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US High-Yield: Von Fallen Angels und Rising Stars


10.06.21 11:00
Capital Group

Los Angeles (www.anleihencheck.de) - Verbesserte Kreditqualität und weniger Rendite: Im US-High-Yield-Markt ist eine Menge Bewegung, so die Experten der Capital Group.

Peter Becker, Investment Director Fixed Income bei Capital Group, analysiere die Situation und erläutere, warum die kürzere Duration der High Yield für einen gewissen Schutz sorgen könnte, wenn die Zinsen aufgrund der besseren Konjunktur steigen sollten.

Die Zinsen würden steigen, die Spreads seien eng wie nie und die Konjunktur erhole sich. Das wirke sich auch auf den amerikanischen High-Yield-Markt aus. Becker benenne fünf Dinge, die derzeit für die Assetklasse wichtig seien:

1. Verbesserte Kreditqualität

"Die Kreditqualität von High-Yield-Anleihen verbessert sich bereits seit langem", so Becker. 2019 habe diese Entwicklung weiter an Fahrt aufgenommen: So habe mittlerweile die Hälfte aller Emittenten ein BB-Rating, das bestmögliche Rating für High Yield. Vor 20 Jahren habe dieser Anteil bei gerade mal einem Drittel gelegen. Bei Investmentgrade-Anleihen gebe es eine gegenläufige Entwicklung: Über die Hälfte habe mittlerweile ein BBB-Rating, das niedrigste Investmentgrade-Rating.

Viele frühere Investmentgrade-Emittenten seien auf High Yield herabgestuft ("Fallen Angels"), und aus nicht wenigen High-Yield-Titeln seien Investmentgrade-Papiere geworden ("Rising Stars"). "Für High-Yield-Investoren ergeben sich daraus neue Chancen," erläutere Becker. "Die Märkte nähern sich an. Die Qualität von High-Yield-Anleihen verbessert sich, die von Investmentgrade-Titeln geht zurück."

2. Weniger Zahlungsausfälle

Vor der Corona-Pandemie seien nur sehr wenige High-Yield-Anleihen nicht bedient worden: "Seit dem Höchststand von 14 Prozent während der internationalen Finanzkrise lagen die jährlichen Ausfälle meist unter dem Vergangenheitsdurchschnitt von ungefähr drei Prozent", analysiere Becker. Lediglich 2015/16 sei es nach dem Ölpreiseinbruch zu vielen Ausfällen im Energiesektor gekommen.

2020 seien die Ausfallquoten zwar gestiegen, doch die Erholung habe bereits begonnen. Dies läge zum einen an der verbesserten durchschnittlichen Kreditqualität, zum anderen habe die FED mit ihren Anleihenkäufen den Markt während der jüngsten Turbulenzen gestützt und stabilisiert. Selbst Emittenten, die besonders stark vom Lockdown betroffen gewesen seien, hätten fällige Anleihen zu akzeptablen Zinsen refinanziert und neue Titel begeben, um das Geschäft aufrechtzuerhalten.

3. Spreads würden für bessere Konjunktur sprechen

"Auf Sicht eines Konjunkturzyklus haben sich High-Yield-Anleihen bislang gelohnt", sage Becker. "Gerade im Aufschwung und bei starkem Wachstum hat man mit ihnen besonders viel verdient." Genau das stehe jetzt wieder in Aussicht: Finanzstärkere Emittenten, die ihre Kapazitäten ausbauen wollten, könnten sich am Markt refinanzieren oder Kapital für zusätzliche Investoren einwerben.

Besonders gut für High Yield seien oftmals die Zeiten unmittelbar nach einem Konjunkturtief gewesen, wenn die Spreads weiter seien. "Nach der Rally im letzten Jahr ist die Durchschnittsrendite von High-Yield-Anleihen mit etwa vier Prozent zwar jetzt nur noch wenig von ihrem Allzeittief entfernt, da die Kurse die starke konjunkturelle Erholung reflektieren, aber die Aussicht auf vier Prozent Rendite bei niedrigen Zahlungsausfällen ist zurzeit alles andere als wenig."

4. Vielfältigerer Markt

Viele strukturelle Veränderungen hätten dafür gesorgt, dass der High-Yield-Markt heute ganz anders sei als in den 1980ern, als er entstanden sei. Vor allem die Sektorvielfalt sei heute sehr viel größer. "Noch immer stellen Telekommunikations- und Medienwerte einen Großteil der Anleihen", so Becker. "Aber ihre Dominanz ist vorbei." Außerdem habe sich die Markttiefe deutlich verbessert.

Sowohl konjunktursensitivere Sektoren wie Einzelhandel, Reisen und Grundstoffe als auch weniger konjunktursensitive wie Gesundheit hätten jetzt einen größeren Marktanteil. Die Zeit mit ein oder zwei beherrschenden Sektoren sei vorbei: Heutzutage bilde der High-Yield-Markt die gesamte US-Wirtschaft ab.

5. Kurze Duration

"Im Schnitt haben High-Yield-Anleihen eine Duration von vier Jahren, halb so lang wie bei Investmentgrade-Titeln", sage Becker. Demnach würden High-Yield-Emittenten in der Regel kürzer laufende Papiere begeben, weil sie ein niedriges Rating hätten und das Anlegerinteresse an längeren Laufzeiten entsprechend gering sei.

Aufgrund ihrer kürzeren Duration seien High-Yield-Anleihen unabhängiger vom Zinsanstieg, der typisch für Zeiten mit einem hohen Wirtschaftswachstum sei. "Allein dadurch sind High-Yield-Anleihen gegenüber anderen Marktsegmenten im Vorteil", so Becker. Wer sein Anleihenportfolio um High Yield ergänze, verringere die Duration und hätte die Aussicht auf Kursgewinne, wenn die Wirtschaft wachse. (10.06.2021/alc/a/a)