktober deutlich angestiegen. Dass die Sechs-Prozentmarke überschritten worden sei, hätten die meisten Analysten in Schätzungen nicht einkalkuliert. Anhaltende Lieferengpässe und erhöhte Energiepreise hätten die Verbraucherpreise so kräftig wie seit 1990 nicht mehr ansteigen lassen. Auch die um die schwankungsanfälligen Nahrungsmittel- und Energiepreise bereinigte Kernrate habe mit 4,6 Prozent ebenfalls deutlich angezogen. Komponenten wie Mietpreise und der Automobilsektor, sowohl was Neu- als auch Gebrauchtwagen betreffe, hätten maßgeblichen Anteil an der Entwicklung gehabt. Im Vergleich zum Vormonat September 2021 habe der Preisanstieg 0,9 Prozent betragen.

Auf der US-Notenbank FED werde bezüglich der geldpolitischen Ausrichtung weiter Druck lasten, wenngleich diese die aktuelle Preisentwicklung nach wie vor als temporär bezeichne. Die FED habe sich zuletzt eine flexible Handhabung bei der Rückführung ihrer Anleiheankäufe (Tapering) vorbehalten. Bei anhaltendem Inflationsdruck könnte einer schnelleren Rückführung der Anleiheankäufe ein früherer Zinsschritt als erwartet folgen, wovon die Experten derzeit aber nicht ausgehen würden. US-Präsident Biden habe die Inflation kürzlich als gesellschaftliches Problem bezeichnet, was es der FED unter dem Vorsitzenden Powell, auch vor dem Hintergrund der Neubesetzung der FED-Führung, nicht gerade leichter mache.

Der über die Befragung von Finanzanalysten ermittelte ZEW-Index für die deutsche Wirtschaft habe sich für November uneinheitlich gezeigt. Einer schlechteren Lageeinschätzung (12,5 nach 21,6 Punkte) habe eine verbesserte Erwartungskomponente (31,7 nach 22,3 Punkte) gegenübergestanden. Die zuletzt rückläufigen September-Daten zur deutschen Industrieproduktion dürften auf die Lagebeurteilung gedrückt haben. Die positive Erwartungshaltung der Finanzmarktexperten werde auf die gute aktuelle Entwicklung am Kapitalmarkt zurückgeführt. Diese spiegele sich im Rahmen zahlreicher Rekordstände an den Aktienmärkten entsprechend in den Angaben der Umfrageteilnehmer wider. (Ausgabe vom 12.11.2021) (15.11.2021/alc/a/a)